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Better Call Saul: Bingo - Review

Review zu Episode 1x07

Jimmy (Bob Odenkirk) kämpft für seine platonische Freundin Kim (Rhea Seehorn).  /  (c) AMC
Jimmy (Bob Odenkirk) kämpft für seine platonische Freundin Kim (Rhea Seehorn). / (c) AMC

Nach der emotionalen Achterbahnfahrt der herausragenden letzten Episode kehrt Better Call Saul ins Alltagsgeschäft zurück. Wie zu erwarten war, kann Bingo nicht an die mitreißende Vorgeschichte von Mike heranreichen. Ob das zukünftig zu einem Problem der Serie wird?

In der Episode Five-O, die beinahe nur daraus bestand, die Vorgeschichte von Mike Ehrmantraut (Jonathan Banks) zu erzählen, wurde ich angefixt - mit der Droge, die uns Zuschauern in Überdosen schon in Breaking Bad verabreicht wurde: hochgradig emotionale, mitreißend spannend erzählte Geschichten eines Mannes, der nichts mehr zu verlieren hat. Nun kehrt Better Call Saul mit Bingo einfach so zu seinem Broterwerb zurück - und bei mir setzen sofort die Entzugserscheinungen ein.

The action never stops

Ich will hier nicht falsch verstanden werden, diese neue Episode war mitnichten eine schlechte oder gar nur mittelmäßige. Es ist mir nach dem emotionalen Magenschlag der letzten Episode aber beinahe unmöglich, mir keine schnelle Rückkehr zu dieser Art von storytelling zu wünschen. In Bingo (und in einem Interview, das Alan Sepinwall mit den Serienschöpfern Vince Gilligan und Peter Gould führte) wird aber unmissverständlich deutlich, dass der Ton der Serie so bleiben wird, wie er in den ersten fünf Episoden etabliert wurde.

Mikes Vorgeschichte wird nur zu Beginn kurz thematisiert (die von Universumsneuling Larysa Kondracki toll inszenierte Auftaktszene ruft uns sofort in Erinnerung, wer hier das kreative Ruder in der Hand hält), es würde mich nicht überraschen, wenn wir von seinen beiden ehemaligen Kollegen nun nichts mehr sehen werden. Sie drohen zwar an, mit seiner Schwiegertochter sprechen zu wollen, doch aus ihr werden sie wohl ebenso wenig neue Informationen herausquetschen können wie aus ihm. Dennoch wäre eine stärkere Einbindung von Mike weiterhin wünschenswert.

Hier darf er erstmals als Handlanger von Jimmy McGill (Bob Odenkirk) agieren, der sich immer noch mit Händen und Füßen gegen die schleichende Transformation in Saul Goodman wehrt. Der Großteil der Episode handelt davon, wie Jimmy und seine platonische Freundin Kim Wexler (Rhea Seehorn) versuchen, das durchgeknallte Ehepaar Kettleman zur Vernunft zu bringen. Vor allem Betsy (Julie Ann Emery) will einfach nicht zugeben, dass ihr Ehemann Craig (Jeremy Shamos) - vielleicht sogar in ihrem Auftrag - Gelder in Millionenhöhe veruntreut hat. Um das Geld behalten zu können, ist sie sogar dazu bereit, ihren Ehemann für drei Jahrzehnte ins Gefängnis gehen zu lassen - statt ihn mit einer glimpflichen Strafe von 16 Monaten davonkommen zu lassen.

Um „das Richtige zu tun“, ist Jimmy also bereit, die Kettlemans zu ihrem Glück zu zwingen, weshalb wir die erste Kooperation zwischen ihm und Mike bekommen. Der scheint zwar kein sonderlich gesteigertes Interesse daran zu haben und mit seinem Job im Wärterhäuschen gar nicht so unzufrieden. Für Jimmys geistesgegenwärtige Hilfe beim Notizblockklau in der letzten Episode fühlt er sich aber verpflichtet, ihm diesen Gefallen zu tun.

Can we parachute down from cloud cuckoo land?

Mit einem echten Breaking Bad-Coup holt Mike also das veruntreute Geld zurück, von dem die Kettlemans standfest behaupten, dass sie es nie besessen haben. Zähneknirschend legt Jimmy die dreißigtausend Dollar zurück, die er von ihnen angenommen hat und mit denen er ein neues schickes Büro mieten wollte, und zwingt das Ehepaar am nächsten Tag dazu, endlich zu Verstand zu kommen. Ebenso zähneknirschend kehren sie zu Jimmys Konkurrenzfirma zurück und nehmen den - unter diesen Umständen bestmöglichen - Deal an.

Am Ende sitzt Jimmy in dem neuen Büro, das er niemals haben wird, und bricht darüber beinahe in Tränen aus. Und genau das ist der Moment, in dem die Diskrepanz zwischen dieser und der vorherigen Episode am deutlichsten zutage tritt. Ein wegen beruflichem Misserfolg niedergeschlagener Jimmy ist nämlich einfach kein Mike, der sein Lebenstrauma gegenüber seiner Schwiegertochter mit den Worten „I broke my boy“ zusammenfasst. Better Call Saul muss nicht diese emotional niederschmetternde Serie sein, das Format macht auch so einen Heidenspaß. Aber dann wäre es vielleicht besser, wenn man den Zuschauer gar nicht erst anfüttert. In meinem Falle ist es nun nämlich so, dass ich immer wieder dorthin zurückkehren möchte.

Abgesehen von seinem Verbleib im Heizraum des Nagelstudios läuft es für Jimmy nun ziemlich gut. Sein neues Geschäftsmodell scheint zu florieren - zumindest, wenn man seinen Worten gegenüber Chuck (Michael McKean) glauben darf. Überdies zeigt sein Bruder erste Anzeichen der Besserung und bei Kim hat er nun einen dicken Stein im Brett. Das alles ist wunderbar inszeniert, mit hervorragenden Dialogen versehen und wahrlich sehr, sehr unterhaltsam. So herzzerreißend wie die letzte Episode ist es aber noch lange nicht. Muss es das sein? Ich weiß es nicht. Aber ich kann mich selbst auch nicht davor bewahren, fortan den Vergleich anzustellen. Es bleibt spannend.

Christina Greiner

Der Artikel Better Call Saul: Bingo - Review wurde von Christina Greiner am Uhr erstmalig veröffentlicht. Christina Greiner hat bereits 173 Artikel bei Serienjunkies veröffentlicht.

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