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Better Call Saul: Cobbler - Review

Kritik der Episode 2x02

Jimmy McGill, der zweitbeste Anwalt der Welt.  / (c) AMC
Jimmy McGill, der zweitbeste Anwalt der Welt. / (c) AMC

Die neue Better Call Saul-Ausgabe Cobbler zählt eindeutig zu den Wohlfühlepisoden der Dramaserie. Und warum auch nicht? Nachdem er das vielversprechende Jobangebot von Davis & Main annimmt, läuft es für Jimmy immerhin so gut wie nie.

In der letzten Episode Switch wusste Jimmy (Bob Odenkirk) noch nicht so recht, welchen Weg er als nächstes einschlagen will. Doch nachdem er dann gemeinsam mit Kim (Rhea Seehorn) ein letztes Mal seine Slippin' Jimmy-Tage wiederaufleben lassen durfte, entschied er sich letztendlich dafür, die große Chance bei der renomierten Anwaltskanzlei Davis & Main anzunehmen. Die neue Episode Cobbler zeigt nun, dass dies wohl eine gute Entscheidung gewesen ist, denn Jimmy scheint sowohl seinen neuen Lebensstandard als auch die Aufgaben in der Kanzlei zu genießen - zumindest auf den ersten Blick.

Cobbler bringt endlich auch den „Hauptnebencharakter“ Mike Ehrmantraut (Jonathan Banks) zurück ins Spiel. Dieser muss sich derweil mit seinem ehemaligen Geschäftspartner und Hobbydrogendealer Daniel Warmolt (Mark Proksch) herumschlagen, der ihn durch sein trottelhaftes Verhalten wahrlich an den Rand der Verzweiflung bringt. All diese Handlungsbögen der Episoden sorgen dafür, dass Better Call Saul diese Woche größtenteils lustig und harmonisch wirkt. Und trotzdem scheint immer wieder durch, dass die Beziehungen zwischen Jimmy und seinen Liebsten nach wie vor angespannt sind.

„World's 2nd Best Lawyer“

Besonders Jimmys frische Liebesbeziehung mit Kim (Rhea Seehorn) muss gegen Ende der Episode einen herben Rückschlag verkraften. Sie war so stolz auf ihn, als er den Job bei Davis & Main angenommen hat und hatte sich davon erhofft, dass er nun endlich auf dem Weg der Rechtschaffenen wandert. Doch rechnete sie nicht damit, dass er pro bono für einen „Freund“ arbeiten würde, nämlich für Mike. Dieser bittet ihn darum, Daniel Warmolt zu verteidigen, der sich durch sein karikaturhaft idiotisches Verhalten auf die Verdächtigenliste der Polizei befördert hat. Nicht nur, dass er mit dem gelben Hummer H2 das wohl auffälligste Auto in ganz New Mexico fährt, auch durch die Einladung der Polizei in seine eigene Wohnung, nachdem seine geliebten Baseballkarten gestohlen wurden, hat er sich keinen Gefallen getan.

Doch mit einer völlig absurden Geschichte entlastet Jimmy seinen Mandanten. Seine silberne Zunge verkauft den Polizisten tatsächlich das Märchen, dass das Einzige, was Daniel verbrochen hat, ein „squat cobbler“ ist - auch bekannt als „Hoboken squat cobbler, full moon moon pie, Boston creme splat, or Simple Simon the ass man“. Im Grunde geht es darum, ein Video davon zu drehen, wie sich ein erwachsener Mann in Windeln gewickelt in einen Kuchen setzt und dabei weint wie ein Baby. Vom Lustigkeitsgrad spielt die Verhörszene, in der Jimmy seiner verrückten Fantasie freien Raum lässt, eindeutig auf dem Niveau der legendären „sex toilet“ und der „squat cobbler“ wird sich definitiv in die reiche Mythologie der Serie einreihen.

Die Einzige, die darüber nicht lachen kann, ist Kim, zumindest nicht mehr, als sie erfährt, dass er für die Farce sogar Beweismittel gefälscht hat. Sie ist über den jüngsten Auftritt Slippin' Jimmys alles andere als erfreut. All ihre Hoffnungen auf eine plötzliche Besserung ihres Freundes erweisen sich mit einem Schlag als unbegründet. Und es zeichnet sich immer mehr ab, dass Jimmys Transformation zum Trickser Saul Goodman an keinem Punkt zu vermeiden gewesen wäre - so ist er einfach und niemand kann ihn ändern. Einer, der das bereits längst erkannt hat, ist sein großer Bruder Chuck (Michael McKean). Dieser trifft nach dem großen Streit im Finale der Auftaktstaffel erstmals wieder auf Jimmy und zeigt sich dabei zumindest nicht besonders feindselig.

Doch in der Eröffnungsszene der Episode wird bereits deutlich, dass er nach wie vor an seiner Meinung festhält, dass Jimmy es nicht wert sei, als Anwalt zu arbeiten. In besagter Szene darf Michael McKean endlich mal sein musikalisches Talent unter Beweis stellen, mit dem er in der Vergangenheit sogar bereits eine Oscarnominierung einfahren konnte. Doch die Tatsache, dass Chuck sich immer wieder verspielt und pedantisch von Vorne beginnt, zeigt, dass er nicht ganz bei der Sache ist. Als er dann Besuch von seinem Geschäftspartner Howard Hamlin (Patrick Fabian) erhält, der ihm eröffnet, dass Jimmy fortan bei Davis & Main Karriere machen will, bekommt er noch mehr Stoff zum Grübeln.

