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BBC Twos fünfteiliges Polizei-Drama glänzt neben seiner fabelhaften Besetzung durch eine packende Darstellung britischer Polizeiarbeit. Der Kampf gegen die Korruption in den eigenen Reihen ist ungewohnt realistisch inszeniert und trotzdem spannend.
Exklusive Episodenbeschreibung für Serienjunkies.de
Nicht erst seit „Spider Man“ ist klar, dass große Macht immer auch große Verantwortung mit sich bringt. Diese Weisheit greift besonders in den Momenten, in denen Entscheidungen getroffen werden müssen. Der Auftakt zu BBC Twos fünfteiliger Miniserie Line of Duty entspricht dem Super-GAU eines jeden Einsatzleiters:
Der vermeintlich bewaffnete Straftäter wird erschossen, doch er trägt nicht etwa einen Sprengsatz, sondern sein Baby auf dem Arm.
Ein dramatischer Einstieg mit reichlich Schuss ist für ein Copdrama beileibe nichts Ungewöhnliches. Doch gleich im Anschluss zeichnet sich ein gewichtiger Unterschied zum Standard ab: Line of Duty lässt die bürokratischen Komponenten der Polizeiarbeit nicht einfach unter den Autorentisch fallen. Dieser realistische Ansatz ist jedoch nicht gleichbedeutend mit Langatmigkeit. So wirkt es umso eindrucksvoller, wenn sich die inneren Widerstände auf dem Gesicht des verantwortlichen Polizisten widerspiegeln - während sich dieser am Einsatzort die entscheidende Unterschrift abringt. Die Signatur gehört zu Detective Sergeant (DS) Steve Arnott (Martin Compston, „Sweet Sixteen“), dem ranghöchsten Mitglied der Antiterroreinheit vor Ort.
Obwohl Arnott die Gelegenheit erhält, sich und seine Kollegen ungestraft aus der Affäre zu ziehen, überwiegt doch sein Rechtsbewusstsein. Er möchte sich den einfacheren Weg nicht dadurch erkaufen, das unschuldige Opfer auch noch post mortem für alles verantwortlich zu machen. Anstatt sich durch die Schuldzuweisungen („Wo waren Ihre Einwände, als Sie etwas hätten bewirken können?“) oder gar die Drohungen („Sie sind erledigt!“) seines Vorgesetzten zu einer Falschaussage bewegen zu lassen, lässt sich DS Arnott in die Antikorruptionsabteilung versetzen.
Der erste Protagonist ist also ein Mann mit Prinzipien. Martin Compston ist zwar wesentlich kleiner als beispielsweise der ehrfurchteinflößende Vorgesetzte seines Alter Egos. Trotzdem strahlt der Schauspieler eine gradlinige Präsenz aus, die dem ehemaligen Profifußballer die nötige Härte verleiht, um in seiner Rolle zu überzeugen.
Auch in der nächsten Sequenz muss wieder ein Baby herhalten. Dieses Mal dient es als Symbol des Unschuldigen dazu, den zweiten Charakter zu profilieren. Detective Chief Inspector (DCI) Tony Gates (Lennie James, „Snatch“, Hung, The Walking Dead) wirft sich beherzt in die Gefahr, um den Säugling zu retten. Dementsprechend erscheint die Ehrung als Officer of the Year, die der Leiter der Abteilung TO-20 (aka the big, sexy crime unit) daraufhin erhält, plausibel.
Abgegriffene Sprüche wie Gates Antwort auf den Hinweis, dass sich die Polizei auf dem Weg befindet (Er sagt ein toughes „Die ist schon hier!“, während er der hübschen Kellnerin seine Marke entgegenstreckt) sind glücklicherweise spärlich gesät. Als ihm die überwältigte Servicekraft daraufhin das Geld, mit dem er zuvor sein Essen bezahlt hatte, mit einem „Das geht aufs Haus“ zurückgibt, ist dies so originell wie bedeutungstragend.
Ausgerechnet auf den polizeilichen Musterknaben Gates wird Arnott nun von seinem neuen Vorgesetzten angesetzt. Der Leiter der polizeiinternen Antikorruptionseinheit AC-12, Superintendant Ted Hastings ( Adrian Dunbar), vermutet hinter Gates Erfolg unlautere Methoden: „Sein Team hat drei Jahre in Folge die beste Aufklärungsrate abgeliefert. Niemand ist so gut.“
Gerade als man Gates zum sympathischen Helden erklären möchte, manifestiert sich auch eine dunkle oder zumindest verwerfliche Seite: Es hat den Anschein, als sei die Beziehung des DCIs zu seiner Jugendliebe Jacqueline „Jacky“ Laverty (Gina McKee) noch nicht so vorbei, wie es - in Anbetracht seiner Ehefrau und der beiden kleinen Kinder - angebracht wäre. Dementsprechend zögert Gates auch nicht, um Jacky wider besseren Wissen aus der Klemme zu helfen. Als sich jedoch herausstellt, dass die vermeintliche Lappalie sehr viel schwerwiegender ist als angenommen, verwandelt sich Gates kleine Gefälligkeit plötzlich in ein Damoklesschwert, das seine gesamte Existenz bedroht.
