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Better Call Saul: Bad Choice Road - Review

Better Call Saul: Bad Choice Road - Review

Bob Odenkirk in Better Call Saul (c) AMC
Bob Odenkirk in Better Call Saul (c) AMC

Nachdem sich die Gazelle letzte Woche in die Höhle des Löwen wagte, erwidert das stolze Raubtier nun den Besuch im Zuhause des Beutetiers. Bringt Jimmys Freundschaft zum Kartell seine Frau Kim auf Lalos Abschussliste?

Auf den letzten Metern der fünften Staffel von Better Call Saul mehren sich die fatalen Fehlentscheidungen der Hauptfiguren, allen voran Jimmy (Bob Odenkirk) und Kim (Rhea Seehorn). Darum heißt die letzte Episode vor dem großen Finale nächste Woche nun auch Bad Choice Road. Die Spin-off-Serie von Breaking Bad wendet sich immer mehr der kriminellen Seite zu und lässt die legale Anwaltswelt von Albuquerque somit langsam hinter sich. Es wird also immer gefährlicher und spannender, so dass vor allem harte Kerle wie Mike (Jonathan Banks) und Lalo (Tony Dalton) richtig aufblühen. Und Fans der Mutterserie, die lange Zeit beklagten, dass das Prequel zu unspektakulär sei, kommen nun voll auf ihre Kosten.

Jimmy und Kim

Bagman war als Episode zwar eine durch und durch runde Sache, doch sie ließ uns beziehungsweise Jimmy und Mike trotzdem vorerst in der Wüste zurück. Dies hat zur Folge, dass die beiden in der aktuellen Ausgabe noch immer durch den Sand stapfen. Doch die Zivilisation ist nicht mehr fern und als Jimmy endlich wieder Handyempfang hat, gilt sein erster Anruf selbstverständlich Kim. Kurze Zeit später befinden sich die Überlebenskünstler wieder dort, wo es fließendes Wasser und ein Dach über dem Kopf gibt. Das einzige Überbleibsel ihrer Odyssee sind ein furchtbarer Sonnenbrand und die Notwendigkeit, sich eine Coverstory auszudenken. Jimmy darf seinem gefährlichen Klienten Lalo nicht verraten, dass ausgerechnet Mike, sprich die rechte Hand von Gus (Giancarlo Esposito), ihm den Hintern gerettet hat. Und so verschweigt er den Überfall komplett und schiebt seine Verspätung auf eine harmlose Autopanne. Aber spätestens seit Kims Besuch im Gefängnis hat Lalo Zweifel an der Ehrlichkeit seines Rechtsbeistands. Dazu später mehr...

Zunächst zu Kim und Jimmy, die nach wenigen Tagen als Ehepaar schon fast an dem Punkt angekommen wären, an dem der Tod sie scheidet. Statt wütend auf Jimmy zu sein, wirkt Kim tatsächlich einfach dankbar, dass er noch am Leben ist. Selbst, als sie durch das Einschussloch im Kaffeebecher erkennt, dass er ihr nicht die Wahrheit sagt, was wirklich vorgefallen ist, hält sie zu ihm. Glücklich ist sie mit der Gesamtsituation natürlich trotzdem nicht, was endgültig klar wird, als sie völlig überstürzt ihren lukrativen und sicheren Job bei Schweikart & Cokely kündigt. Jimmy ist fassungslos, fast genauso fassungslos wie über die Tatsache, dass sie Lalo aufgesucht hat. Er erinnert sie daran: „You're not in the game. I'm in the game.

Zu glauben, dass Kim ihm nacheifern wollen würde, wäre allerdings eine grobe Fehlannahme. Sie spielt das Spiel nicht mit - nicht, weil sie es nicht könnte, sondern, weil sie es nicht will. Ihr selbst scheint sogar die Arbeit für eine unmoralische Bank wie Mesa Verde so vorzukommen, als würde sie besagtes Spiel spielen, weshalb sie den Job auch an den Nagel hängt. Kim will als Juristin ausschließlich Gutes bewirken und arbeitet daher nur noch pro bono für Hilfsbedürftige, was sie langfristig finanziell ans Limit bringen dürfte. In dieser bitterbösen Welt ist es eben leider so viel leichter, mit schlechten Taten Geld zu verdienen als mit guten. Das zeigen auch die Dollarscheine in Jimmys Beutel. Ein kleiner Geniestreich von Thomas Schnauz, dem Regisseur und Drehbuchautor dieser Episode, liegt sicherlich im Rückgriff auf den Liebessong „Something Stupid“, der einmal mehr demonstriert, wie Jimmy und Kim auseinanderdriften, wenn auch inzwischen nicht mehr emotional.

