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Abbott Elementary: Ein Geheimtipp, der mehr Aufmerksamkeit verdient - Kritik zur 1. Staffel

Abbott Elementary: Kritik zur 1. Staffel

Abbott Elementary: Kritik zur 1. Staffel

In den USA ist das Mockumentary-Genre immer wieder für einen Dauerbrenner gut. The Office, Modern Family, Parks and Recreation und What We Do in the Shadows haben es schon vorgemacht. Abbott Elementary bringt nach Jahren wieder frischen Wind in die Network-Comedylandschaft und sollte unbedingt von mehr Menschen gesehen werden.

Mockumentaries sind kein neues Phänomen. Der erste große Hit in die Richtung war wohl The Office (UK). Daraus wurde das viel langlebigere The Office und in Deutschland auch die überaus erfolgreiche Serie Stromberg. In einigen weiteren Ländern folgten lokale Ableger. Aus Quotensicht war wahrscheinlich keine Mockumentary aus den USA erfolgreicher und langlebiger als Modern Family. Aber auch in Parks and Recreation und What We Do in the Shadows werden die Figuren von Kamerateams begleitet, die mal mehr und weniger aktiv in die Handlung eingreifen, Statements direkt in die Kamera abnehmen und ihrem Alltag oder ihr Arbeitsleben mitfilmen.

Im Dezember 2021 feierte die Schul-Comedy Abbott Elementary von der früheren Buzzfeed-Redakteurin Quinta Brunson ihre Premiere bei ABC. Ende Juli 2022 kam die 13-teilige Debütstaffel dann auch via Disney+ nach Deutschland. Die US-Kritik hat schnell gefallen daran gefunden und sie wurde, als eine der ersten Network-Comedys seit langem mal wieder, für Emmys nominiert. Auch andere Preise und Nominierungen hat das Format inzwischen erhalten.

Das Kollegium aus Abbott Elementary

Die Serie bringt alles mit, was einen potentiellen Comedyhit ausmacht. Ein buntes Ensemble voller verschiedener Typen, die man so oder so ähnlich in anderen Serien schon gesehen hat, etwa. Parallellen in der Charakterzeichnung findet man in The Office, Brooklyn Nine-Nine oder Scrubs (die Liste liese sich wahrscheinlich beliebig auf weitere Workplace-Comedyformate erweitern). Das soll aber nur verdeutlichen, dass Fans besagter Serien sehr wahrscheinlich gefallen daran finden könnten. Denn ein Großteil der Gags ist charakterbasiert.

Brunson spielt Janine Teagues, eine optimistische, aber manchmal nicht ganz selbstsichere junge Lehrerin, die Zweitklässler unterrichtet und nach Anerkennung strebt, ihren Schülern aber auch unbedingt das Leben verbessern möchte.

Janelle James ist Ava Coleman, die - wie es zunächst erscheint - unfähige Schulleiterin, die nur durch Erpressung an den Job gekommen ist und das Kollegium gerne schikaniert, die Schulmittel in fragwürdige Anschaffungen steckt und den Ruhm für etwaige gelungene Aktionen trotzdem gerne kassiert. Später sieht man, dass sie durchaus engagiert für die Sache ist. Lisa Ann Walter spielt Melissa Schemmenti, die ebenfalls Zweitklässler unterrichtet, der einfachen Arbeiterklasse Phillys verbunden ist und durch ihre fragwürdigen Connections glänzt. Insgesamt kommt sie eher taff rüber und nutzt gerne unkonventionelle Mittel und Lehrmethoden. Chris Perfetti ist Jacob Hill ein Geschichtslehrer, der ebenfalls noch recht jung und unerfahren ist und sich von den Schülern gerne mal in die Pfanne hauen lässt, er ist manchmal recht unbeholfen und wäre gerne der coole Kumpeltyp. Janine und Co. unterstützt er aber so gut es geht. Im Verlauf der Staffel lernen wir zudem seinen sympathischen Partner kennen.

Sheryl Lee Ralph ist Barbara Howard, eine erfahrene und respektierte Kindergarten-Lehrerin, die ihre Schüler im Griff hat und die für Janine ein absolutes Vorbild ist. Gerne würde sie mehr von ihr lernen, aber Barbara schottet sich zunächst etwas ab, bis Janine und Co beweisen, dass ihnen das Wohl der Kinder an oberster Stelle steht und man sich etwas besser kennenlernt. Tyler James Williams kommt als Gregory Eddie ebenfalls neu an die Schule und ist ein Vertretungslehrer für die Erstklässler, der eigentlich Ambitionen auf den Posten des Schulleiters hat, aber dann wurde der Job anderweitig vergeben. Zudem hat er sich eindeutig in Janine verschossen. Nur ist diese in einer Langzeitbeziehung mit ihrer ersten großen Liebe, einem antriebslosen Rapper.

