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Die zehn besten RTL-Serien

Früher war nicht alles besser. Allein der Verweis auf den Studio-Absturz „Verschollen“ dürfte diese Aussage zweifelsfrei belegen. Trotzdem kann einen in diesen Tagen schon mal ein Anflug von Nostalgie überkommen, wenn es um RTL-Serien geht.

Schon seit geraumer Zeit läuft beim Kölner Privatsender in Sachen Serie nichts mehr rund. Eine Serie nach der anderen - „Lasko“, „Die Draufgänger“, Transporter, „IK1“ - ist beim Publikum durchgefallen. Ebenso die meisten Serien-Projekte, welche RTL in Form von 90-minütigen Backdoor Pilots am Publikum ausprobiert hat („World Express“, „Die Trixxer“, „Der Ballermann“). Am Donnerstagabend läuft bei RTL der neueste Backdoor Pilot „Turbo & Tacho“ - und es scheint nahezu unvorstellbar, dass es diesem anders ergehen wird „46414“.

Dabei sah es nicht immer so aus. RTL hatte zahlreiche erfolgreiche Serien aus eigener Produktion im Programm - und darunter einige, für die man sich als Serienjunkie nicht (fremd-) schämen musste. Immer wieder hat RTL im Serienbereich Neues und Unerwartetes ausprobiert. Man hat sich an das Actiongenre herangetraut, obwohl jeder vernünftige Mensch 1996 gesagt hätte, dass Action ein Genre ist, das nur Hollywood kann - und welches das Publikum auch nur aus US-Fabrikation akzeptieren wird. Auf der anderen Seite hat man sich auch an anspruchsvollen Serien wie Abschnitt 40 versucht, Jahre bevor die öffentlich-rechtliche Konkurrenz mit KDD - Kriminaldauerdienst auf ein ähnliches Pferd gesetzt hat.

In seinen besten Tagen ist RTL ein Vorreiter in der Serienunterhaltung gewesen. SERIENJUNKIES.DE® hat dafür einige Beispiele ausgegraben. Die Auswahl ist selbstverständlich subjektiv. Kritik und Alternativvorschläge gerne im Kommentarbereich!

© IMAGO
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(c) Sony Pictures Film- und Fernsehproduktion
(c) Sony Pictures Film- und Fernsehproduktion

Nikola

Nachdem sich RTL beim Versuch, erfolgreiche US-Sitcoms wie Married with Children zu adaptieren („Hilfe, meine Familie spinnt!“), nicht gerade mit Ruhm bekleckert hatte, beschritt der Sender ab 1997 neue Wege. Das klassische Sitcom-Format - mit der Aufzeichnung vor Studio-Publikum - besaß in Deutschland keine ausgeprägte Tradition (wenn man einmal vom Klassiker „Ein Herz und eine Seele“ absieht). Und so entwickelte man kurzerhand einen eigenen Stil von Sitcom, der im Grunde dem entsprach, was später als Single-Camera Comedy (also wie eine „normale“ Serie gefilmt - siehe etwa 30 Rock oder Modern Family) auch in den USA en vogue werden sollte.

Zwar ließ man sich bei der Entwicklung der Konzepte und Drehbücher von US-Autoren unter die Arme greifen. Durch den sehr eigenen Stil der Serien, ihr vielfach „typisch deutsches“ Setting (Campingplatz, Kiosk, Amtsstube) und ihren Fokus auf bereits populäre Darsteller und Comedians - wie etwa Mariele Millowitsch in Nikola, Jochen Busse in „Das Amt“ und Willi Thomczyk in „Die Camper“ - hatte man jedoch nie den Eindruck, den Abklatsch von etwas anderem zu sehen.

Nikola gehörte zur ersten Welle dieser neuen Comedyserie. Die Idee - selbstverliebter Arzt (Walter Sittler) versus resolute Krankenschwester (Millowitsch) - war zwar sicherlich nicht die Neuerfindung des (Komödien-) Rads. Trotzdem machte die Serie im Halbstundenformat mit ihrer vergleichsweise hohen Taktung an oft screwballreifen Dialogen einen sehr frischen, unverbrauchten Eindruck. Und wurde zu einem der großen Serienerfolge des Kölner Senders.

