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Asbest: Kritik zur Pilotfolge der ARD-Gangster-Serie

Asbest: Kritik zur Pilotfolge der ARD-Gangster-Serie

Kritik der Episoden 1x01 und 1x02

Szenenfoto aus der Serie Asbest (c) ARD Degeto/Pantaleon Films GmbH/Mirza Odabasi
Szenenfoto aus der Serie Asbest (c) ARD Degeto/Pantaleon Films GmbH/Mirza Odabasi

Die ARD-Miniserie Asbest versucht sich an einer Mischung aus Gangster- und Knastfilm, verzettelt sich aber bisweilen in Klischees. Damit untergräbt sie ein Stück weit die wichtige Fragestellung, wie die Regierung das selbst geschaffene Problem mangelnder Integration und daraus resultierender übermächtiger Clan-Strukturen angehen will.

Anmerkung

Die folgende Kritik basiert auf den ersten beiden Episoden der Miniserie Asbest von Kida Khodr Ramadan, die ab 20.01.2023 bei ONE und in der ARD-Mediathek zur Verfügung steht.

Das passiert

Momo ist 19 und ein begnadeter Fußballer. Seine große Chance, bei Hertha BSC zu spielen, geht jedoch den Bach herunter, als er einen schrecklichen Fehler begeht. Obwohl seine Mutter, sein Bruder und er alles dafür tun, sich in Deutschland zu integrieren, unterliegt Mohamed aber doch den gnadenlosen Clan-Strukturen seiner Großfamilie. Und so gibt es für ihn keine Diskussion, als sein Onkel Amar Kaval, ein knallharter Drogendealer, ihm einen folgenschweren Auftrag erteilt. Zusammen mit seinen beiden Cousins überfällt er die Diskothek eines Konkurrenten.

Als ein Besucher durch Messerstiche schwer verletzt und Momo einige Stunden später von der Polizei verhaftet wird, glaubt er noch daran, dass Amar ihn herausboxen wird. Der hat indes ganz andere Pläne und will seinen naiven Neffen dazu missbrauchen, im Knast für ihn zu dealen. So gerät Mohamed immer mehr zwischen die Fronten des brutalen Knast-Alltags und der Notwendigkeit, Freunde zu finden, die ihn vor seiner eigenen Familie beschützen können.

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No-Go-Area

Eins vorweg: Asbest hinterlässt in den ersten beiden Episoden keinen schlechten Eindruck. Die Miniserie versteht es, die Zuschauenden in eine Welt mitzunehmen, die die meisten Menschen nur vom Hörensagen oder bestenfalls aus der Presse kennen. Da ist Momo, ein junger Mann, der einem libanesischen Clan angehört, diesem aber zu entfliehen sucht. Er ist ein talentierter Fußballer, hat eine nette Freundin aus gutem Hause und eine fürsorgliche Mutter. Insofern stehen ihm alle Türen offen. Dennoch ist er ein Gefangener von Traditionen und starren sowie skrupellosen Clan-Strukturen. Das instabile Gefüge, in das die Hauptfigur eingebettet ist, ist durchaus nicht unrealistisch.

Dazu passen auch die tristen Farben der Sets und vom Produktionsteam ausgewählten Locations. In Berlin-Marzahn, Duisburg-Marxloh oder Dortmund-Nord ist die Welt eben nicht bunt, sondern betongrau mit noch immer rußgeschwärzten, bröckelnden Fassaden und Müll beladenen Hinterhöfen. Wer an so einem Ort lebt - auch, weil die Politik versagt und Migranten in solche Gegenden nach dem Motto „aus den Augen, aus dem Sinn“ abschiebt - hat es doppelt schwer, den Gefügen verbrecherischer Großfamilien zu entfliehen. Denn hier sind die Clans aktiv. Sie beherrschen, wie Asbest richtig und eindrücklich zeigt, die Straßen, Geschäfte und Einwohner.

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Reinhard Prahl

Der Artikel Asbest: Kritik zur Pilotfolge der ARD-Gangster-Serie wurde von Reinhard Prahl am Uhr erstmalig veröffentlicht. Reinhard Prahl hat bereits 138 Artikel bei Serienjunkies veröffentlicht. Eine Übersicht der Meldungen von Reinhard Prahl

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