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Alma: Nebel - Review zur Pilotfolge der Mystery-Serie

Alma: Nebel - Review zur Pilotfolge der Mystery-Serie

Alma: Nebel - Review zur Pilotfolge der Mystery-Serie

Dass man in Spanien tolles Fernsehen und gute Filme macht, ist spätestens seit Warrior Nun und Naufragos bekannt. Mit Alma präsentiert Netflix nun eine Mystery-Serie, die zurecht sofort den Sprung unter die zehn beliebtesten Produktionen geschafft hat. Die Pilotfolge verspricht zumindest Nervenkitzel, Gänsehautfeeling und Spannung pur.

Das geschieht

Alma erlebt mit ihren Schulkameraden eine entspannte Klassenfahrt in die Berge. Als es wieder nach Hause geht, gerät der Bus, der die Schüler transportiert, jedoch in einen mysteriösen Nebel. Als sich dem Fahrzeug mitten auf der Straße etwas entgegenzustellen scheint, kommt es zu einem schweren Unfall. Nur Alma und einige wenige ihrer Freunde überleben das Unglück. Als das Mädchen im Krankenhaus aufwacht, erinnert sie sich weder an ihren Namen, noch an ihre Eltern oder Details der Katastrophe. Eines Abends tauchen in ihrem Zimmer blau leuchtende Schemen auf, die sich über ihre Zimmergenossin legen und diese töten. Treibt ein Albtraumwesen sein Unheil oder haben die Teenager versehentlich eine dunkle Macht entfesselt? Fragen, auf die Alma verzweifelt versucht, eine Antwort zu finden.

Ein fast perfekter Start

Wenn eine Serie das Publikum direkt ins kalte Wasser wirft und es schafft, im Teaser mit nur wenigen Kameraeinstellungen, toller Musik und einigen Sätzen eine Atmosphäre zu erzeugen, die sich den großen Vertretern des Genres würdig erweist, ist dies durchaus eine Leistung. So geschehen und gesehen in der spanischen Mystery-Serie Alma aka „The Girl in the Mirror“, die just bei Netflix gestartet ist und dort innerhalb weniger Tage unter den zehn meist gesehenen Produktionen der Woche gelandet ist. Allein der erste Satz: „Es gibt Orte auf dieser Welt, die als Tor zu anderen dienen“ erzeugt aufgrund des fantastischen Sprechers (übrigens sowohl im spanischen Original als auch in der deutschen Synchronisation) eine wohlige Gänsehaut auf dem Rücken. Und das in gerade einmal einer Minute.

Coming of what?

Der besondere Trick, dessen sich Alma bedient ist, zwar Genre-typisch mit einer Rückblende zu starten, diese aber über die halbe Pilotfolge zu ziehen. Das Vorgeplänkel, das Kennenlernen der Protagonisten und ihre Beziehungen untereinander, ist damit erst einmal abgehakt und die Serie kann sich auf das Wesentliche konzentrieren. Wir erfahren, wer die Jugendlichen sind, dass etwas Schlimmes in der Vergangenheit geschah, dass eine der Figuren von einer gewissen Düsternis umgeben scheint und dass es ein festgewebtes, aber kompliziertes Freundschaftsband zwischen Alma (Mireia Orol), Deva (Claudua Roset) und Tom (Alex Villazan) existiert und so weiter. Dieses Geflecht, so deutet sich in der Debütepisode an, wird für den Rest der Season noch überaus wichtig und zum Schlüssel für die Erkenntnis darüber, was genau der Auslöser für das Geschehen ist.

Übersinnliches

Interessant an der Herangehensweise von Regisseur Sergio G. Sanches („Das Waisenhaus“) ist, dass nach dem kurzen übernatürlichen Touch des Teasers schnell der Eindruck entstehen könnte, hier ein ganz gewöhnliches Coming-of-Age-Drama vorzufinden. Lediglich einige Hinweise, ein kleiner Dolmen im Wald, tätowierte Runen auf der Haut von Alma und Deva und eine albtraumhafte Sequenz sorgen dafür, dass man nicht vergisst, welchem Genre sich die Serie verbunden fühlt. Das ist geschickt inszeniert und lässt die Spannung auf das unvermeidlich Kommende nur noch weiter in die Höhe schnellen.