Zur gleichen Zeit wird die ehrgeizige DC Kate Fleming (Vicky McClure, True Love) damit konfrontiert, dass wohlwollende Statistiken zuweilen wichtiger sind, als den Opfern Gerechtigkeit zu verschaffen („Wir gehen nur denjenigen Vergehen nach, die schnell zu einer Ergreifung des Täters führen können“).
Die Handlungsstränge sind geschickt miteinander verwoben, die Charaktere werden nur selten zu platt charakterisiert und nehmen schnell glaubhafte Gestalt an. Sämtliche Darsteller können in ihren Rollen überzeugen. Neben den großartigen Schauspielern, die bereits genannt wurden, gelingt es besonders Misfits' Craig Parkinson, seinem Charakter des zynisch-routinierten DS Matt Cottan Leben einzuhauchen.
Der polizeiliche Dienstalltag wird ungewohnt realistisch geschildert, ohne dabei zu langatmig zu wirken. Es gibt keine stereotypische Reduzierung des Geschehens auf actionlastiges Schwarz vs. Weiß. Stattdessen scheuen die kreativen Köpfe von Line of Duty, allen voran Produzent und Drehbuchautor Jed Mercurio, nicht davor zurück, zur Abwechslung mal der Authentizität den Vorzug zu geben. Die oberste Priorität des Polizeiapparates ist nicht die Wiederherstellung von Gerechtigkeit, sondern eine aufgehende Kosten-Nutzen-Rechnung. So wird beispielsweise offenbart, dass die britische Polizei nur zwei von drei der gemeldeten Anzeigen tatsächlich nachgeht. Die bürokratischen Hindernisse, die auch den realen Polizeialltag maßgeblich beeinflussen, sind zwar weniger spektakulär als eine Verfolgungsjagd. Doch in diesem neuen BBC Two-Drama geht das Konzept dennoch auf.
Die Pilotepisode hat ein paar Längen aufzuweisen, die aber nötig sind, um die verschiedenen Figuren adäquat einzuführen. Spätestens in Anbetracht des phänomenalen Twists, mit dem Line of Duty zudem aufwarten kann, erringt die Spannung einen eindrucksvollen Siegeszug.
Als Sahnehäubchen gibt es erquickliche Zitate à la „If you take a shot at the king, make sure you kill him, son.“ So ist der Grundstein für weitere spannende Handlungsnuancen gelegt. Gesamturteil: sehr gut.
Trailer zu „Line of Duty“:
Der Artikel Line of Duty: Review der Pilotepisode wurde von Thordes Herbst am Mittwoch, den 27. Juni 2012 um 18.00 Uhr erstmalig veröffentlicht.
| Darsteller | Rolle | |
|---|---|---|
| Martin Compston | …………… | Arnott |
| Darren Morfitt | …………… | Sergeant Colin Brackley |
| Owen Teale | …………… | Chief Inspector Osborne |
| Elizabeth Hill | …………… | Aaliyah Ali's Solicitor |
| Neal Foster | …………… | Coroner |
| Adrian Dunbar | …………… | Hastings |
| Lennie James | …………… | Gates |
| Gina McKee | …………… | Jackie |
| Elisa Lasowski | …………… | Nadzia Wojcik |
| Martin Buchan | …………… | Chief Constable |
| Neil Morrissey | …………… | Morton |
| Craig Parkinson | …………… | Cottan |
| Faraz Ayub | …………… | DC Deepak Kapoor |
| Paul Higgins | …………… | Hilton |
| Jordyn-Eve Davis Greene | …………… | Natalie Tate |
| Saffron Davies | …………… | Chloe Tate |
| Kate Ashfield | …………… | Jools Gates |
| Vicky McClure | …………… | Fleming |
| Fiona Boylan | …………… | WPC Karen Larkin |
| Brian Miller | …………… | Alf Butterfield |
| Louise Mardenborough | …………… | Traffic WPC |
| Laurence Saunders | …………… | Traffic Officer |
| Claire Keelan | …………… | DS Leah Janson |
| Alison Lintott | …………… | Rita Bennett |
| Heather Craney | …………… | DCI Alice Prior |
| Dylan Duffus | …………… | Wesley Duke |
| Simon Hill | …………… | Journalist |
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