Du bist hier: Serienjunkies » News »

Ares: Review der Pilotepisode

Ares: Review der Pilotepisode

Kritik der Episode 1x01 Episode 1

Ares (c) Netflix
Ares (c) Netflix

In der Serie Ares treten die beiden besten Freunde Rosa und Jacob der Studentenverbindung Ares bei. Schnell stellt sich heraus, dass es sich hierbei um eine geheime Sekte handelt, deren Mitgliedschaft einen hohen Preis abverlangt. Die niederländische Serie ist eine Netflix-Eigenproduktion und spielt in Amsterdam.

Worum geht's?

Ja, um ehrlich zu sein, ist diese Frage in Bezug auf den Piloten der niederländischen Netflix-Serie Ares etwas schwer zu beantworten. Nach einer doch recht verstörenden Einleitungssequenz, die wohl schon eine Vorschau auf die Ares-Gesellschaft bieten soll, lernen wir zuerst die Protagonistin Rosa (Jade Olieberg) kennen. Die Medizin-Studentin sitzt gerade in einer Vorlesung. Am Ende der Veranstaltung werden fünf Praktikanten erlesen, die das Privileg haben, sich am sogenannten De Hoogh Institut weiterzubilden. Rosa ist nicht unter den Auserwählten. Wozu auch immer diese Stelle diente, im Pilot wird man jedenfalls nicht wirklich schlau daraus.

Als Rosa nach ihren Universitätskursen nach Hause fährt, werden wir mit der nächsten abstrusen Szene konfrontiert: Ihr Vater, scheinbar Arzt, tanzt eng umschlugen mit Rosas Mutter in dämmernden, roten Lichtverhältnissen. Keiner spricht ein Wort, man sieht lediglich, wie Rosa ihren Vater ablöst und anschließend beginnt mit ihrer Mutter weiter zu tanzen. Ihr Vater hat scheinbar Spätschicht und muss zur Arbeit. Nun gut, stimmt etwas nicht mit Rosas Mutter? Ja, die psychische Krankheit der Frau wird im Verlauf der Folge noch explizit bestätigt. Sie allein zu lassen stellt eine große Gefahr dar, sodass immer jemand zuhause sein und sich um sie kümmern muss.

Als Rosas (ehemaliger) bester Freund Jacob (Tobias Kersloot) unerwartet an der Tür klingelt, ist sie zunächst ziemlich wütend, weil dieser für ganze drei Monate untergetaucht war und sich kein einziges Mal gemeldet hatte. Dennoch geht sie anschließend mit ihm essen und lässt ihre Mutter alleine zuhause. Auf doppelter Sicht keine gute Entscheidung. Denn im Restaurant macht Rosa zum ersten Mal Bekanntschaft mit einigen Anhängern der sogenannten Ares-Gesellschaft. Jacob als Novize der „Studentenverbindung“ alias Sekte wird von einigen Mitgliedern von einem anderen Tisch aus beschattet. Als er Rosa daran hindern will, mit den Verschworenen in Kontakt zu treten und den gleichen Fehler zu begehen wie er selbst, weist diese seine Warnung nur trotzig ab und das Üble nimmt seinen Lauf.

Nach einigen seltsamen Sequenzen, deren Sinnhaftigkeit beim Sichten nicht so ganz ergründlich werden und den Plot auch nicht wirklich vorantreiben, tritt Rosa schlussendlich entgegen der eindringlichen Warnung ihres besten Freundes in die Sekte ein. Die Gier nach Macht und Erfolg treiben sie dazu, da sie sich von ihrem derzeitigen Umfeld nicht stark genug gefordert fühlt.

Ares ist eine Gesellschaft für Menschen mit Potential

Wenn man schon so große Worte in den Mund nimmt, dann sollte etwas von dem Gesagten doch auch in den Mitgliedern der Sekte wiederzufinden sein. Doch ein solches Gefühl bleibt beim Sichten der Serie eigentlich komplett aus. Die ganzen Anhänger mögen sich eventuell für etwas Besseres, für Höheres bestimmtes halten. Aber tatsächlich wird schlichtweg ein immens großes Geheimnis um diese rätselhafte Gesellschaft gemacht, um die wirkliche Inhaltslosigkeit des Ganzen zu kaschieren. Die Mitglieder geben immer nur spärlich Informationen, verpacken ihre wenigen Gespräche dann so geheimnisvoll wie möglich und blicken die meiste Zeit einfach nur hochnäsig und gedankenverloren in der Gegend herum. So macht das Zuschauen nicht besonders viel Spaß.

Auch Rosa selbst, die eigentlich als intellektuelle Studentin mit viel Potential inszeniert werden sollte, wirkt bei dem Großteil ihrer Entscheidungen einfach nur wie ein naives Kind. So ignoriert sie jede Warnung ihres besten Freundes, auch wenn diese zugegebenermaßen manchmal auch etwas schwach ausfallen. Und als sie plötzlich am nächsten Morgen eine Botschaft und eine Karte mit einer Telefonnummer neben ihrem Bett auffindet, fragt sie sich nicht zuerst, wer wohl in ihr Zimmer eingebrochen ist und ihr diese Botschaft hinterlassen hat. Nein, sie ruft gleich bei der angegebenen Telefonnummer an. Spätestens als dann eine durch Stimmverzerrer veränderte Stimme am anderen Ende der Leitung zu hören ist, die sie zu einem heimlichen Treffen bestellt, könnte man ja meinen, Rosa würde erste Zweifel entwickeln. Aber Pustekuchen. Diese zwiespältige Darstellung der Figur wirkt einfach nur unpassend. Keine rational denkende Person würde so fahrlässig handeln. Hier hätte man sicherlich auch eine überzeugendere Einleitung ins Geschehen finden können.