Tatsächlich kommt es, wie es kommen muss - und zwar schneller, als gedacht. Denn als der Klassenbus auf der Heimreise in einen dichten Nebel eintaucht, wird schnell klar, dass dieser nicht natürlichen Ursprungs sein kann. Ein seltsames, blinkendes, rotes Licht erregt Devas Aufmerksamkeit, Kälte kriecht auf die Fenster, füllt sie mit dichtem Reif und lässt ein totes Spiegelbild erscheinen. Der große Knall kommt, als ein dürres, geisterhaften Wesen sich mitten auf der Straße aus den Schwaden erhebt und der Bus aus der Bahn bricht. Die Inszenierung des Unfalls eindrücklich zu nennen, ist fast schon untertrieben. Einem Schüler wird brutal der Kopf von Leib getrennt, eine andere aus dem aufgerissenen Dach gezogen, ein dritter Jugendlicher von herabfallenden Trümmern erschlagen. Zugegebenermaßen erreichen die Spezialeffekte an dieser, aber auch anderer Stelle nicht das höchst mögliche Niveau, sie bleiben aber doch immer ansehnlich und mehr als nur zweckmäßig. Bedenkt man zudem, dass der spanischen Produktion sicherlich nicht annähernd das Budget zur Verfügung stand, welches man einer ähnlich gelagerten US-Serie gewähren würde, darf man Alma sogar eine richtig gute Visualisierung attestieren.

Die Spannung steigt

In der zweiten Hälfte der Episode zieht der ohnehin hohe Spannungsbogen noch einmal mächtig an, als sich ein blauer Schemen über eine Zimmernachbarin Almas hermacht und dieser den Lebenshauch aussaugt. Die Szene ist mit einem interessanten Licht- und Schattenspiel unterlegt, der das Mysterium, dem der Zuschauer hier begegnet, hervorragend unterstreicht. Die tolle schauspielerische Leistung der äußerlich recht zart und zerbrechlich wirkenden Mireia Oriol tut ihr Übriges, um den Gänsehautmoment perfekt zu machen. Doch auch Jungtalent Alex Villazan, der als einer der wenigen Überlebenden auftaucht, macht seine Sache gut. Die letzten Minuten der Folge gehören einem Schockmoment, der es in sich hat und das Publikum Mit einem großen Rätsel zurücklässt.

Fazit

Na also. Netflix kann es also doch noch. Die Pilotfolge von „Alma“ ist für den Rezensenten eine der großen Überraschungen dieses Sommers. Nicht, weil die Serie aus Spanien stammt und mit fast gänzlich unbekannten Schauspielerinnen und Schauspielern gedreht wurde. Und auch nicht deshalb, weil der Stoff pure Mystery ist. Sondern schlicht und ergreifend, weil Sergio G. Sanchez, der den Stoff auch entwickelt hat, die Geschichte richtig gut einleitet und das Publikum mit einem Knalleffekt in die zweite Episode schickt.

Man will nicht nur, man muss geradezu dranbleiben, um zu erfahren, was als Nächstes geschieht und welches Geheimnis die junge Frau umgibt. Woher kam der mysteriöse Nebel? Was hat der seltsame Dolmen im Wald mit ihm zu tun? Warum tragen Alma und Deva Runen-Tattoos auf der Haut? Und auf welches übernatürliche Phänomen geht der blaue Spuk zurück? Fragen über Fragen, und eine spannender als die andere. So muss Mystery sein. Möge uns die Serie mehr davon bescheren, vor allem aber eine in sich schlüssige Auflösung des Rätsels. 4,5 von 5 Sterne.

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