© IMAGO
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Chuck spielt in der Dunkelheit auf seinem Klavier.  © AMC
Chuck spielt in der Dunkelheit auf seinem Klavier. © AMC

Ein weiterer, der in dieser Woche zu seinem Musikinstrument greifen darf, ist Clifford Main (Ed Begley Jr.). In ihrer ersten richtigen Charakterszene darf die großangekündigte neue Nebenfigur erstmals ihren Charme versprühen. Durch eine kurze Unterhaltung im Büro mit Jimmy entsteht der Eindruck, dass der hagere Mann zu den wohl liebenswürdigsten Persönlichkeiten im gesamten Serienuniversum zählt. Doch könnte so ein freundlicher Mensch ein derart erfolgreicher Anwalt sein?

Insgesamt erscheint beinahe alles, was bei Davis & Main geschieht zu schön, um wahr zu sein. Jimmy wird behandelt wie ein junger Prinz, erhält den Respekt seiner Kollegen, ein chices Büro und einen ansehnlichen Firmenwagen, mit dem er gleich mal bei seinem alten „Büro“ vorbeischaut, um vor den Spaladys anzugeben. Früher oder später muss dieser Traum zerplatzen.

„Looks like a school bus for six-year-old pimps.“

Wie bereits erwähnt, hat Mike diese Woche allerhand zu tun, um den Möchtegerngangster Daniel von der Polizei fernzuhalten. Damit der trottelige Brillenträger die beiden nicht ins Verdeben stürzt, muss ihm Mike versprechen, seine Baseballkarten zurückzuholen. Diese haben für Daniel vor allem einen persönlichen Wert, was zumindest halbwegs nachvollziehbar macht, wieso er dafür alles aufs Spiel setzt. Das Positive für uns Zuschauer ist, dass uns dadurch die sehr unterhaltsame Kombination dieser beiden grundverschiedenen Männer erhalten bleibt. Und Daniel ist noch aus einem weiteren Grund interessant, denn in vielerlei Hinsicht durchlebt er eine Art Mini-Breaking Bad, obwohl er sich tatsächlich noch ungeschickter verhält als Walt (Bryan Cranston) und Jesse (Aaron Paul) in ihren frühen Drogentagen - steckt in seiner Figur vielleicht sogar das nächste Spin-off?

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Daniel und Mike stellen sich ihrem Gegner.  © AMC
Daniel und Mike stellen sich ihrem Gegner. © AMC

Ganz im Gegensatz zu Daniel weiß Mike genau, was er tut. Auf Anhieb löst er das Rätsel um die gestohlenen Baseballkarten und konfrontiert den Schuldigen. Bei diesem handelt es sich um Nacho (Michael Mando), mit dem die beiden einst ihre Medikamentendeals machten. Hoffentlich bleibt Mandos Charakter auch in der Zukunft noch ein Teil der Serie, denn auch er ist in der Kombination mit Mike ein wahrer Genuss. Doch es ist eigentlich immer spannend, wenn man Mike bei der Arbeit zusehen darf, ob er nun ein kleines Theaterstück vor Nachos Vater aufführt, um seine Absichten zu verbergen oder ob er seinen Gegner in den Boden starrt.

Fazit

Cobbler ist insgesamt eine sehr erfreuliche Better Call Saul-Episode. Sie ist nicht nur äußerst unterhaltsam und witzig, wie man es von Gilligan und Co. kennt, sondern sie schafft es auch, alle übrigen Charaktere der Serie wieder zurück ins Spiel zu bringen. In der vergangenen Woche mussten einige von ihnen noch pausieren. Auch wenn die Episode auf den ersten Blick sehr fröhlich daherkommt, so erkennt man in bestimmten Situationen doch subtilen Schmerz, allein in Jimmys Augen, wenn er auf Chuck trifft.

Gilligan und Gould präsentieren uns in dieser Episode einmal mehr die Dichotomie zwischen Schein und Sein in Jimmys Leben. Obwohl scheinbar endlich alles gut für ihn läuft, kann er sich nicht davon abhalten, unzufrieden zu sein. Das Verlangen nach dem verbotenen Lichtschalter ist für ihn unwiderstehlich und schlimmer noch: Er kann seine Tricks nicht einfach nur für sich selbst aufführen, er braucht Menschen, die ihm zujubeln, was auch der Grund dafür ist, dass er Kim vom „squat cobbler“ erzählt. Diese Mischung aus Verlangen und Unachtsamkeit ist zum Scheitern verurteilt.

Bjarne Bock

Der Artikel Better Call Saul: Cobbler - Review wurde von Bjarne Bock am Uhr erstmalig veröffentlicht. Bjarne Bock hat bereits 8.032 Artikel bei Serienjunkies veröffentlicht. Eine Übersicht der Meldungen von Bjarne Bock

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