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Better Call Saul: JMM - Review

Better Call Saul: JMM - Review

Rhea Seehorn und Bob Odenkirk in Better Call Saul (c) AMC
Rhea Seehorn und Bob Odenkirk in Better Call Saul (c) AMC

Better Call Saul bietet in der Episode JMM so viele Höhepunkte, dass die fünfte Staffel ein neues Plateau der Spitzenqualität erreicht. Wir sehen eine Hochzeit, eine Explosion mit Hähnchen und eine Extraladung Lalo.

Obwohl die fünfte Staffel von Better Call Saul in ihrer ersten Hälfte bereits einen großartigen Auftakt hinlegte, ließen wir bei der wöchentlichen Bewertung immer noch ein bisschen Luft nach oben, in der ziemlich anmaßenden Hoffnung, dass die AMC-Serie nach hinten heraus vielleicht sogar noch eine Schippe drauflegt. Und genau dieser Wunsch erfüllt sich nun: Zum zweiten Mal in Folge kann man mit Fug und Recht von einer absolut perfekten Episode sprechen. Ihr Titel lautet schlichtweg JMM, was entweder für „Justice matters most“ oder „Just make money“ stehen könnte...

Kim und Jimmy

Nachdem uns Kim (Rhea Seehorn) vor einer Woche mit dem wohl unromantischsten Heiratsantrag aller Zeiten überrumpelte, folgt nun die dazu passende Hochzeit. Sicherlich früher als erwartet, aber weil das Ganze eh so anmutet, als wollten sie und Jimmy (Bob Odenkirk) die Eheschließung schnellstmöglich hinter sich bringen, ergibt die Eile durchaus Sinn. Ein kleines Schmankerl für die Zuschauer: Als Trauzeuge tritt der Publikumsliebling Huell Babineaux (Lavell Crawford) auf. Anhand dieser Personalie wird schon deutlich, dass die Autorin Alison Tatlock und die Regisseurin Melissa Bernstein bei dieser Schlüsselszene eher auf die Lachmuskeln zielen, statt auf die Tränendrüsen. Und so endet die Trauung schließlich mit den Worten „Okidoki“, die selbst Kim aufgrund des lapidaren Charakters zum Schmunzeln bringen.

Wichtiger als Jimmys Ehegelübde ist ihr ohnehin ein anderes Versprechen, nämlich das, dass er sie künftig in alles einweiht, was er eigentlich lieber verschweigen würde. Und schon wenige Minuten nach der morgendlichen Hochzeit verstrickt er sich als Saul Goodman bereits in so eine Sache. Nacho (Michael Mando) engagiert ausgerechnet ihn als Anwalt für den kürzlich verhafteten Lalo (Tony Dalton), von dem wir in dieser Episode endlich wieder etwas mehr zu sehen kriegen. Die Verteidigung des Salamanca-Soldaten könnte Jimmy ein für alle Mal zum „Freund des Kartells“ machen, was ihn nicht nur „wohlhabend“ machen würde, sondern regelrecht „Privatjet-wohlhabend“. Dazu später mehr...

Zunächst noch ein paar Worte über Kim: Sie muss diese Woche gemeinsam mit Richard (Dennis Boutsikaris) den Scherbenhaufen bei Mesa Verde zusammenkehren, den Jimmy hinterlassen hat. Soll heißen: Sie und ihr Chef müssen bei Kevin (Rex Linn) auf die Knie gehen und um Vergebung winseln. Eine Haltung, die Kim so gar nicht steht. Und tatsächlich triumphiert ihr Stolz spätestens, als ihr verärgerter Klient beim Schmollen einen Schritt zu weit geht und eben nicht nur ihre Arbeit, sondern auch ihren privaten Männergeschmack - also die Wahl Jimmys - kritisiert. Für sie der Auslöser, dem Sturkopf nun ebenfalls die Meinung zu geigen. Denn hätte er auf ihren Rat gehört, wäre das alles nicht passiert. Das scheint sogar er selbst dann einzusehen oder er bewundert einfach ihre Cojones. So oder so: Kim behählt den Auftrag und wir Zuschauer freuen uns darüber, dass sie endlich mal ein bisschen Dampf ablassen konnte.

