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Better Call Saul: Dedicado a Max - Review

Better Call Saul: Dedicado a Max - Review

Kritik der Episode 5x5 Mit vollem Einsatz

Jonathan Banks in Better Call Saul (c) AMC/Netflix
Jonathan Banks in Better Call Saul (c) AMC/Netflix

Wir sind in der Mitte der fünften Staffel von Better Call Saul angekommen und langsam zeichnet sich ab, wohin die Reise der Figuren geht. Vor allem für den zuletzt vernachlässigten Mike ist Dedicado a Max eine starke Episode.

Better Call Saul ist derzeit so im Flow, dass man gar nicht daran denken mag, dass die fünfte Staffel schon wieder halb vorbei ist. Auch die neue Episode namens Dedicado a Max sorgt für fabelhafte Unterhaltung - die besonders dieser Tage bitter nötig ist. Während Jimmy (Bob Odenkirk) und Kim (Rhea Seehorn) weiter ihre Spielchen spielen, um den Sturkopf Mr. Acker (Barry Corbin) vor Mesa Verde zu beschützen, findet Mike (Jonathan Banks) in seiner Krise endlich wieder eine Bestimmung...

Deserteur in der Wüste?

Cliffhanger haben bei einer Prequel-Story, wie Better Call Saul sie bekanntlich erzählt, nur selten Sinn. Trotzdem erlaubten sich Vince Gilligan und Konsorten vergangene Woche ein kleines Mysterium rund um Mikes aktuellen Aufenthaltsort. Wir erinnern uns: Nach seiner Schlägerei mit einer Straßengang erwachte er irgendwo im mexikanischen Grenzgebiet, mitsamt Messerstichwunde im Bauch. Nun werden wir endlich aufgeklärt, wo genau der frustrierte Fixer gelandet ist - nämlich in einem kleinen Schuldorf, das offenbar unter dem Schutz seines Chefs Gus Fring (Giancarlo Esposito) steht. Dieser machte sich zu Recht Sorgen um seinen Lieblingshandlanger und verordnete ihm daher eine kurze Erholungskur im öden Hinterland.

Wie Mike dazu steht, bemuttert zu werden, wissen wir alle. Und so kommt es in der neuen Folge, die von Heather Marion geschrieben und von Jim McKay inszeniert wurde, zu einer besonders hohen Dichte an genervten Grummelgeräuschen, die niemand so toll beherrscht wie Banks. Erst will er sofort von dannen ziehen, doch Gus' Haus- und Hofarzt Dr. Barry Goodman (JB Blanc), in dem Mike einen Mann mit gutem Herzen erkennt, überredet ihn zum Bleiben. Wenig später tut er dann bereits wieder, was er am besten kann: anpacken und sich nützlich machen. Kurzerhand renoviert er die zerfallenen Baracken, in denen man sich um ihn kümmerte. Trotzdem hat er mit dem Hühnchenhändler Gus natürlich noch ein selbiges zu rupfen.

Der Titel der neuen Episode bezieht sich auf ein Denkmal in Form eines schwarzen Brunnens, der im Dorfzentrum steht. Dieser ist Gus' ehemaligem Geschäftspartner Max (Maximino Arciniega) gewidmet, der einst kaltblütig von seinem Erzfeind Hector Salamanca (Mark Margolis) hingerichtet wurde (hier die Szene). Der Schmerz und das Schuldgefühl, das ihn seitdem begleiten, treiben Gus tagtäglich an, die Salamancas zu bekämpfen und zu vernichten. Und da er nun spürte, wie Mike nach der Tragödie rund um seinen deutschen Freund Werner (Rainer Bock) daran zweifelte, ob er wirklich auf der „richtigen“ Seite kämpft, will er seinen besten Soldaten mit seiner rührenden Geschichte nun neu einschwören. Aber klappt das?

