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Better Call Saul: Bagman - Review

Better Call Saul: Bagman - Review

Bob Odenkirk und Jonathan Banks in Better Call Saul (c) AMC
Bob Odenkirk und Jonathan Banks in Better Call Saul (c) AMC

In der großen Highlight-Episode dieser fünften Staffel von Better Call Saul übernimmt der Maestro Vince Gilligan höchstpersönlich die Regie. Jimmy und Mike finden sich mitten in einem staubtrockenen Survival-Thriller wieder.

Dass Bagman (5x8) keine gewöhnliche Episode von Better Call Saul werden würde, war schon dadurch anzunehmen, dass der Serienschöpfer Vince Gilligan erstmals in der fünften Staffel wieder selbst für die Inszenierung verantwortlich zeichnete. Statt der üblichen neun Drehtage war der Aufwand angeblich doppelt so groß. Der Regisseur und seine Hauptdarsteller Bob Odenkirk und Jonathan Banks verbrachten mehr als zwei Wochen in der Wüste, um den Survival-Thriller auf Film zu bannen. Um besonders überzeugend zu wirken, setzte Odenkirk offenbar sogar aufs gute, alte Method-Acting. So schleppte er in der trockenen Hitze tatsächlich große Gewichte mit sich herum. Nur beim Urintrinken soll er die rote Linie gezogen haben...

Jimmy und Mike

Dass weder Jimmys (Odenkirk) neuerliche Freundschaft zum Kartell sowie Lalo Salamanca (Tony Dalton) noch sein Ehrlichkeitsschwur gegenüber seiner frisch vermählten Ehefrau Kim (Rhea Seehorn) auf lange Sicht völlig problemlos verlaufen würden, sahen wir natürlich alle kommen. Dass sich die Katastrophe aber schon so schnell und auch so groß anbahnt wie jetzt, scheint durchaus überraschend. Nun ist sogar zu befürchten, dass auch am Ende dieser Season wieder ein wichtiger Charakter aus Jimmys Leben verschwinden könnte. Aber dazu später mehr...

Zunächst zu Jimmy selbst: Er soll im Auftrag der Salamancas die Kaution für Lalo an der Grenze abholen. Mit sieben Millionen Dollar im Kofferraum ist keineswegs zu spaßen und so zögert er zu Beginn. 100.000 Dollar Belohnung überzeugen ihn schließlich, doch man spürt, dass ihm die Sache gewaltig über den Kopf wächst. Spätestens, als Jimmy mit den berüchtigten Cousins, gespielt von Daniel Moncada und Luis Moncada, Bekanntschaft macht - die in Breaking Bad mitunter zu den gruseligsten Zeitgenossen überhaupt gehörten, erkennt er seinen Fehler. Doch nun ist es zu spät für einen Rückzieher, wobei die Zwillinge ja ohnehin nicht diejenigen sind, die ihm an den Kragen wollen. Sie überreichen ihm lediglich das Geld.

Das Unglück nimmt erst durch einen Maulwurf in den Reihen der Salamancas seinen Lauf, der einer Gruppe von treulosen Handlangern den Tipp gibt, dass ein einfacher Anwalt, der sich kaum selbst beschützen kann - geschweige denn das riesige Vermögen, das er in seiner Schrottkarre herumkutschiert -, ein leichter Fang sein könnte. Und so wird Jimmy kurz nach der Übergabe irgendwo im Nirgendwo von ein paar Banditen überfallen. Sein erster echter Auftrag fürs Kartell droht direkt im Super-GAU zu enden. Vielleicht ging es nur mir so, aber dafür, dass Better Call Saul bekanntlich ein Prequel ist und Jimmy de facto nicht sterben kann, war meine Sorge um seine Sicherheit verblüffend groß. Und dass die Rettung ausgerechnet in Person von Mike auf den Platz tritt, fühlt sich umso befriedigender an.

