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1899: The Ship - Review zur Pilotfolge der Netflix-Mysteryserie

1899: The Ship - Review zur Pilotfolge

Mit 1899 legen die Dark-Macher einen neuen Mystery-Thriller vor, dessen Pilotfolge voll von rätselhafter Symbolik, mysteriösen Bildern und Gänsehautmomenten ist. Doch ob das reicht? Wir klären Euch auf.

Das geschieht

Wir schreiben das Jahr 1899. Vier Monate ist es her, seit der Luxusdampfer Prometheus auf dem offenen Meer verschwunden ist. Die Zeitungen rätseln noch immer darüber, was mit dem Kreuzer, seiner Besatzung und den Mitreisenden geschah, als das Schwesterschiff Kerberos unter dem Kommando von Eyk Larsen (Andreas Pietschmann, Dark) einen mysteriösen Funkspruch von dem verschollenen Schiff erhält. Trotz der Proteste seiner hochnäsigen Erste-Klasse-Gäste lässt der Kapitän wenden. Als er die Prometheus erreicht, begibt er sich mit der jungen Ärztin Maura (Emily Beecham, Into the Badlands), dem Heizer Olek (Maciej Musial) und dem blinden Passagier Jerome (Yann Gael) hinüber zur Prometheus. Das Schiff weist Spuren der Zerstörung auf und scheint verlassen. Doch plötzlich klopft etwas von innen gegen die Tür eines Sideboards. Maura öffnet das Möbelstück und ein geheimnisvoll anmutender Junge tritt heraus, der ihr eine schwarze Pyramide übergibt

Kryptik und Geheimnisse

Das Hirn den Himmel überrag

Misst du die Größe nac

Nimmt eins das andere in sich au

Samt dir und ganz gemach

Das Hirn ist tiefer als die Se

Hält man das Blau an Bla

Saugt eins das andre in sich au

Wie Knosp den Morgentau

Mit diesem kryptischen achtzeiligen Gedicht, das von mysteriösen, Metaphern-haften Bildern wie dichten Wolken, einem einsamen Schloss in einem kargen Tal oder einer schwarzen Pyramide in einem düsteren Gebirge begleitet wird, beginnt der neueste Streich der Dark-Macher. Und man muss sagen: Stimmungsvoll in eine Serie wie 1899 einsteigen können sie ja. Denn die zwei vierzeiligen Strophen, die offenbar tief in den Seelenzustand der Hauptfigur Maura blicken lassen, umgibt das Geheimnis eines Rätsels, dass sich in der ersten Folge natürlich nicht erschließen wird. Klar wird auf jeden Fall schnell, dass mit der jungen Frau etwas nicht stimmt. Denn das letzte Bild, dass uns in 1899 auf die finalen zwei Zeilen präsentiert wird, zeigt einen Strudel, in den wir als Zuschauer hineingezogen werden, nur um am anderen Ende in einen schwach und indirekt beleuchteten Korridor zu blicken.

Ganz hinten steht eine vom Schatten verhüllte Person, die nun gestikulierend auf uns zuläuft. Maura tritt ins Licht, sie ist verschwitzt und die Angst eines gehetzten Tieres flackert in ihren Augen. Sie starrt auf einen Schemen, den sie Vater nennt, als sie plötzlich von links und rechts zwei starke Männer in der Kleidung von Krankenpflegern des ausgehenden 19. Jahrhunderts packen und in einen Raum zerren, der die Nummer 1011 trägt.

Ob hier die zehn als Symbol für die zehn Gebote und die elf als jenes der Sünde und Maßlosigkeit stehen, lässt die Einleitung zur Pilotfolge The Ship offen. Ganz ausgeschlossen ist der Gedanke nicht, zumal der verschollene Dampfer, um den es geht, ausgerechnet Prometheus und das von Kapitän Larsen befehligte Schiff Kerberos heißt. Bildet die erwähnte Zimmernummer schon einen Gegensatz in sich, so tun es die beiden Schiffe erst recht. Der Retter in der Not wird zum Höllenhund und das vier Monate lang vom Erdboden verschluckte Passagierschiff zum Titanen, der den Menschen Feuer und damit das Licht brachte. So geht Symbolik

Hoch gepokert

Das ist ein starker Beginn, und einer, bei dem das Autorenteam Baran bo Odar, Jantje Friese (beide Dark) und der Spanier Dario Madrona hoch pokern. Denn das Mysterium, dass der Writers Room in der Debütepisode aufbaut, gleicht dem Labyrinth des Minotaurus, um im Bild zu bleiben. Dass Maura in einem viktorianischen Sanktuarium, sprich einer Irrenanstalt, gefangen war, ist evident. Welches Geheimnis aber den ansonsten recht sympathischen Larsen umgibt, oder das japanische Mädchen Ling Yi (Isabella Wei) und ihre Zofe Yuk Je (Gabby), lässt die Folge genauso offen wie das der anderen Protagonisten. Klar scheint nur, dass so ziemlich jeder an Bord etwas zu verbergen und gute Gründe dafür hat, die Reise angetreten zu haben. Einige von ihnen werden zudem noch zu mehr oder weniger wichtigen Teilen im Puzzle werden. Doch wer von ihnen und warum? Das ist herrlich undurchschaubar, könnte sich aber auch zu einem unentwirrbaren Knoten gerade in dem Faden verknäulen, der uns aus besagtem Story-Labyrinth wieder herausführen soll.

Reinhard Prahl

Der Artikel 1899: The Ship - Review zur Pilotfolge wurde von Reinhard Prahl am Uhr erstmalig veröffentlicht. Reinhard Prahl hat bereits 135 Artikel bei Serienjunkies veröffentlicht. Eine Übersicht der Meldungen von Reinhard Prahl

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