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Der 12-jährige Martin Moone lebt Ende der 1980er Jahre in Boyle, Irland und muss in seiner chaotischen Familie überleben. Doch Martin hat einen neuen, ungewöhnlichen Freund. Als Martin zu seinem Geburtstag ein neues Fahrrad bekommt, wird es ihm sogleich entwendet.
Exklusive Episodenbeschreibung für Serienjunkies.de
Martin Paul Kenny Daglish Moone (David Rawle) hat es nicht leicht. Er ist elf, hat drei Schwestern und ist ein regelmäßiges Opfer der tyrannischen Zwillinge Jonner und Conner. Zum Glück hat er einen imaginären Freund namens Sean (Chris O'Dowd). Der steht seinem Schützling zwar etwas widerwillig und selten hilfreich, aber dennoch nach bestem Wissen und Gewissen bei der Bewältigung seines Alltags im Irland der späten 1980er bei. Außerdem führt er als trockene Stimme aus dem Off durch die aberwitzige Handlung: „Ever wanted to be the imaginary friend of an idiot boy in the West of Ireland? Me neither.“
Aber es ist so wie es ist. Das Geschehen, das sich vor der Kulisse der irischen Stadt Boyle an einem ungewöhnlichen - weil fast regenfreien - Tag abspielt, kann einen auf Anhieb in seinen charmanten Bann ziehen.
Der durch und durch liebenswerte Martin bemüht sich rührend um das Wohlergehen eines kleinen Vogels, der - wie Sean nüchtern bemerkt - bedauerlicherweise bereits das Zeitliche gesegnet hat. Da seine Wiederbelebungsversuche von Jonner und Conner als Zeichen tiefer Zuneigung interpretiert werden, sieht sich Martin einmal mehr mit ihren schlagkräftigen Hänseleien konfrontiert. Einzig der Schutz durch einen noch mächtigeren bully könnte Martins Frieden wiederherstellen. Declan Mannion (Stephen Gillic in seiner ersten Paraderolle) ist genau der richtige für den Job.
Der „Bully's Bully“ hat selbst den klassischen „Wet Willie“ (eine beliebte Tortur, bei dem einem ein nasser Finger ins Ohr gesteckt wird) revolutioniert, indem er ihn um ein magisches Element erweitert hat (Sein Opfer:„Hey, warum ist denn jetzt mein anderes Ohr nass?“). Auch sonst leistet Declan wahre Pionierarbeit auf dem Gebiet der Schulhoftyrannei. Allerdings sind die Dienste des Profis nicht umsonst, denn erst möchte Declan Hand anlegen - und zwar an einen Busen von Martins Schwester Trisha (Aoife Duffin).
Neben den unschuldig kindlichen Facetten von Moone Boy, die sich auch in den phantasievoll animierten Zeichnungen des Jungen widerspiegeln, bietet die irisch-britische Koproduktion noch sehr viel mehr.
Die ohnehin schon unterhaltsamen Erlebnisse des kleinen Jungen befriedigen durch Sean und dessen Erörterungen auch die Ansprüche von fortgeschrittenem Humor. Der imaginäre Freund weist zwar keinen Reifezustand auf, der den von Martin sonderlich übersteigen würde. Doch als Martins Schwester Declan aufgrund dessen bescheidenem Busenwunschs mit einer saftigen Schimpftirade überschüttet, hat Sean sinnvollerweise ein Banjo zur Hand, um damit das Schlimmste zu übertönen.
Ein definitives Highlight besteht zudem in dem Handlungsstrang, der Martins Vater Liam (Peter McDonald) begleitet. Seine ehrenhaften Bemühungen, Martins Peiniger zur Rechenschaft zu ziehen, enden damit, dass er und Gerry Bonner (hervorragend weichlich porträtiert von Simon Delaney), der erstaunlich sympathische und komplett überforderte Vater der Zwillings-Rowdys, dem Gin zuspricht. Über Gerry erhält Liam so Zutritt in eine Runde von herrlich schroff aussehenden Männern, die sich nur scheinbar zum Pokern treffen. In Wirklichkeit genießen die nicht so harten Kerle eine Auszeit von ihren Familien, vor denen sie sich insgeheim fürchten. Die Szenen, in denen die innovative Gemeinschaft ihr sanftmütiges Unwesen treibt („Be dad, not sad.“, „We are big, beautiful men!“), sind schlichtweg unverbesserlich.
Als Liam später am Bett seines Sohnes sitzt, muss er in dieser durchdachten Inszenierung nicht lallen und torkeln, sondern wird wesentlich subtiler und charmanter als „nicht mehr nüchtern“ entlarvt. Solche liebevoll durchdachten Details sind das Sahnehäubchen auf diesem ohnehin schon appetitlichen Piloten.
Es ist schwer, den großartigen Witz von Moone Boy über ein Review zu transportieren. Das Gesamtkonzept ist so stimmig, dass man es fast für unmöglich hält, dass es die Serie bis jetzt noch nicht gegeben hat. Die aparten Begebenheiten basieren zu einem großen Teil auf den Kindheitserlebnissen von O'Dowd, der auch für die Drehbücher verantwortlich zeichnet. Dementsprechend wirken die Szenen, die in dem Heimatort des Schauspielers entstanden, nie konstruiert und versprühen - nicht zuletzt auch dank der entzückend authentischen Darsteller - einen intensiven irischen Charme. Angereichert mit Details wie der Untermalung des ersten Zusammentreffens von Liam und Gerry durch Panflötenmusik, kann der Serienpilot hundertprozentig überzeugen. Moone Boy liefert vor dem Hintergrund von unschuldiger Kindheitsnostalgie ganz große Unterhaltung. Es gibt einfach zu viele gelungene und herzerwärmende Szenen, um sie an dieser Stelle aufzuzählen.
Die Rezensentin entschuldigt sich deswegen hier für die Überdosis an Superlativen und verordnet „Moone Boy“ nicht nur Freunden von Irland als Kur gegen jeglichen Trübsinn.
Der Artikel Moone Boy: Review der Pilotepisode wurde von Thordes Herbst am Donnerstag, den 20. September 2012 um 19.00 Uhr erstmalig veröffentlicht.
| Darsteller | Rolle | |
|---|---|---|
| David Rawle | …………… | Martin Moone |
| Chris O'Dowd | …………… | Sean Murphy |
| Brendan Frayne | …………… | Jonner Bonner |
| Cillian Frayne | …………… | Conner Bonner |
| Sarah White | …………… | Sinead Moone |
| Aoife Duffin | …………… | Trisha Moone |
| Clare Monnelly | …………… | Fidelma Moone |
| Peter McDonald | …………… | Liam Moone |
| Deirdre O'Kane | …………… | Debra Moone |
| Ian O'Reilly | …………… | Padraic |
| Simon Delaney | …………… | Gerry Bonner |
| Stephen Gillic | …………… | Declan Mannion |
| Patrick McDonnell | …………… | Frank |
| John O'Dowd | …………… | Jim Mannion |
| Robert Donnelly | …………… | Trevor |
| Mark Huberman | …………… | Mike |
| Hinweis | |
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