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Better Call Saul: The Guy for This - Review

Better Call Saul: The Guy for This - Review

Szenenbild von Better Call Saul: Kim (Rhea Seehorn) kämpft um ihr Gewissen... (c) AMC
Szenenbild von Better Call Saul: Kim (Rhea Seehorn) kämpft um ihr Gewissen... (c) AMC

Na, diese Glatze kennen wir doch! Better Call Saul bringt eine der beliebtesten Figuren aus der Mutterserie Breaking Bad zurück ins Spiel. Am meisten lohnt es sich diese Woche aber, über Kim zu reden, die mit ihrem Ethos hadert...

Dank des doppelten Auftakts vergangene Woche sind wir nun bei Episode drei der fünften Staffel der US-Serie Better Call Saul, die den Titel The Guy for This trägt, bereits mittendrin im Geschehen. Darüber hinaus haben Ann Cherkis, die diesmal das Drehbuch schrieb, und Michael Morris, der die Regie führte, das große Vergnügen, einen echten Schwergewichtler der Mutterserie Breaking Bad zurückzuholen: Dean Norris als DEA-Agent und Hobby-Braumeister Hank „Immer für einen Spruch gut“ Schrader. Und wo Hank ist, ist auch Steve „Gomie“ Gomez (Steven Michael Quezada) nie allzu fern. Dass es eine gute Folge werden würde, stand somit gar nicht zur Debatte - falls es bei dieser Ausnahmeserie von AMC jemals zur Debatte steht -, doch dank Kim (Rhea Seehorn) ist es sogar eine großartige Folge.

Der gute Mensch von Albuquerque

Unsere Lieblingsanwältin tut weiterhin ihr Bestes, sich genau spiegelbildlich im Verhältnis zu Jimmy (Bob Odenkirk) zu entwickeln. Während er sich endgültig seiner skrupellosen Berufspersona Saul Goodman hingibt und nun auch für die ganz schweren Jungs wie Nacho (Michael Mando), Krazy-8 (Maximino Arciniega) und natürlich Lalo (Tony Dalton) arbeitet - letzterer dominiert übrigens auch in dieser Woche wieder jede Szene, in der er mitspielt -, arbeitet sie abgesehen vom äußerst ertragreichen Mesa-Verde-Etat nur noch pro bono. Aber, wie so oft im Leben, wird auch ihr Idealismus nicht sofort belohnt, sondern zunächst auf die Probe gestellt.

Von ihren Kollegen wird sie für ihren Weg der Moral belächelt, von ihren Klienten derweil kaum wertgeschätzt. Am Ende hängt also alles von ihrer intrinsischen Motivation ab, den harten Weg zu gehen, statt einfach ihr Gewissen im Geld zu ertränken, wie die meisten anderen es zu pflegen tun. Besonders tragisch: Durch Mesa Verde gerät sie an einen Gegner, der genau in die Wunden sticht, die sie so quälen. Ein alter Mann, der sich weigert, sein Grundstück aufzugeben, wirft ausgerechnet ihr vor, ohne jeden Skrupel zu handeln. Diese Anklage setzt Kim derart zu, dass sie inmitten der Nacht noch mal raus in die Wüste fährt, um dem Mann ein gutherziges Gegenangebot zu machen, nachdem sie am Nachmittag ihm gegenüber die Nerven verloren hatte. Doch auch jetzt lässt er sie nicht vom Haken.

Nie zuvor hat sich Kim in der Serie so verletzlich gezeigt. Ausnahmsweise erfahren wir in ihrer aufrichtigen Selbstoffenbarung sogar Details über ihre schwierige Kindheit. Und all das macht es umso härter, als der besagte Mann ihr auch jetzt noch Kalkül vorwirft. Könnte er vielleicht Recht haben? Verlangt Kim vielleicht wirklich zu viel, wenn sie von allen gemocht oder wenigstens als guter Mensch validiert werden will? Sind ihre skrupellosen Kollegen in dieser Hinsicht nicht fast schon ehrlicher als sie? Immerhin sind sie gar nicht erst so anmaßend, anzunehmen, auf der richtigen Seite zu kämpfen.

Beantworten kann und will ich diese Fragen selbst auch nicht, doch dafür will ich hervorheben, wie fantastisch Seehorn erstens diese nahezu unmögliche Mischung aus Naivität und Abgeklärtheit porträtiert und wie nuanciert das Ganze zweitens geschrieben wurde. Kims innerer Konflikt fasziniert mich persönlich so sehr, dass ich gar nicht anders konnte, als ihn ins Zentrum dieser Besprechung zu stellen, obwohl die Episode noch viel anderes Großartiges zu bieten hat. Die metaphorische Bedeutung der Bierflaschen, die am Anfang und am Ende der Folge zum Einsatz kommen, kann sich aber vermutlich jeder selbst erschließen...