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(c) Sony Pictures Film- und Fernsehproduktion
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Mein Leben und ich

Mein Leben und ich gehörte zur zweiten Welle der RTL-Comedyserien. Im Vergleich zur vorangegangenen Serien-Generation gab sich die Produktion schon ein ganzes Stück jünger und frecher - mit Wolke Hegenbarth als misslaunigem Teenager in der Hauptrolle. Die Serie bewies, dass also bei weitem nicht nur der rheinische Frohsinn von Mariele Millowitsch oder Gaby Köster („Ritas Welt“) beim Publikum ankam. Dabei schafften es die Macher jedoch sehr gut, die Misanthropie von Hegenbarths Figur mit einer pubertären Unsicherheit auszubalancieren. Alex war vielleicht nicht immer sympathisch, trotzdem blieb die Figur für den Zuschauer aber immer zugänglich.

Bei späteren Serien wie etwa „Herzog“ mit Niels Ruf gelang das schon nicht mehr so gut.

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(c) RTL
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Der Lehrer

Der Lehrer ist mindestens in einer Hinsicht fast so etwas wie das deutsche Breaking In: Die Serie ist trotz aller Widrigkeiten (fast) unkaputtbar. 2007 wurde die erste Staffel der Sitcom gedreht. RTL legte die Produktion jedoch erst einmal zwei Jahre lang (!) auf Halde, bevor man die Folgen dann im Sommer 2009 (jeweils in Doppelfolgen) versendete. Die Hoffnung war wohl, dass niemandem auffallen würde, dass man zur Abwechslung mal wieder eine lustige Comedy gedreht hatte. Aber der Plan ging schief: die Serie wurde sogar mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet.

In gewisser Weise setzt Der Lehrer das Erbe von Mein Leben und ich fort: Eine desillusionierte Hauptfigur, hier ein Gesamtschul-Lehrer (Hendrik Duryn), der sich durch die ziemlich ernüchternde Realität des Schulalltags kämpft. Inzwischen hat RTL eine zweite Staffel gedreht, diesmal mit 45-minütigen Folgen, welche derzeit noch ihrer Ausstrahlung harren.

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(c) Lisa Film
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Ein Schloß am Wörthersee

Nein, das ist kein Scherz. „Ein Schloß am Wörthersee“ mit Roy Black gehört zu den besten RTL-Serien.

Ein Schloß am Wörthersee“ war nicht nur die erste große eigenproduzierte RTL-Serie. Das, was sie erreichen wollte, hat sie auch perfekt getan: das ultimative Revival der deutschen Filmkomödie der 60er und 70er Jahre. Bereits die Familienserien der Öffentlich-Rechtlichen (allen voran „Ich heirate eine Familie“) hatten sich mehr oder minder offen auf die Tradition des deutschen Spielfilms bezogen. „Ein Schloß am Wörthersee“ hat diese Entwicklung jedoch konsequent auf die Spitze getrieben. Bis hin zu mehreren Gastauftritten von Hansi Kraus als Pepe Nietnagel (seine Rolle in „Die Lümmel von der ersten Bank“).

Als Hotelserie hatte „Ein Schloß am Wörthersee“ außerdem keine Probleme, ein weiteres Merkmal der deutscher Schlagerkomödien zu übernehmen: den reichlichen Einsatz aktuell populärer Gaststars, was im Falle von „Wörthersee“ bis hin zu internationalen Gästen wie Zachi Noy (aus den zu dieser Zeit bei RTL sehr angesagten „Eis am Stiel“-Filmen) und Larry Hagman und Linda Gray aus Dallas (1978) reichte.

Aus heutiger Sicht wird „Ein Schloß am Wörthersee“ vielen einfach nur unsäglich erscheinen. Zu ihrer Zeit hat die Serie jedoch perfekt einen Trend nach nostalgisch gefärbter Unterhaltung bedient.

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(c) RTL
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Alarm für Cobra 11

Seit 1996 macht Semir Gerkhan (Erdogan Atalay) von der Kripo Autobahn mit wechselnden Partnern, aktuell Tom Beck als Ben Jäger, die deutschen Straßen (un-) sicher. Inhaltlich ist die Serie der totale Blödsinn. Seit einigen Jahren haben die Macher jedoch zu einem Augenzwinkern gefunden, mit dem sich selbst die absurdesten Storys eigentlich ganz gut ertragen lassen. Die „Cobra“ nimmt - auf der emotionalen Seite - ihre Figuren zwar ernst, sich selbst aber nicht. Dadurch kann man sich ganz dem Genuss des eigentlichen Selling Points der Serie widmen: den erstklassigen Actionszenen, welche auch international - wie diverse Auszeichnungen bei den Taurus World Stunt Awards belegen - hohe Anerkennung finden.