© IMAGO
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Giancarlo Esposito in Better Call Saul  © AMC
Giancarlo Esposito in Better Call Saul © AMC

Und auch der Rest der Episode steht ganz im Zeichen des Dampfablassens: Jimmy bekommt beispielsweise im Gerichtsgebäude die Gelegenheit, Howard (Patrick Fabian) erneut vor allen Kollegen eine Szene zu machen, nachdem die Bowlingkugeln und das peinliche Schauspiel mit den Prostituierten ihm offenbar noch nicht genug Katharsis verschafft haben. Zwar kann man durchaus anzweifeln, dass der Geschäftspartner seines verstorbenen Bruders Chuck (Michael McKean) tatsächlich für dessen Tod verantwortlich ist, wie Jimmy lauthals behauptet, doch zu sehen, wie Odenkirk ausnahmsweise mal komplett ausrastet, macht großen Spaß. Ein überragender Abschluss für eine überragende Episode.

Etwas stiller verläuft vorher die Seelenreinigung von Mike (Jonathan Banks), der zunächst seiner Enkelin aus „Der kleine Prinz“ vorliest und anschließend ein heilendes Gespräch mit seiner Schwiegertochter Stacey (Kerry Condon) führt. Beim gemeinsamen Abwasch spült der verbitterte Handlager der kriminellen Unterwelt von Albuquerque all das böse Blut von seinen Händen ab, das er zuletzt sprichwörtlich vergossen hatte. Auf die Frage, welche spezielle Bedeutung der Kinderbuchklassiker von Antoine de Saint-Exupéry in dieser Folge hat, vermag ich mangels Bildung keine abschließende Antwort zu geben. Vielleicht spiegelt das Ganze am ehesten noch Jimmys inneren Konflikt wider, denn er steht nun vor der Entscheidung, ob er als Anwalt aus Gründen der Moral Gutes oder aus Gründen des Geldes Schlechtes tun will...

Gus und Lalo

So unterhaltsam jede Sekunde mit Lalo auch sein mag, so sehr lassen Vince Gilligan und Konsorten dennoch keinen Zweifel daran, wie abgrundtrief böse die Bösen in der Serie wirklich sind. Bei seiner ersten Gerichtsverhandlung zum Mordfall des armen Fred Whalen (James Austin Johnson) zeigt der Mörder nicht nur keinerlei Reue, sondern er scheint sich nicht mal an sein Opfer zu erinnern. Für Jimmy ein weiteres großes Gegenargument für den Pfad des unmoralischen Geldes, obwohl er auch dieses gut zu ignorieren scheint. Ausgerechnet mithilfe Mikes, der ja selbst dafür sorgte, dass Lalo auf der Anklagebank landete, schafft er es - selbstverständlich wieder mit schmutzigen Tricks -, seinen Mandanten aus der Haft zu holen.

Fragt sich nur, warum Mike plötzlich seine Meinung geändert hat. Die Antwort: Gus (Giancarlo Esposito) will sich zur Vorbereitung auf den unvermeidlichen Krieg gegen die Salamancas noch etwas Zeit verschaffen und befürchtet, dass Lalo im Gefängnis etwas zustoßen könnte, das man wahrscheinlich ihm anrechnen würde. Zumal jede Zuspitzung seine Tarnung als sauberer Geschäftsmann gefährden dürfte. Um das Pulverfass vorerst zu entschärfen, opfert Gus sogar sein geliebtes Hähnchenrestaurant Los Pollos Hermanos, das Nacho auf Geheiß von Lalo abfackeln soll. Als braver Doppelagent weiht Nacho ihn ein und so legen sie das Feuer am Ende gemeinsam - und zwar auf spektakulärste MacGyver-Art!

Man kann das Ganze gern auch als Anspielung auf Gus' Ableben verstehen, das eines Tages ebenfalls durch eine Explosion zustande kommen wird. Alles in allem eine großartige Folge, die nicht nur keine Wünsche unerfüllt lässt, sondern auch Wünsche erfüllt, die wir bis dato gar nicht hatten. So kommt es beispielsweise auch zur überraschenden Rückkehr des deutschen Geschäftsmannes Peter Schuler (Norbert Weisser), dessen Partnerschaft mit Gus scheinbar einer Freundschaft gleicht. Interessante neue Erkenntnisse, die den nächsten Breaking Bad-Rewatch sicherlich bereichern dürften...

Bjarne Bock

Der Artikel Better Call Saul: JMM - Review wurde von Bjarne Bock am Uhr erstmalig veröffentlicht. Bjarne Bock hat bereits 8.025 Artikel bei Serienjunkies veröffentlicht. Eine Übersicht der Meldungen von Bjarne Bock

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