© IMAGO
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© AMC
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Stattdessen will ich gern noch einen kleinen Vergleich zum Bertold-Brecht-Stück „Der gute Mensch von Sezuan“ aufmachen, der meiner Meinung nach perfekt zum vorliegenden Dilemma passt. Drei Götter besuchen darin die Erde auf der Suche nach einem wahrlich noblen Menschen und finden dabei eine Prostituierte, die ihnen als Einzige Unterkunft gibt. Als Belohnung bekommt sie etwas Geld, von dem sie sich einen Tabakladen kauft. Ihr oberstes Ziel ist es aber, allen armen Menschen zu helfen. Der Gewinn aus ihrem Geschäft wird also direkt wieder gespendet. Nach kurzer Zeit merkt sie, dass die Notleidenden immer mehr von ihr erbitten - würde sie also stets zustimmen, wäre ihr Laden folglich bald pleite.

Aus lauter Verzweiflung erfindet sie eine zweite Persona, indem sie sich als ihr eigener Cousin verkleidet, und in dieser fällt es ihr leichter, die Bettler wegzuschicken. Die Götter sind damit einverstanden, denn auch sie wissen, dass selbst der beste Mensch hin und wieder hart sein muss, um selbst zu überleben und so weiter Gutes tun zu können. Hat auch Kim diese Lektion gelernt? Und musste Jimmy vielleicht sein Alter Ego Saul erfinden, um guten Gewissens Böses tun zu können? Ist die Mesa-Verde-Kim also ihre eigene Version eines Saul Goodman? „Well, Mesa Verde keeps the lights on.

Wie in der guten alten Zeit

Ein Verhörraum und vier Männer: Saul Goodman, der Drogendealer Krazy-8 und die Polizisten Special Agent Schrader und Steve Gomez. Better Call Saul ist spätestens mit dieser neuen Episode im guten alten Breaking Bad-Gefühl angekommen. Und das Tollste daran: Der Auftritt von Hank und Steve war offensichtlich nur der Anfang eines vermutlich nicht unwichtigen längeren Handlungsstrangs. Soll heißen: Sie werden keineswegs für ein kurzfristiges Cameo verschwendet, sondern wirklich in die Gesamtgeschichte eingebunden.

Ebenfalls sehr erfreulich: Man erobert den Figuren, die so ein tragisches und unrühmliches Ende in der Mutterserie hatten, ein Stück ihrer Würde zurück. Sie sollen nämlich eigentlich Opfer werden von einem von Sauls Tricks, doch dafür sind die zwei zu clever. Diese kleine Kleinigkeit, dass sie eben nicht sofort in die Falle tappen, ist unheimlich wichtig für die Spannung und hebt sie als Charaktere hervor. Genau wie Breaking Bad hat auch Better Call Saul diese wunderbare Angewohnheit, nie das zu tun, was vorausschaubar und einfach wäre. Gerade diese Unberechenbarkeit, die jedoch nie auf Kosten der Logik geht, macht das Ganze so grandios.

Außerdem wäre es auch für die geduldige Entwicklung von Saul nicht passend gewesen, ihn nun auf Anhieb als Meistertrickser in Szene zu setzen. Zwar scheint er sein Ziel letztlich zu erreichen, nämlich Krazy-8 für Lalo aus dem Knast zu holen, doch der Preis dafür ist sehr viel höher als erhofft. Zumal Saul so jedenfalls immer mehr zwischen die Fronten von Gus (Giancarlo Esposito) und den Salamancas gerät. Für Fans, die Sauls eigene Abenteuer nicht spannend genug finden, sind das natürlich gute Nachrichten. Insgesamt könnte die Serie derzeit kaum interessanter sein. Lediglich Mike (Jonathan Banks) wirkt ein wenig abgehängt, obwohl ich diese eine Szene, in der er kräftig austeilt, sicher auch nicht missen wollen würde... Alles in allem mal wieder eine fast perfekte Better Call Saul-Episode! Ja, und die Ameisen waren natürlich auch super!

Bjarne Bock

Der Artikel Better Call Saul: The Guy for This - Review wurde von Bjarne Bock am Uhr erstmalig veröffentlicht. Bjarne Bock hat bereits 8.025 Artikel bei Serienjunkies veröffentlicht. Eine Übersicht der Meldungen von Bjarne Bock

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