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Better Call Saul: Inflatable - Review

Kritik der Episode 2x07

Jimmy und der Wabbel-Wackel-Armige-Windhosen-Kamerad  / (c) AMC
Jimmy und der Wabbel-Wackel-Armige-Windhosen-Kamerad / (c) AMC

Diese Woche legt Better Call Saul seinen Fokus wieder auf Jimmy. Offenbar hat er sich endlich dazu entschlossen, sein wahres Ich nicht länger zu bekämpfen und stattdessen das volle Potenzial seiner seltsamen Talente auszuschöpfen.

Nachdem unser Titelheld Jimmy (Bob Odenkirk) die letzten Wochen in erster Linie auf der Ersatzbank Platz nahm, damit Kim (Rhea Seehorn) und Mike (Jonathan Banks) ein paar Momente im Scheinwerferlicht erleben konnten, kehrt er in der jüngsten Episode von Better Call Saul wieder zurück ins Spiel. Tatsächlich präsentiert uns Inflatable einen der wohl bedeutendsten Meilensteine auf der transformierenden Reise Jimmys, die ihn letzten Endes zu seinem Alter Ego Saul Goodman führen wird. Und auch Kim steht vor einem lebensverändernden Schritt, der ihr jedoch weniger leicht zu fallen scheint als Jimmy. Mike versucht derweil, seine Angehörigen vor dem Salamanca-Clan zu beschützen.

Can trust be restored?

Die Episode beginnt mit einem cold open, das uns einen Blick in Jimmys Kindheit gewährt. Es ist ein warmer Spätsommertag im Jahre 1973, in einem Städtchen irgendwo in der Nähe von Chicago. Während ganz Amerika über die Watergate-Affäre diskutiert und das Time Magazine das Vertrauen der Bevölkerung in Präsident Nixon infrage stellt, vergnügt sich der kleine Jimmy lieber mit der jüngsten Ausgabe des Playboys, die er im Zeitschriftenregal des Geschäftes seines Vaters findet. Dieser unterhält sich gerade mit einem Fremden an der Kasse.

Genau wie bei Richard Nixon handelt es sich bei dem Mann offenbar auch um einen Betrüger, was Jimmys gutgläubigem Vater jedoch verborgen bleibt. Nicht einmal, als sein Sohn ihn vor der Masche des Tricksers warnt, schöpft er Verdacht. Als er dann einen kurzen Moment lang das Geschäft verlässt, um ein wenig Geld für den Fremden aufzutreiben, verrät dieser dem kleinen Jimmy eine Weisheit, die sich tief in seine Seele einbrennen wird: „There are wolves and sheeps.“ Im Gegensatz zu seinem Vater sah sich der Junge offenbar selbst eher als Raubtier und bediente sich deshalb an diesem Tag erstmalig aus der Kasse seines alten Herren - genau wie Chuck (Michael McKean) es in der letzten Episode schilderte.

Episodenautor Gordon Smith und Regisseur Colin Bucksey präsentieren uns in dieser Eröffnungssequenz die Anfänge der origin story von Slippin' Jimmy aka Saul Goodman. Vieles daran erinnert in gewisser Weise an einen Superheldencomic: ein wegweisendes Ereignis für ein Kind, auf das seine gesamte Persönlichkeit zurückzuführen ist - so wie der Mord an Batmans Eltern. Insgesamt erscheinen Symbolik und Doppeldeutigkeit in dieser Episode von Better Call Saul etwas weniger subtil, als man es von der Serie gewöhnt ist - denkt man zum Beispiel an Jimmys Anrufbeantworter, Kims Namensdreher oder die zerrissene Visitenkarte.

© IMAGO
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Jimmy steht vor der Qual der Wahl...  © AMC
Jimmy steht vor der Qual der Wahl... © AMC

Not unhappy per se, more like not happy.

Vielleicht resultiert die leicht übertriebene Verspieltheit dieser Episode allein aus dem Kontrast zu ihren Vorgängern, die einen etwas düsteren Ton trafen. Darin liegt ja prinzipiell das Erfolgsrezept dieser Serie: Jimmy bringt Licht, Mike bringt Dunkelheit. Wichtig ist nur, dass man die optimale Balance hält. Da Mike in dieser Woche nichts zu tun bekommt, außer dass er gemeinsam mit seinem Anwalt Jimmy die Aussage bezüglich Tuco Salamanca zurücknimmt, seiner Schwiegertochter ein neues Haus spendiert und eine Überwachungsmission zur Sicherheit seiner Angehörigen startet, hat die lockere und leichte Seite von Better Call Saul klares Übergewicht.

