Du bist hier: Serienjunkies » News »

Alice in Borderland: Review der Pilotepisode von Netflix

Alice in Borderland: Review der Pilotepisode

Kritik der Folge 1x01

Szenenfoto aus der Netflix-Serie Alice in Borderland (c) Netflix
Szenenfoto aus der Netflix-Serie Alice in Borderland (c) Netflix

The Leftovers, aber als Battle Royale im fast menschenleeren Tokio, in welchem ein Freundestrio tödliche Rätsel lösen muss? Kann ab heute in der japanischen Netflix-Serie Alice in Borderland angesehen werden. Hier ist unser Pilotreview dazu. Let the games begin!

Death-Game-Geschichten und Battle-Royale-Storys gibt es in Japan wie Sand und Wasser-Pokemon am Meer, meist in Manga-, Anime- oder Videospielform mit Titeln wie „Dangonranpa“, „King's Game“, „As the Gods Will“ oder „Mirai Nikki“, um nur ein paar zu nennen. Meist mit übernatürlichem oder außerirdischem Spielleiter-Element, das die Beteiligten unweigerlich in „Saw“-mäßige Todesspiele verwickelt, bei denen am Ende weniger Leute übrig sind als noch zu Anfang. Einer dieser Titel ist der 2016 nach 18 Sammelbänden abgeschlossene Manga „Imawa no Kuni no Arisu“ von Haro Aso, der schon als Anime-OVA adaptiert wurde und nun eine Netflix-Realserie mit dem internationalen Titel Alice in Borderland hat, deren erste Folge wir für Euch durchgezockt haben. Regie führte Shinsuke Sato, der bereits Anime- und Mangatitel wie „Inuyashiki“, Bleach, Death Note und „Gantz“ in Live-Action-Filme verwandelt hat.

In „Alice in Borderland“ lernen wir den glücklosen Gamer Ryohei Arisu (Kento Yamazaki) kennen, der zwar prima daddeln kann, im realen Leben aber weniger erfolgreich ist. Für seine beiden Freunde, den verunsicherten Büroangestellten Chota (Yuki Morinaga) und den aufbrausenden Barkeeper Karube (Keita Machida), könnte es ebenfalls besser laufen, denn der eine muss seine arme Mutter mit Geld durchbringen und macht erst einmal blau und der andere wurde gerade aus seiner Kneipe gefeuert, weil die Affäre mit der Frau des Chefs aufgeflogen ist. Als sie an der belebten Kreuzung in Shibuya Schabernack treiben, ist bald schon die Polizei hinter den Lümmeln her, die sich kurzerhand in einer Klokabine verstecken. Dann legt ein Stromausfall alles lahm und als sie auf die Straßen Tokios zurückkommen, sind sämtliche Mitmenschen scheinbar wie vom Erdboden verschluckt. „A Quiet Earth“ und The Leftovers lassen grüßen.

In einem Live-Action-Format ein menschenleeres Tokio zu sehen, ist wirklich befremdlich und beeindruckend, auch wenn in manchen Szenen mit dem berühmten Shinjuku-Zebrastreifen sicherlich visuell getrickst wurde. Schließlich zählt die Anfangssequenz aus dem Film „Vanilla Sky“, in der Tom Cruise in einer Traumsequenz über den geräumten Times Square läuft, immer noch zu den teuersten Filmszenen aller Zeiten und ein so großes Vermögen pumpt Netflix sicherlich nicht in seine japanischen Originals. Viel Zeit für das Brainstorming, ob es sich beim Verschwinden der Leute um ein verpasstes Evakuierungsmanöver oder einen ambitionierten Flashmob handelt, hat das Trio allerdings nicht, denn der Bildschirm zur Straße informiert sie bald darüber, dass gleich das Spiel beginnt...