Versuche, an den Erfolg von Alarm für Cobra 11 - Die Autobahnpolizei mit der gleichen oder einer ähnlichen Formel anzuknüpfen, wie dies etwa mit „Die Draufgänger“ versucht wurde, waren und sind zum Scheitern verurteilt. „Cobra 11“ ist einfach das Original. Ein bisschen verhält es sich mit der Serie wie mit einer Tüte fettiger, von Mayo triefender Pommes. Dann und wann muss man sie mal haben - und pfeift darauf, dass sie keinerlei Nährwert besitzen. Aber mehr als zwei Halbstaffeln „Cobra 11“ gehen dann auch wirklich nicht rein.

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(c) Studio Hamburg
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Die Cleveren

Die Cleveren war praktisch das Gegenprogramm zu Alarm für Cobra 11 - Die Autobahnpolizei. Hier zeigte RTL, dass man auch mit Intelligenz und psychologischer Finesse gute Unterhaltung machen kann. Hans-Werner Meyer als Profiler und Astrid M. Fünderich als BKA-Beamtin waren in Die Cleveren Serientätern auf der Spur. Neben den spannenden Fällen verfolgten die Zuschauer die Serie vor allem wegen des komplizierten Verhältnisses der Hauptfiguren. Nach dem Ausstieg von Fünderich und einer mehrjährigen Sendepause - wegen Programmplatzmangels, wie es hieß - ging die Serie 2006 zu Ende.

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(c) UFA
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Balko

Nur wenige Serien würden einen Austausch des Hauptdarstellers (Bruno Eyron für Jochen Horst) überleben, der in der Serie durch eine nötig gewordene plastische OP erklärt wird. Doch Balko gehört dazu. Die Krimiserie war ja auch sonst skuril genug, um das gar nicht weiter auffallen zu lassen. In einer Zeit, als das Fernsehprogramm noch nicht von „Crime and Smile“-Formaten überflutet war, war eine Serie wie Balko, welche Krimi und Comedy mischte, eine Rarität - und kam beim Publikum entsprechend gut an. Ein besonderes Kompliment gebührt dabei Ludger Pistor, der mit Krappi eine der verschrobensten und markantesten Figuren im deutschen Serien-TV verkörperte.

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(c) Filmpool
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Die Sitte

Auch wenn die Nähe zu Law & Order: Special Victims Unit unverkennbar ist: Mit „Die Sitte“ wurde eine RTL-Serie mal richtig ernsthaft und düster. Und fand - etwa durch die in schwarz-weiß gehaltenen - Rückblenden auch zu einem Erzählstil auf der Höhe der Zeit.

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(c) RTL
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Doctor's Diary

Mit Doctor's Diary hat RTL mal etwas gänzlich anderes gewagt. Die Zuschauer waren erst zögerlich, haben aber schließlich doch zu dem Format gefunden. Die Mischung aus Medical und „Bridget Jones“ war clever und einfallsreich erzählt: Autor Bora Dagtekin (Türkisch für Anfänger) ist ein Spezialist dafür, Klischees einen neuen Spin zu geben - und das Ganze auch noch mit ungemein witzigen Dialogen zu versehen.

Nach drei Staffeln war erst mal Schluss. Der Sender hätte gerne mit der Serie weitergemacht. Aber Dagtekin und Hauptdarsteller Florian David Fitz lockten die Versuchungen einer - in beiden Fällen bislang auch tatsächlich überaus erfolgreichen - Kinokarriere.

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(c) RTL
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Abschnitt 40

Das Kronjuwel unter den RTL-Serien: eine Polizeiserie - hart, realistisch, düster. Abschnitt 40 war die wohl anspruchsvollste eigenproduzierte Serie, die je bei RTL über den Sender gegangen ist. Die Serie räumte einen Fernsehpreis nach dem anderen ab, bei den Einschaltquoten sah es dagegen weniger gut aus. Möglicherweise wollte man zu schnell zu viel. Trotzdem ist die Serie für das Privatfernsehen insgesamt ein Meilenstein: sie steht für eine Zeit, in der man zumindest die Ambition hatte, das Publikum über den kleinsten gemeinsamen Nenner hinaus zu unterhalten.

Bezeichnend für die Qualität von „Abschnitt 40“ ist die nachhaltende Wirkung der Serie in der deutschen Fernsehgeschichte: Die Grundidee zu dem vielfach preisgekrönten ARD-Mehrteiler „Im Angesicht des Verbrechens“ war ursprünglich eine Storyline, die für zwei Figuren aus „Abschnitt 40“ entwickelt worden war.

Wer diese RTL-Serienperle heute für sich entdecken möchte, der kann das auf RTL Now oder auf iTunes tun.

Christina Greiner

Der Artikel Die zehn besten RTL-Serien wurde von Christina Greiner am Uhr erstmalig veröffentlicht. Christina Greiner hat bereits 173 Artikel bei Serienjunkies veröffentlicht.

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