An diesem Punkt sollte angemerkt werden, dass weder Comedy noch Drama per se gut oder schlecht sind - ich persönlich verehre Gilligan und Co. normalerweise für ihren besonderen Sinn für Humor. Doch bei dieser Episode bin ich etwas kritischer eingestellt. Dabei beziehe ich mich in erster Linie auf den Part, in dem Jimmy, nachdem er sich endlich dazu durchgerungen hat, seinen seriösen Job bei Davis & Main aufzugeben, alles daran setzt, gefeuert zu werden, damit er zumindest noch die Willkommensprämie abgreifen kann.

So vergnüglich und einfallsreich die Montagesequenz mit dem „Wabbel-Wackel-Armigen-Windhosen-Kamerad“ auch ist, Jimmys Figur läuft darin gleich mehrmals Gefahr, den sprichwörtlichen „Shark zu jumpen“, also etwas derart Lächerliches oder Unglaubwürdiges zu tun, dass man als Zuschauer aufhört, sich mit ihm zu identifizieren. Wem sein Toilettenspülungsboykott noch nicht genug war, der hat sich wohl spätestens beim Dudelsackkonzert im Büro gewundert. Zumindest Jimmys Chef Cliff (Ed Begley Jr.) platzt danach der Kragen: „You win, you're fired. You're not worth my time.

Dies ist wohl der finale Todesstoß für James M. McGill, Esquire. Jimmy zieht zurück in sein bescheidenes aber vertrautes Büro in den Hinterzimmern des Nagelsalons von Mrs. Mookjaiaporn, holt sein altes, nicht eintöniges Auto zurück und wird wieder zu dem, der er eigentlich immer gewesen ist. Einzig der sündhaft teure Cocoboloschreibtisch erinnert nun noch an seinen kurzen Ausflug in das Leben eines rechtschaffenden Anwalts. Im Zuge seiner wenig ruhmreichen Abschiedstour bei Davis & Main hat er sich zudem mit einer Ladung bunter Anzüge ausgestattet, die später das Markenzeichen Saul Goodmans werden sollen.

© IMAGO
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... und auch Kim muss eine Entscheidung fällen.  © AMC
... und auch Kim muss eine Entscheidung fällen. © AMC

Seperate firms under one roof.

Nicht nur Jimmy, auch Kim steht an einem entscheidenden Punkt in ihrer Anwaltskarriere. Ihre Stelle bei Hamlin, Hamlin & McGill hat sich immer mehr zu einer Sackgasse für ihre Karriere entwickelt, was vor allem auf ihre Beziehung zu Jimmy zurückzuführen ist. Um ihre Situation zu verbessern, hat sich Kim dazu entschlossen, auf die jüngste Jobofferte der Konkurrenzkanzlei Schweikart & Cokely einzugehen. Doch bevor sie ihrem derzeitigen Chef Howard (Patrick Fabian) die Kündigung zustellen kann, stattet ihr Jimmy einen Besuch im Büro ab.

Jimmy unterbreitet ihr große Pläne, eine eigene Kanzlei: Wexler & McGill. Dies ist nicht das erste Mal, dass er Kim eine berufliche Partnerschaft vorschlägt - inzwischen hat er sogar ein schickes Firmenlogo entworfen -, doch noch immer will sie nicht einwilligen. Sie fragt sich ohnehin, wieso ihm die Sache so wichtig zu sein scheint, ob er vielleicht denkt, dass er sie nur so an sich binden kann.

Jimmy versucht Kim einzureden, dass ein Wechsel zu Schweikart & Cokely nichts an ihrer Lage ändern würde, ihr potenzieller neuer Chef Rick Schweikart (Dennis Boutsikaris) wäre auch bloß ein Howard Hamlin, nur mit anderem Namen. Als Kim nach dem Bewerbungsgespräch mit Schweikart tatsächlich die Namen der beiden Männer durcheinander bringt, erkennt sie, dass Jimmy eventuell Recht haben könnte.

Nun wirft auch Kim ihren sicheren Posten bei einer prestigeträchtigen Kanzlei hin. Sie fährt zu Jimmys Büro im Nagelsalon und akzeptiert sein Angebot. Aber nur unter einer Bedingung: Sie will nach außen hin nicht mit ihm assoziiert werden. Sie würden sich selbstständig machen, im selben Gebäude arbeiten, jedoch nicht als Partner auftreten. Sie würde ihr Ding machen und er seines. Und auch wenn Jimmys Antwort auf Kims Vorschlag unausgesprochen bleibt, ist in seinen Augen klar zu sehen, wie ihm das Herz bricht. Gaben ihm die gemeinsamen Tricksereien in den Bars, die er mit Kim in jüngster Vergangenheit abgezogen hat, das Gefühl, sie würde seine Methoden und sein Innerstes endlich zu schätzen wissen, dann ist diese Hoffnung nun gestorben.

Bjarne Bock

Der Artikel Better Call Saul: Inflatable - Review wurde von Bjarne Bock am Uhr erstmalig veröffentlicht. Bjarne Bock hat bereits 7.996 Artikel bei Serienjunkies veröffentlicht. Eine Übersicht der Meldungen von Bjarne Bock

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