© IMAGO
© IMAGO
© Netflix
© Netflix

In einem nicht weit entfernten Gebäude werden die drei Freunde mit speziellen Mobiltelefonen ausgestattet und machen die Bekanntschaft einer weiteren unfreiwilligen Teilnehmerin, die bereits über Laser und Kraftfelder, die ihnen das Ausbüchsen unmöglich machen, Bescheid weiß. Gemeinsam mit der unbekannten Dame und einem weiteren Schulmädchen beginnt in einem leeren Raum mit zwei Türen das erste Spiel: Leben oder Tod? Sie müssen sich innerhalb weniger Minuten zwischen der Tür mit einem Manga-Engel und dem Schriftzeichen für „Leben“ und der Tür mit Skelett aus dem berühmten Bild von Utagawa Kiniyoshi und dem Schriftzeichen für „Tod“ entscheiden, ehe der Raum zuerst mit Giftgas und schließlich mit Flammen geflutet wird.

Das nervöse Schulmädchen entscheidet sich leider für die falsche Tür und ist raus. Im nächsten Raum wartet aber schon dieselbe Fragestellung mit weniger Zeit und immer größerer Panik. Als Gamer, dessen Händchen für räumliches Verständnis und geometrische Puzzle zu Beginn der Folge etabliert wurde, kommt Arisu jedoch mit geradezu Sherlock-artiger Schlussfolgerung auf die richtige Lösung und kann das Survival-Quartett retten. Doch die Aufgaben, durch die man sich lediglich Zeit erspielt, ehe einem der große Laserstrahl aus dem Himmel die Birne wegballert, haben gerade erst begonnen. Zumindest für diese neu in der spärlich besiedelten Parallelwelt angekommene Gruppe...

Fazit


Was als Allererstes angenehm auffällt am Auftakt von Alice in Borderland, ist das für japanische Serienverhältnisse hohe production value und das für Netflix-Verhältnisse gute pacing. Die Geschichte kommt schnell aus den Puschen, stellt die noch etwas unausgegoren wirkenden Charaktere vor, macht die High-Concept-Prämisse klar und legt das Ausmaß der prekären Situation dar, wie es ein klassischer Pilotfilm jenseits von Binge-Material-Streamingdiensten getan hätte. Im Gegensatz zur actionlastigeren Death-Game-Adaptionen, wie „As the Gods Will“ von Takashi Miike zum Beispiel, konzentriert man sich hier zunächst auf ein überschaubares Survival-Spiel, das mit nachvollziehbarer Logik gelöst wird. So weit, so gut! Nur schade, dass die Auflösung dieser Art ewig laufender Mangas selten so interessant oder befriedigend ausfällt wie der spannende Anfang.

Die bisher acht produzierten Folgen von „Alice in Borderland“ können unter anderem auf Japanisch, Englisch und Deutsch sowie mit verschiedenen Untertiteloptionen angesehen werden.

Hier abschließend noch der Trailer zur Season der Netflix-Serie „Alice in Borderland“:

Mario Giglio

Der Artikel Alice in Borderland: Review der Pilotepisode wurde von Mario Giglio am Uhr erstmalig veröffentlicht. Mario Giglio hat bereits 12.775 Artikel bei Serienjunkies veröffentlicht. Eine Übersicht der Meldungen von Mario Giglio

firewalkwithmee folgen

Reviews zur Serie „Alice in Borderland“


Alle Reviews der Serie Alice in Borderland jetzt anzeigen

Aktuelle Lieblingsbeiträge der Leser von Serienjunkies


Dexter: Showtime denkt über Prequel mit Neubesetzung nach Dexter: Showtime denkt über Prequel mit Neubesetzung nach

Mit der Revival-Staffel Dexter: New Blood feierte Showtime vor gut einem Jahr große Erfolge. Das Serienkiller-Franchise soll auf alle Fälle weiterleben, doch der Kabelsender will wohl lieber in die Vergangenheit schauen... [mehr]

Von Bjarne Bock am Mittwoch, 1. Februar 2023 um 13.00 Uhr.