© IMAGO
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Bob Odenkirk in Better Call Saul  © AMC/Netflix
Bob Odenkirk in Better Call Saul © AMC/Netflix

Gus' Plan geht auf, wobei es eher unwahrscheinlich wirkt, dass Mike wirklich wegen Max überzeugt wurde, sondern vielmehr aufgrund der Ermangelung an Alternativen. Das Soldatentum zeichnet sich ja gerade dadurch aus, die eigenen Motive aufzugeben und sich ganz dem Kampf eines anderen zu verschreiben. So gesehen dient der Handlungsstrang, den Mike seit einigen Wochen durchmacht, am Ende hauptsächlich Gus, über den wir sonst nie sehr viel erfahren. Beste Freunde werden die zwei sowieso nie werden - wie wir durch Breaking Bad bereits wissen -, aber im Gegensatz zu vielen anderen Männern im Drogengeschäft kann Mike Gus wenigstens respektieren. Er schätzt ihn für seine Sauberkeit und Disziplin und Gus schätzt Mike für seine Ruhe und Erfahrung - und auch dafür, dass er weiß, wie es sich anfühlt, von der Gier nach Rache zerfressen zu werden.

Anwältin auf Abwegen?

Nun aber zum spaßigeren Teil der neuen Folge, sprich zu Jimmy und Kim. Seit letzter Woche ist Jimmy alias Saul Goodman nun offiziell der Anwalt von Mr. Acker, dem menschlichen Dorn im Auge der Bank Mesa Verde, mit der Kim ihre Brötchen verdient. Doch, da sie Mitleid mit dem alten Mann hat, der wegen eines albernen Callcenters aus seinem Haus vertrieben werden soll, arbeitet sie heimlich gegen die Interessen ihres Klienten. Und Jimmy lässt sich einen Trick nach dem nächsten einfallen, um die Bauarbeiten zu verzögern - von vertauschten Postadressen über offensichtlich gefälschte archäologische Funde bis hin zu radioaktiven Materialien. Die Denkfabrik im Writers' Room läuft mal wieder auf Hochtouren!

Doch man ahnt bereits, dass bald Schluss mit lustig sein wird, denn Mesa Verde will einfach nicht aufgeben. Jimmy und Kim müssen zu immer härteren Maßnahmen greifen und engagieren daher einen Privatdetektiv, um belastendes Material über den wichtigtuerischen Firmenchef Kevin Watchell (Rex Linn) zu beschaffen. Da der Vollprofi Mike, den Jimmy bevorzugt anheuert, bekanntermaßen momentan verhindert ist, wendet er sich an den leicht durchgeknallten Sobchak (Steven Ogg). Dieser schlägt sogar vor, Kevin einfach zu entführen. Als Zuschauer ist man doch schon sehr verwundet, dass Kim nicht spätestens an diesem Punkt die Reißleine zieht und die Sabotagemission abbricht. Aber sie scheint wohl anzunehmen, dass es gar nicht so weit kommen muss. Was genau sie nun gegen ihren Gegner in der Hand hat, bleibt bis nächste Woche ein Geheimnis.

Insgesamt macht man sich große Sorgen um die einst so vorbildliche Juristin. Besonders bezeichnend ist die Szene kurz vor Schluss, als ihr Chef Richard (Dennis Boutsikaris) sie von dem Fall abziehen will, da er scheinbar spürt, dass sie und Jimmy nicht ganz koscher verhandeln. Als sie ihn vor der gesamten Belegschaft anbrüllt und sich als Opfer falscher Vorwürfe inszeniert, merkt man, dass sie eigentlich nicht wütend auf ihn ist - immerhin hat er ja vollkommen Recht -, sondern auf sich selbst, weil sie so leichtfertig ihre hart erarbeitete Karriere aufs Spiel setzt. Nur eine Serie, die so gut wie Better Call Saul ist, kann uns diesen Zwiespalt nachvollziehbar vorführen. Denn trotz der großen Risiken sind auch die Verlockungen präsent. Wann zum Beispiel wirkte Kim je so unbeschwert und glücklich wie bei ihrem kleinen Theaterstück mit Jimmy in der Küche?

Die Folge in einer Woche trägt übrigens den vielversprechenden Titel Wexler v. Goodman, nur um die Vorfreude anzuheizen...

Bjarne Bock

Der Artikel Better Call Saul: Dedicado a Max - Review wurde von Bjarne Bock am Uhr erstmalig veröffentlicht. Bjarne Bock hat bereits 7.996 Artikel bei Serienjunkies veröffentlicht. Eine Übersicht der Meldungen von Bjarne Bock

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