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Belgravia: Kritik zum Auftakt des möglichen Downton-Abbey-Nachfolgers

Belgravia: Review der Pilotepisode

Kritik der Folge 1x01

Der Cast der UK-Serie Belgravia (c) ITV
Der Cast der UK-Serie Belgravia (c) ITV

Downton-Abbey-Anhänger schauen in diesen Tagen Richtung ITV, wo das neue Historiendrama von Julian Fellowes angelaufen ist. Dieses Mal lautet die Adresse Belgravia - der wohlhabende Stadtteil der englischen Hauptstadt. Hier unsere Kritik zum Auftakt.

Kostümdrama-Maestro Julian Fellowes meldet sich nach Downton Abbey, Doctor Thorne und The Gilded Age mit einer weiteren üppig ausgestatteten Historienserie namens Belgravia zurück. Im Fall dieser Koproduktion von ITV und Epix arbeitet der Autor mit dem TV-Regisseur John Alexander („White Heat“, Trust Me) zusammen und adaptiert seine eigene Romanvorlage aus dem Jahr 2016. Im Zentrum steht dabei dieses Mal die High Society (was sonst?) des wohlhabenden Londoner Stadtteils in den 1840er Jahren, Episode 1 beginnt jedoch einige Zeit zuvor an einem ganz anderen Ort...

Im Juni 1815 hielt die Duchess of Richmond (Diana Kent) am Abend der Schlacht bei Quatre-Bras und nur zwei Tage vor der entscheidenden Schlacht bei Waterloo einen Ball für den Duke of Wellington in Brüssel ab. So weit das realhistorische Setting. Bei diesem ist auch der Händler James Trenchard (Philip Glenister) mit seiner Familie anwesend, obwohl es sich aufgrund seines niedrigen gesellschaftlichen Standes eigentlich nicht ziemt. Der aus gutem Hause stammende Lord Edmund Bellasis (Jeremy Neumark Jones) hatte die Einladung veranlasst, um Trenchards liebreizende Tochter Sophia (Emily Reid) bei der Veranstaltung bei sich zu haben. Ihre Mutter Anne Trenchard (Tamsin Greig) protestiert erfolglos, obwohl sie am ehesten die Welt der Lords und Ladys zu navigieren weiß.

Wer die großartige Tamsin Greig bisher nur aus Comedyserien wie Black Books, Green Wing oder Episodes kennt, wird angenehm überrascht sein, wie problemlos sie ins Genre der Dramaserien umschalten kann und wie trefflich sie in das in Rüschen und Samt gehüllte Genre des gestelzten Kostümdramas passt. Das ist auch gut so, denn entgegen der zu Beginn vorherrschenden Annahme, ist nicht ihre Serientochter Sophie die Protagonistin des Stücks, sondern sie selbst. Dramatische Arbeit hat sie bisher im Rahmen der Krimi-Miniserie The Guilty abgeliefert und in „White Heat“, in welchem sie bereits mit Regisseur Alexander zusammengearbeitet hatte.

© IMAGO
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© ITV
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Als die Feierlichkeiten durch Napoleons Eintreffen jäh unterbrochen werden, ist die Sorge um die in den Krieg ziehenden Männer groß. Tage später kehrt Mr. Trenchard lebendig aus der Schlacht zurück, Sophias geliebter Edmund jedoch nicht. Danach machen wir einen Sprung von 26 Jahren in die Zukunft und damit direkt in den neuen Londoner Distrikt Belgravia, den die Trenchards im Begriff sind mit aufzubauen. Die Familie hat sich einen angesehenen Stand in der Gesellschaft erarbeitet, wodurch Anne bei einer neuartigen Erfindung namens afternoon tea erneut in Berührung mit der Dowager Duchess kommt. Ihr und ihrer Schwester Caroline (Harriet Walter), der Countess of Brockenhurst und Mutter des gefallenen Geliebten ihrer Tochter, eröffnet Anne bei der Gelegenheit, dass auch ihre Tochter vor all den Jahren ums Leben gekommen ist.

Bis zu diesem Zeitpunkt kann der Einstieg in „Belgravia“ ein wenig überwältigend sein. Zahlreiche Namen und Verwandtschaftsverhältnisse prasseln ohne viel Kontext in teilweise sehr ähnlichen Konversationen auf uns ein. Dann aber wird klar, wo der dramatische Kern des Ganzen vergraben liegt und dass es um Annes späteres Leben in der royalen Oberschicht Londons gehen wird, während sie vor den blaublütigen Teetrinkerinnen ein Geheimnis verbirgt: Sophie starb im Kindbett, als sie den (wie sie fälschlicherweise annahm, ehelichen) Sohn des verstorbenen Edmund Bellasis zur Welt brachte. Ein Mann, der am Ende doch nicht derjenige war, wofür sie ihn gehalten hatte.

So bleibt am Ende der ersten Episode die Frage offen, was Annes nächster Schritt sein wird und ob sie das Geheimnis um die Identität ihres Enkels weiterhin unter Verschluss halten kann, während die Frau ihres weniger geliebten Sohnes verzweifelt darum bemüht ist, in den Kreis der feineren Gesellschaft aufgenommen zu werden. Wird sie eine engere Beziehung zur Countess aufbauen, die ebenfalls ihr Kind verloren hat oder schmiedet sie ganz eigene Pläne zum Wohl ihrer Familie?

Fazit

Ganz wie bei Downton Abbey haben wir es im Fall von Belgravia mit einer hochkarätig produzierten High-Society-Seifenoper zu tun, bei der verschiedene Mitglieder der englischen Upperclass Intrigen spinnen, herrlich schnippisch zueinander sind und in fantastischen Kostümen dramatische Dialoge austauschen. Der Unterschied besteht darin, dass es etwas finsterer und melodramatischer vor sich geht, was sich auch in der Gestaltung der Serie niederschlägt. Statt des gut ausgeleuchteten Downton-Anwesens bekommen wir hier viele schummerige Räume mit Kerzenlicht, aber ohne den typischen Feel-Good-Faktor zu sehen. Auch ist man weniger am Leben der weniger gut gestellten Bediensteten interessiert, die bisher lediglich das Verhalten ihrer Vorgesetzten kommentieren.

Unter den Darstellerinnen und Darstellern gibt es neben neben der Hauptattraktion Tamsin Greig auch HBO-Adel wie Harriet Walter aus Succession (ebenso Law & Order: UK) und Paul Ritter aus Chernobyl zu entdecken, die dabei helfen, die mit Namen und Titeln überladene Dialogdauerbeschallung etwas erträglicher zu machen.

Hier abschließend noch der Trailer zur neuen ITV-Serie „Belgravia“:

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Mario Giglio

Der Artikel Belgravia: Review der Pilotepisode wurde von Mario Giglio am Uhr erstmalig veröffentlicht. Mario Giglio hat bereits 12.758 Artikel bei Serienjunkies veröffentlicht. Eine Übersicht der Meldungen von Mario Giglio

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