© IMAGO
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Rhea Seehorn und Tony Dalton in Better Call Saul  © AMC
Rhea Seehorn und Tony Dalton in Better Call Saul © AMC

Nach Mikes Superheldenmoment mit dem Scharfschützengewehr geht der eigentliche Überlebenskampf gerade erst los. Denn er und Jimmy stehen nun ohne funktionstüchtiges Automobil, mit zwei schweren Taschen voller Geld und nur noch mit spärlichen Wasservorräten da - und das mitten in der Wüste. Zumal einer der Räuber zunächst entkommen konnte und den zwei Herumirrenden nun hinterherjagt. In gewisser Weise haben wir es also mit einer Flaschenepisode zu tun, die stark an den Breaking Bad-Klassiker 4 Days Out (2x9) erinnert. Mike nimmt natürlich die Rolle von Walt (Bryan Cranston) ein, der auch stets wusste, was zu tun ist, während Jimmy Jessie (Aaron Paul) widerspiegelt, der aus Stolz keine Befehle befolgen will, aber einsehen muss, dass er nur so überleben kann. Und beide spielen ihre Parts hervorragend!

Odenkirk sieht so durstig aus, dass man sich beim bloßen Zusehen selbst nach einem kühlen Glas Wasser sehnt. Hingegen löst Mike - der trotz seines hohen Alters vermutlich noch einen Ironman absolvieren könnte - leichte Neidgefühle und Scham in einem aus. Doch der Episodenautor Gordon Smith hat sich einen guten Grund einfallen lassen, wie der Senior zu diesen übermenschlichen Leistungen imstande sein kann. Am Ende ist alles eine Frage der Motivation - und die war bei Mike immer seine Enkelin und seine Schwiegertochter. Jimmy wird derweil durch den Gedanken an Kim vom Aufgeben abgehalten. Schließlich springt er sogar über seinen Schatten und trinkt in bester Bear-Grylls-Manier seinen eigenen Urin, um zu überleben...

Lalo und Kim

Tragischerweise wirkt Jimmy in seiner Notlage für uns Zuschauerinnen und Zuschauer fast sicherer als Kim selbst, die sich zwar in der Zivilisation befindet, doch einen gefährlichen Fehler macht. In großer Sorge um ihren Gatten kontaktiert sie den einen Mann, von dem sie sich tunlichst fernhalten sollte: Lalo. Unter falschem Vorwand besucht sie ihn im Gefängnis und fragt ihn, was mit Jimmy passiert sein könnte. Lalo erfasst die Situation sofort und erkennt, dass sein Anwalt offensichtlich seine Schweigepflicht verletzt hat, was der Besuch seiner Ehefrau beweist. Wenn er könnte, würde er Kim vermutlich auf der Stelle umbringen. Ein grandioser Shot über Kims Schulter, in dem sich das Raubtier streckt, lässt uns bereits erzittern. Zumal Kim - anders als Jimmy - kein Plot Armor trägt. Ihre Abwesenheit in Breaking Bad spricht sogar dafür, dass ihr Schlimmes zustößt.

Ja, zu Lalo zu laufen, war dumm. Trotzdem wurde das Ganze so gut vorbereitet, dass man Kim kaum einen Vorwurf machen kann. In Zeiten von Breaking Bad würden viele vermutlich wieder Skyler (Anna Gunn) die Schuld geben, weil sie einfach auf Walt hören und sich hätte raushalten sollen. Better Call Saul konnte diese versehentliche Schurkenrollenzuschreibung im Fall der weiblichen Hauptfigur zum Glück stets umschiffen. Die meisten hätten an Kims Stelle wohl genauso gehandelt, denn Lalo war ihr einziger Anhaltspunkt für Jimmys Aufenthaltsort. Der Gedanke, dass ausgerechnet ihre Liebe und der vorangegangene Wunsch nach absoluter Ehrlichkeit ihr am Ende das Leben kosten könnte, tut schon jetzt furchtbar weh...

Alles in allem eine überragende Episode, die ohne den geringsten Zweifel als einer der Höhepunkte dieser Staffel beziehungsweise der gesamten Seriengeschichte eingehen wird. Und endlich mal wieder eine Sternstunde für Jonathan Banks, der in der aktuellen Season bislang ein bisschen zu kurz kam. Wobei man auch Odenkirk für seine Darbietung den überfälligen Emmy geben könnte. Gilligans Inszenierung explizit zu loben, scheint abschließend kaum nötig.

Bjarne Bock

Der Artikel Better Call Saul: Bagman - Review wurde von Bjarne Bock am Uhr erstmalig veröffentlicht. Bjarne Bock hat bereits 8.030 Artikel bei Serienjunkies veröffentlicht. Eine Übersicht der Meldungen von Bjarne Bock

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