US-Autorenstreik: Britische Autoren als Streikbrecher?

Seit einer Woche befinden sich die amerikanischen Drehbuchautoren nun schon im Ausstand und noch immer ist keine Lösung der Tarifauseinandersetzung mit den Produktionsfirmen und Networks in Sicht. Der Produzentenverband AMPTP steht auf dem Standpunkt, während des Arbeitskampfes keine weiteren Gespräche führen zu wollen. Die Autorengewerkschaft WGA hat mittlerweile ihr Angebot vom letzten Sonntag, die Forderung nach einer Erhöhung der DVD-Honorare für eine bessere Vergütung im Internet- und New-Media-Bereich fallenzulassen, wieder vom Tisch genommen.
Die Positionen der Streitparteien liegen weiter auseinander denn je. Namen von möglichen Schlichtern werden genannt (Bill Clinton? Arnold Schwarzenegger?), doch im Augenblick sind noch nicht einmal neue Gespräche, weder offiziell noch inoffiziell, angesetzt. Am Freitag haben die Autoren noch einmal ihre Geschlossenheit demonstriert - mit einer Großkundgebung vor dem Gelände von 20th Century Fox, an der rund 4000 Autoren teilnahmen.
Um die Streikmaßnahmen zu kontern, scheinen die US-Studios nun auf Streikbrecher setzen zu wollen. Dabei schauen sie offenbar vor allem deshalb nach Großbritannien, weil in Amerika nur die wenigsten Autoren bereit sind, sich der Ächtung ihrer Kollegen (sowie den Sanktionsmaßnahmen der WGA) auszusetzen. In der letzten Woche wurden zwar Berichte laut, dass es vereinzelte Streikbrecher gäbe, die - unter Pseudonym und mit eigens dafür eingerichteten E-Mail-Adressen zur Wahrung ihrer Anonymität - insbesondere für die nachmittäglichen Soap Operas schreiben würden. Die überwältigende Mehrheit der US-Autoren hält sich jedoch an den Streik.
Da sieht die Situation für die britischen Autoren schon etwas komplizierter aus: Da fast alle großen US-Studios britische Töchterfirmen unterhalten könnten sie über diese völlig rechtmäßig und unter Einhalt sämtlicher Rahmenverträge mit der WGA ausländische, d.h. vor allem britische Drehbuchautoren für ihre Film- und Fernsehprojekte engagieren. Hinzu kommen echte Ko-Produktionen, wie sie z.B. regelmäßig zwischen BBC Films und HBO stattfinden. Die WGA kann gegen solche Vorhaben nichts unternehmen - und auch britische Streikbrecher allenfalls dadurch abstrafen, dass sie ihnen eine spätere Vollmitgliedschaft in der WGA verweigern.
Die britische Schwestergewerkschaft, Writers Guild of Great Britain, hat sich mit einem Appell an ihre Mitglieder, aber auch an die englischen TV-Sender und Produktionsfirmen gewandt, keine Maßnahmen zu unterstützen, die dazu dienen, den Streik der amerikanischen Drehbuchautoren zu brechen. Und auch der Agent eines hochkarätigen britischen Autors fügt mit Blick auf die späteren Karrierechancen britischer Schreiber auf dem amerikanischen Markt hinzu: „Nichts zu tun und dabei gesehen zu werden, wie man nichts tut, ist genau das, was man jetzt tun sollte.“





















