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Better Call Saul: Fifi - Review

Kritik der Episode 2x08

Ein Beispiel für die inszenatorische Finesse von „Better Call Saul“  /  (c) AMC
Ein Beispiel für die inszenatorische Finesse von „Better Call Saul“ / (c) AMC

In Fifi kehrt Better Call Saul zu seinen inszenatorischen Anfängen zurück. Die Verwandschaft zur Mutterserie wird vor allem dank der hervorragenden Regie offensichtlich. Jimmy, Kim und Mike durchleben dabei glückliche Erfolgserlebnisse und bittere Niederlagen.

Wie bereits mehrfach angemerkt, schlagen zwei Herzen in der Brust der Serie, die sich Better Call Saul nennt. Während der im Mutationsprozess zur Titelfigur begriffene Jimmy (Bob Odenkirk) derzeit mit Verwicklungen auf Breaking Bad-Niveau noch wenig bis nichts zu tun hat, steckt Mike (Jonathan Banks) bereits mittendrin. Dem Autorenteam der Serie scheint diese Zweigleisigkeit nichts auszumachen. Im Gegenteil, es arbeitet selbst aktiv daran, sie aufrechtzuerhalten - oder wird manchmal dazu ermuntert, wie im Falle von Fifi.

A fresh start

Die Episode eröffnet mit einem atemberaubenden One Shot, den sich Regisseurin Larysa Kondracki (The Americans, Halt and Catch Fire) einfallen ließ. Die gesamte Szene sei laut Drehbuchautor Thomas Schnauz bereits vor ihrem Engagement als Hommage an die berühmte Eröffnungsszene von Orson Welles' Filmklassiker „Touch of Evil“ geplant gewesen, wurde jedoch erst von Kondracki als ein einziger Take konzipiert.

In echter „Bad“-Manier folgt die Kamera einem mexikanischen Tiefkühltransporter beim Überfahren der Grenze und der anschließenden Inspektion durch amerikanische Zollbeamte. Die finden darin keine Schmuggelware, was natürlich nicht bedeutet, dass wir den „Regalo Helado“-Laster nicht noch einmal zu Gesicht bekommen würden. Ganz am Ende taucht er erwartungsgemäß wieder auf, als Mike seinen neuen Erzfeind Hector (Mark Margolis) bei der Annahme des Schmuggelguts observiert.

Auch zu diesem Zeitpunkt haben sich die „BB“-Referenzen noch nicht erschöpft. In vorauseilender Reminiszenz an seinen späteren Mörder Walter White improvisiert Mike aus einem Gartenschlauch und ein paar rostigen Nägeln eine Vorrichtung, um - wahrscheinlich - ebenjenen Lastwagen aufzuhalten, den Hector wenige Stunden zuvor noch in Empfang genommen hatte. Was der Rest seines Planes vorsieht, lässt sich zu diesem Zeitpunkt nur erahnen. Ziemlich sicher können wir hingegen davon ausgehen, dass es dabei zu einer sehenswerten, eventuell auch brutalen Auseinandersetzung kommen wird.

© IMAGO
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Mike (Jonathan Banks) setzt sogar seine Enkeltochter ein; um sich seiner Feinde zu entledigen.   © AMC
Mike (Jonathan Banks) setzt sogar seine Enkeltochter ein; um sich seiner Feinde zu entledigen. © AMC

Brutal sind die Auseinandersetzungen zwischen Jimmy und seinem Bruder Chuck (Michael McKean) ebenfalls - wenn auch nur auf emotionaler Ebene. Die Serie macht dann stets einen Wechsel in weniger unmittelbare, jedoch ebenso aufregende Gefilde. Bevor sich die Brüder in einen kalten Krieg begeben, feilen Jimmy und Kim (Rhea Seehorn) an ihren Selbstständigkeitsplänen. Dabei reckt Slippin' Jimmy abermals seine zwielichtige Fratze empor, was seine Partnerin in law dazu veranlasst, erneut ihre Bedingungen vorzutragen: „I need to find a way to do this that's right for me.

Either you fit the jacket or the jacket fits you

Das hat sie Jimmy schon mehrfach vorgetragen, richtig ankommen will es bei ihm aber nicht. Trotzdem lässt sie sich nicht von ihrem Ansinnen abbringen. Sie marschiert ins Büro von Howard (Patrick Fabian) und verkündet ihre Abschiedspläne. Dessen Reaktion fällt angesichts vergangener Meinungsverschiedenheiten und Maßregelungen überraschend positiv aus, er bietet sogar an, ihren Studienkredit nicht zurückzuverlangen. Nach dem Treffen beginnt jedoch ein Wettlauf um den von ihr akquirierten Großkunden Mesa Verde.

