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Babylon - Rausch der Ekstase: Filmkritik

Babylon - Rausch der Ekstase: Filmkritik

We got to innovate. We got to inspire. What happens on that screen, means something.

© Paramount Pictures
© Paramount Pictures

Es ist bemerkenswert, dass bei aller Liebe für das Filmemachen an sich, die Stummfilmzeit oft nur am Rand oder eher selten behandelt wird. Filme über Filme, wie „Chaplin“ mit Robert Downey Jr., Scorseses „Hugo“ oder „The Artist“ sind eher die Ausnahmen als die Regel. Quentin Tarantino ist oftmals eher in New Hollywood verliebt, hat aber natürlich auch schon in „Inglorious Basterds“ der Kino-Ära des Zweiten Weltkriegs Tribut gezollt. Insgesamt kommt es aber nicht allzu oft vor, dass man Stummfilmstars und ihren Werken noch Beachtung schenkt, obwohl das auch durchaus seinen Reiz hat.

Da ich eine Vergangenheit in Film Studies habe, kenne ich viele der Anspielungen, die Chazelle an die über 100-jährige Kinogeschichte als Liebesbrief an Helden vergangener Zeiten einbaut. Allerdings frage ich mich, wie viel Otto-Normal-Kinogänger aus dem Film mitnimmt oder ob man sich von diversen chaotischen Aspekten, der gezielten Reizüberflutung und der willkürlichen „Weirdness“ abschrecken lässt. Denn das neue Werk des jungen Autors ist nicht nur ein Mischmasch aus Erzähltönen und Stimmungen, sondern auch ganz viel verschiedenes auf einmal. Das erfordert eigentlich über drei Stunden viel Aufmerksamkeit, ist aber wegen einiger verstörender Szenen und Themen nicht unbedingt leicht konsumierbar und rezipierbar.

Natürlich haben wir es hier nicht mit einem Werk von David Lynch, Nicolas Winding Refn oder David Cronenberg zu tun, deren Filme oftmals viel undurchdringbarer sind, aber trotzdem wird „Babylon“ wohl die Geister scheiden, sofern die Leute überhaupt den Gang ins Kino wagen. In den USA ist der Film gefloppt, weil man sich getraut hat, gegen den Geldstaubsauger namens „Avatar - The Way of Water“ in den Wettbewerb zu treten. Doch auch sonst sprechen zwar die Namen für den Film, aber die lange Laufzeit, die Zeitperiode, die Prämisse und das Thema ökonomisch gesehen eher gegen einen Blockbustererfolg auf anderen Märkten.

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Fazit: You thought that town neeeded you. It's bigger than you.

© Paramount Pictures
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Neben all der Meditation über Early Hollywood bringt Chazelle auch noch einige Kritik am damaligen und auch heutigen System unter. Denn es geht um die Vergänglichkeit des Ruhms, um Halbwertzeiten von Starlets und Movie Stars. Ebenso auch darum, wie manche Innovationssprünge oftmals dazu führen, dass die Spezialisten und Celebrities einer Ära aussterben oder überflüssig werden. Dass Macht, Geld und Ruhm in den meisten Fällen korrumpiert, wenn man sich nicht kontrolliert. Dass es zwar zweite Chance gibt, aber das Business auch unerbittlich sein kann, wenn man die Chance zum Comeback nicht nutzt. und letztlich: dass da draußen Mächte sind, die Verzweiflung riechen und ausnutzen, wenn sich die Chance ergibt.

Das wird am Beispiel von Nellie durchexerziert, die genauso schnell wieder von der Bildfläche verschwindet, wie sie darauf erschien. Wie eine Sternschnuppe, die wahnsinnig Eindruck schindet, aber dann verglüht und vergessen ist, weil neue nachkommen. Nur wenige schaffen den Absprung, wie etwa der Musiker im Film, und auch Manny hat am Ende des Tages wohl mehr Glück als alles andere...

Denn wie schon in „La La Land“ gibt es nicht unbedingt das Happy End, das die Zuschauer sehen wollen, aber das gibt es im wahren Leben oftmals ohnehin nicht so oft wie in Filmen aus der Traumfabrik. So endet der Film mit einer wahnsinnig schönen Montage, die die Filmfans wie mich kurzzeitig glücklich macht und inspiriert, alte Klassiker nachzuholen, neu zu entdecken oder erneut zu schauen.

Denn oftmals verbindet man mit dem Kinogang auch eine gewisse Nostalgie und ein Gefühl, was nur so im dunklen Vorführraum möglich ist, in dem man die anderen Sinne bis auf Hören und Sehen abschalten muss und sich auf das einlässt, was über die Leinwand flimmert. Für die Liebe am Film. Darauf kommt es an. Vier von fünf Filmrollen für „Babylon“.

Hier abschließend noch der Originaltrailer zum hier besprochenen Film „Babylon“:

Adam Arndt

Der Artikel Babylon - Rausch der Ekstase: Filmkritik wurde von Adam Arndt am Uhr erstmalig veröffentlicht. Adam Arndt hat bereits 18.080 Artikel bei Serienjunkies veröffentlicht. Eine Übersicht der Meldungen von Adam Arndt

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