William Stanford Davis spielt den Hausmeister Mr. Johnson, der oftmals im Lehrerzimmer mitlauscht und seine Kommentare zu den Lehrerproblemen zum Besten gibt. Nicht ganz so frech wie der Hausmeister aus Scrubs, aber ebenfalls immer als weiterer Comic Relief gut.

Diese Schule würde man gerne besuchen

Schulcomedys oder solche, die an einer Uni spielen gab es natürlich ebenfalls schon einige. Teachers, Community, Schooled, A.P. Bio und zahlreiche Familiencomedys mit jungen Figuren könnte man hier aufzählen. Oftmals stehen aber die Schüler im Mittelpunkt bei den Familiensitcoms. Bei „Abbott Elementary“ ist es die Mischung aus ambitionierten Lehrkräften und öffentlicher Schule inmitten von Philadelphia, wo überwiegend schwarze Schüler unterrichtet werden, von einer BiPoc-Serienmacherin, die das ABC-Format von vielen Vorgängern abheben. Die Hauptfarbe oder sozialen Hintergründe werden nicht unbedingt betont, aber auch nicht ausgespart, wenn es darum geht, wie Mittel verteilt werden, wie frischer Wind in den Kunstunterricht gebracht werden könnte oder wie besonders begabte Kinder gefördert werden können. Vielmehr ist der Lehrberuf, der in den USA auch nicht besonders gut vergütet wird, als solcher allgemein voller Hürden, Herausforderungen und alltäglichen Abenteuer, die für witzige Situationen sorgen.

Dazu kommen die Unterschiede in Herangehensweisen von jungen und älteren Kollegen und interne Wettstreitereien, um die Schule besser zu machen und Bildung zu vermitteln.

Durch die verschiedenen Charaktertypen, die man in Nebenhandlungen gut miteinander kombinieren kann, gibt es viel Abwechslung. Vorab hätte man Barbara und Mr. Johnson wohl nicht für ein gutes Duo gehalten, doch eine Episode in der Staffel rund um einen geheimen Schulgarten, in dem man gesunde Lebensmittel für die Schüler anbaut, beweist, dass auch zwischen diesen beiden charmante Gemeinsamkeiten bestehen.

Ebenso spielen Wandertage, virale Internetvideos und die Einflüsse, die sie auf die Schüler haben, Elternsprechtage, Problemschüler oder so mondäne Probleme wie kaputte Lichter und Toiletten eine Rolle in der Debütstaffel.

Ein oftmals übersehener Geheimtipp

Mein Eindruck bisher ist jedoch, dass die Serie hierzulande deutlich unter dem Radar läuft und bei weitem nicht die Liebe oder Promotion erhält, die sie verdient. Es ist natürlich gut, dass man sie bei Disney+ problemlos - und relativ kurz nach der US-Premiere - streamen kann und nicht wie manch andere Comedy jahrelang auf sie warten muss, aber wie andere Mockumentaryies geht sie irgendwie etwas unter. Stattdessen hat man sich in der Werbeabteilung von Disney bisher eher auf Serien wie How I Met Your Father konzentriert, wo der Name allein wohl die Leute anlocken soll.

Bei „Modern Family“ hat es damals ebenfalls eine Weile gedauert - und wahrscheinlich eine vermehrte TV-Ausstrahlung und Streamingpremieren bei Netflix - ehe ein größeres deutsches Publikum darauf aufmerksam wurde. Mit 13 Folgen hat die ABC-Sitcom „Abbott Elementary“ bisher noch kein großes Polster um etwa mal werktäglich bei ProSieben im Free-TV zu laufen und so bleibt sie wohl zunächst noch ein Geheimtipp, der durchs Weitererzählen und Empfehlungen profititieren könnte und der immerhin schon für eine zweite Staffel verlängert wurde, die diesmal wahrscheinlich auch auf 20 bis 24 Folgen kommen wird. Denn es handelt sich aus Quotensicht um einen der besseren Comedyneustarts von ABC der letzten Jahre.

Die Comedy gehört zu denjenigen, die mit viel Wärme daherkommen und daher irgendwo in Richtung Ted Lasso, The Office, Parks and Recreation, Modern Family, Bob's Burgers und Brooklyn Nine-Nine eingeordnet werden könnten.

Fazit

Wer auf der Suche nach einer charmanten Alltagsflucht ist, der sollte Abbott Elementary eine Chance geben. In der ersten Staffel ignoriert man die Pandemie, die sicherlich die meisten Schulen weltweit genug gebeutelt hat, und stellt den Alltag der überschaubaren Lehrerschaft an einer öffentlichen Schule in Philadelphia unterhaltsam dar. Der Mockumentary-Stil wird momentan noch selten genug in der Fernsehlandschaft eingesetzt, so dass er das Comedygenre bereichert. Die Serienmacher um Quinta Brunson holen recht viel aus denn Momenten der Fremdscham in der Interaktion mit Schülern, Eltern, Kollegen und der Kamera heraus, der so gut wie nichts entgeht.

Hier der Trailer zur ersten Staffel:

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