Zunächst schaut es für Kim gut aus. Vom Meeting mit Kevin (Rex Linn) und Paige (Cara Pifko) kommt sie mit einem breiten Grinsen zurück, was ihre Entscheidung, mit Jimmy in eine ehemalige Zahnarztpraxis zu ziehen, erheblich erleichtert. Im Überschwang verpasst sie ihrem zukünftigen Beinahe-Kollegen einen dicken Kuss, was der mit ehrlicher Freude beantwortet: „I love seeing you like this.“ Wie wir geübten Breaking Bad-Zuschauer aber leidlich wissen, kann solche Glückseligkeit nicht lange währen.

Als Chuck die schlechten Nachrichten über den bevorstehenden Verlust des Mesa-Verde-Geschäfts von Howard erfährt, fühlt er sich zunächst zu einem literarischen Zitat („The man is Svengali“) veranlasst, um sogleich in Aktion zu treten - und zwar nicht nur gegen Kim, sondern auch gegen seinen Bruder. Er weiß nämlich gar nicht, dass die beiden getrennte Kanzleien betreiben werden, das hat Howard - ob absichtlich oder nicht - verschwiegen. Der kalte Krieg, der stets zwischen ihnen brodelt, bricht nun wieder voll aus.

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Jimmy (Bob Odenkirk) kann nicht glauben; was sein Bruder getan hat.   © AMC
Jimmy (Bob Odenkirk) kann nicht glauben; was sein Bruder getan hat. © AMC

Für seine erfolgreiche Rückholaktion zahlt Chuck jedoch einen hohen Preis. Blüht er im Meeting mit Mesa Verde (MV) noch regelrecht auf, bricht er bald danach völlig in sich zusammen. Seine unterdrückte Paranoia kehrt mit voller Wucht zurück, wobei sich die Frage stellt, ob es vielleicht gar nicht an der Arbeit liegt, sondern an dem Betrug am eigenen Bruder. Der zeigt jedenfalls Großmut und kümmert sich um den Gepeinigten. Ohne Strafe lässt er ihn jedoch nicht davonkommen, wobei einmal mehr seine Fähigkeiten als Manipulator zur Geltung kommen.

Your impression of a baked potato

Kurzerhand entwendet Jimmy die bei Chuck gelagerten MV-Akten, um sie mit viel Fleißarbeit in einem rund um die Uhr geöffneten Copyshop zu fingieren. Ein einfacher Zahlendreher soll dafür sorgen, dass die MV-Entscheider das Vertrauen in HHM verlieren, um sich wieder Kim zuzuwenden. Jedoch hat Jimmy hierbei noch immer nicht verstanden, dass er seiner Quasi-Kollegin so nicht hilft. Sollte der Plan funktionieren und Kim davon erfahren, dass Jimmy dahintersteckt, - und das wird sie - wird sie das Business wohl gar nicht haben wollen.

Dieser Konflikt wächst zum zentralen der Serie heran, was angesichts der darin verborgenen emotionalen Fallhöhe vielversprechend ist, gleichzeitig aber auch herzzerreißend, bilden die beiden doch ein ultrasympathisches Paar. Spannend bleibt die Frage, wie sich die beiden endgültig entzweien werden, schließlich wissen wir aus Breaking Bad, dass Kim im Leben von Jimmy bald keine Rolle mehr spielen wird. Bis es so weit ist, vergehen hoffentlich noch viele Staffeln. Andernfalls wäre es viel zu schade um die von Rhea Seehorn zauberhaft gespielte Figur.

Einen waschechten Slippin' Jimmy liefert ihr Kollege indes beim Dreh zu seinem neuen Werbeclip. Dazu engagiert er die beiden uns bestens bekannten Filmstudenten (die für die Anfangssequenz wohl große Bewunderung übrig hätten) und einen älteren Herrn, den er einen ehemaligen Bomberpiloten und ausgezeichneten Kriegsveteran spielen lässt. Die Szene gilt ausschließlich dem comic relief, was einer solch unterschwellig düsteren Episode überaus gut tut.

Better Call Saul kann beides herausragend gut - wenn auch in unterschiedlichem Maße als die Mutterserie.

Christina Greiner

Der Artikel Better Call Saul: Fifi - Review wurde von Christina Greiner am Uhr erstmalig veröffentlicht. Christina Greiner hat bereits 173 Artikel bei Serienjunkies veröffentlicht.

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