Auch Jacobs Warnungen gegenüber seiner besten Freundin wirken teils sehr seltsam inszeniert. Während er zunächst eindringlich darauf besteht, dass Rosa ihre Finger aus dem Spiel halten soll, reicht ein Satz von ihr und er bricht weinerlich an ihrer Schulter zusammen. Na gut, vielleicht ist er von seiner Mitgliedschaft bei der Sekte schon so geschädigt, dass man ihm das verzeihen kann.

Insgesamt ist es recht schwer, einen Sympathieträger in der Serie ausfindig zu machen. Am offensichtlichsten würde wohl die Protagonistin Rosa selbst infrage kommen, aber ihre unüberlegten Entscheidungen machen es dem Zuschauer echt schwer, Zugang zu der Figur zu finden, geschweige denn sich mit ihr zu identifizieren. Im Gegenteil macht ihr irrationales Verhalten einen eher wütend. Spätestens als Rosa sich in der dritten Folge gegen ihre Familie und ihre Mutter entscheidet, die wegen ihrer Abwesenheit im Sterben liegt, ist es um die Sympathie komplett geschehen. Sie bleibt lieber in der Sekte, bei der sie seit einem einzigen Tag Mitglied ist. Eine sinnvolle Entscheidung...

Fazit

Neben der Tatsache, dass man nicht so wirklich mit den Protagonisten mitfiebern kann, muss auch nochmal auf den Plot verwiesen werden. In der Pilotenfolge laufen wie oben bereits angerissen, so viele Handlungsstränge nebeneinander her, sodass man nicht wirklich den Überblick behalten kann, was nun tatsächlich relevant für die Handlung ist. Gut, darin kann man eventuell ein typisches Problem von Pilotepisoden sehen. Aber dennoch muss auch gesagt sein, dass all diese parallel verlaufenden Aktionen nicht wirklich einen Mehrwert für die Geschichte bieten. Denn inhaltlich passiert im Großen und Ganzen recht wenig. Auch die Dialoge zwischen den Figuren wirken oftmals sehr wahllos und haben nicht viel Tiefgang.

Und falls man nach Rosas Beitritt in die Sekte auf einen erhöhten Gruselfaktor hofft, so wird man leider zusätzlich enttäuscht. Denn auf visueller Ebene passiert nicht wirklich viel. Auch die weißen und bunten Kutten der Angehörigen, die grauen Masken und das „gruselige Ambiente“ können nicht über die Inhaltslosigkeit des Handlungsstrangs hinwegtäuschen. Beim Sichten sträubten sich mir kein einziges Mal die Haare, denn es gab auch keinen Anlass dazu. Was auf visueller Ebene an Spannung fehlt, sollte wohl auf der Tonspur wettgemacht werden. Denn durchgehend wird düstere, gefährliche Musik eingesetzt, um eine Atmosphäre zu vermitteln, die bildlich nicht erzeugt werden konnte. Und mit durchgehend meine ich auch Szenen, in denen eine solche Melodie doch recht fehl am Platz wirkt. Denn wenn man ständig mit einer derartigen Akustik beschallt wird, geht der Effekt in tatsächlichen Momenten des Grusels doch recht flöten.

Um der Serie Ares dennoch eine Chance zu geben, habe ich noch zwei weitere Folgen gesichtet und konnte aber leider keine Verbesserung feststellen. Inhaltlich passiert nicht besonders viel, außer dass Rosa wieder einige falsche Entscheidungen trifft. Die Inszenierung und der Ton orientieren sich weiterhin an Folge eins. Letztendlich lässt sich sagen, dass die Serie mit ihrem Namen „Ares“ nicht besonders viel zu tun hat. Ares als griechischer Gott des Krieges, der Aktion und des Blutbades spiegelt sich in den ersten Folgen der Serie nicht wirklich wieder. Weder er noch seine Attribute. Ich werde die Serie jedenfalls nicht weiter verfolgen.

Hier abschließend noch der Trailer zur neuen Netflix-Serie „Ares“:

Mehr auf der Themenseite: Pilot Reviews

Mariano Glas

Der Artikel Ares: Review der Pilotepisode wurde von Mariano Glas am Uhr erstmalig veröffentlicht. Mariano Glas hat bereits 5.896 Artikel bei Serienjunkies veröffentlicht. Eine Übersicht der Meldungen von Mariano Glas

murrayde folgen murrayde bei Instagram auf Mastodon folgen

Aktuelle Lieblingsbeiträge der Leser von Serienjunkies


Lockwood & Co: Review der Pilotepisode der Netflix-Serie Lockwood & Co: Review der Pilotepisode der Netflix-Serie

In einer Welt, die offen von ebenso unheimlichen wie gefährlichen Spukerscheinungen heimgesucht wird, sind übernatürlich begabte jugendliche Geisterjäger die einzige Hoffnung in der neuen Netflix-Serie Lockwood & Co.... [mehr]

Von Thorsten Walch am Freitag, 27. Januar 2023 um 20.00 Uhr.