© IMAGO
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Tony Dalton in Better Call Saul  © AMC
Tony Dalton in Better Call Saul © AMC

Ein an sich zwar durchaus interessanter Aspekt, der in Better Call Saul bislang noch nie wirklich zur Sprache kam - und somit nun sehr verspätet oder fast schon wieder aus dem Nichts zu kommen scheint -, liegt in Jimmys leichten Anzeichen einer posttraumatischen Belastungsstörung. Was in der Wüste vorgefallen ist, war nicht sein erster Flirt mit dem Tod und doch scheint ihn dieses Abenteuer mehr mitgenommen zu haben als andere. Mike, für den es vermutlich nur ein ganz normaler Dienstag war, versichert ihm, dass die Angstattacken früher oder später wieder verschwinden. Wann immer Banks seine kleinen Monologe darüber halten darf, was im Leben wichtig ist oder wie die Dinge laufen, klebt man förmlich an seinen Lippen. Eine großartige Ansprache, die aber hoffentlich nicht als Wunderheilung für Jimmy dient...

Lalo und Nacho

Spitzenniveau erreicht Better Call Saul im Vorfinale erst gegen Ende. Und natürlich ist es mal wieder Lalo, der den Stein ins Rollen bringt. Statt sich von Nacho (Michael Mando) - der es einfach nicht schafft, aus der kriminellen Unterwelt zu flüchten - über die Grenze fahren zu lassen, geht er dem Rätsel rund um Jimmy auf die Spur. Als er schließlich das Auto seines Anwalts im Graben findet, ahnt er, angelogen worden zu sein. Als Zuschauerin oder Zuschauer kann einem spätestens jetzt angst und bange werden, denn bekanntlich hat der Bösewicht andere Menschen schon für viel kleinere Vergehen umgebracht. Als er dann auch noch in Jimmys Wohnung steht und ihn und Kim in die Mangel nimmt, befürchtet man bereits Schlimmstes. Aufgrund eines ungünstigen Schusswinkels könnte diesmal nicht mal Mike eingreifen, der witzigerweise schon wieder über Jimmy zu wachen scheint - wie ein Schutzengel mit Scharfschützengewehr.

Innerlich hört man bereits Kims letztes Stündlein schlagen, besonders, als sie die Chuzpe aufbringt, Lalo an den eigenen Karren zu pinkeln und ihm die Schuld an allem zu geben. Wäre er nicht so ein schlechter Schurke und hätte ein paar Profis, denen er vertrauen könnte, müsste er nicht ein halbes Hemd wie Jimmy mit derart gefährlichen Aufträgen losschicken. Zwar hat sie Recht, aber auf Lalos Einsicht zu hoffen, ist sicherlich kein guter Einfall. Umso überraschender kommt es schließlich, als er tatsächlich einfach geht, um seine Wut nun auf den hochrangigen Salamanca-Funktionär Juan Bolsa (Javier Grajeda) zu richten, der laut Gus für den Überfall auf Jimmy verantwortlich ist. Die Gazelle hat den Löwen mit allem Mut, den sie zusammenkratzen konnte, vertrieben. Womit Kim beweist, dass sie das Spiel, das Jimmy als Saul Goodman so gern spielen wollte, noch viel besser beherrscht als er.

Neben Kim bot Bad Choice Road auch für Lalo zahlreiche Glanzmomente. Sehr eindrucksvoll war etwa sein Besuch im Altenheim, in welchem er einen letzten bemitleidenden Blick auf Héctor (Mark Margolis) wirft, dem man diesmal ein entwürdigendes Partyhütchen aufgesetzt hat. Hier nimmt Lalo auch selbst eine wichtige Distinktion gegenüber dem Hitzkopf Tuco (Raymond Cruz) vor, die seine spätere Gnade für Kim und Jimmy glaubwürdiger macht. Wenn die fünfte Staffel an einer Sache keinen Zweifel lässt, dann daran, dass Lalo zu den besten Halunken zählt, die Better Call Saul und Breaking Bad je kreieren konnten. Und man kann nur hoffen, dass die internationale Karriere des Darstellers Dalton langsam richtig durchstartet. Obwohl wir uns natürlich wünschen würden, dass er auch in der sechsten und letzten Staffel noch an Bord bleibt.

Bjarne Bock

Der Artikel Better Call Saul: Bad Choice Road - Review wurde von Bjarne Bock am Uhr erstmalig veröffentlicht. Bjarne Bock hat bereits 8.025 Artikel bei Serienjunkies veröffentlicht. Eine Übersicht der Meldungen von Bjarne Bock

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