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Syndication

Was bedeutet eigentlich Syndication?

Unter syndication versteht man den Verkauf der Wiederholungsrechte - zumeist von bekannten Serien - an die Lokalstationen (und mittlerweile auch Kabelsender) in den USA. Als Grenze zum Verkauf dieser Rechte gilt in der Regel die 100. Episode einer (Network-)Serie.

Das Besondere am Fernsehsystem der USA

Das Fernsehsystem der Vereinigten Staaten unterscheidet sich in einigen Punkten grundlegend von dem anderer Länder. In Deutschland strahlen die Sender ihr Programm beispielsweise in aller Regel landesweit aus. Hier und dort gab es früher mal Regionalfenster. Die meiste Zeit aber läuft, wenn man in Hamburg oder München, in Berlin oder Köln den Fernseher einschaltet, auf dem Ersten, auf ZDF, RTL oder ProSieben das exakt gleiche Programm.

In den USA ist der terrestrische Rundfunk seit der Frühzeit des Radios jedoch ganz anders aufgebaut: Die „Grundeinheit“ des amerikanischen Broadcasting sind nicht die landesweiten Sender, die Networks, sondern die lokalen Radio- und Fernsehstationen, die in einer bestimmten Stadt oder Region ihr Programm ausstrahlen.

Einige dieser Stationen gehören einem der großen Networks, zum Beispiel CBS, als sogenannte „Owned-and-Operated-Stations (O&Os)“ an. Die meisten Stationen werden jedoch von unabhängigen Unternehmen betrieben - und schließen sich nur mittels zeitlich befristeter Verträge als Affiliates einem Network an. Genau deshalb heißen die Networks schließlich Networks - weil sie Netzwerke lokaler TV-Stationen über die gesamten Vereinigten Staaten hinweg bilden.

Die Networks produzieren jedoch (unter anderem aufgrund gesetzlicher Beschränkungen) nicht für den gesamten Tagesverlauf, sondern nur für einige ausgewählte Stunden des Tages und des Abends ein Gemeinschaftsprogramm. Den Rest der Zeit müssen die Stationen mit Programm füllen, welches sie entweder selbst herstellen oder anderweitig erwerben. Und an diesem Punkt wird die syndication relevant.

Warum ist eine Syndication sinnvoll?

Eigenproduktionen sind teuer - und rentieren sich für kleine regionale Fernsehstationen in aller Regel nicht. Ihre finanziellen Mittel reichen dafür aus, um selbst Lokalnachrichten und vielleicht noch das eine oder andere Magazin herzustellen. Aufwändigere Produktionen, wie etwa fiktionale Fernsehserien, kann sich eine einzelne Station allein dagegen nicht leisten.

Genau deshalb hat sich in den USA die syndication als Vertriebsmodell etabliert. Dabei können die Stationen für ihren jeweiligen TV-Markt bei einem Distributor, dem sogenannten „Syndicator“, einen Medieninhalt einkaufen, der für sie erschwinglich ist, weil sie die Lizenz ja nur für ihre eigene Region erwerben. Gemeinsam mit den Stationen aus den anderen Regionen, welche den Inhalt ebenfalls erworben haben, bilden sie eine Art (Ad-hoc-) Einkaufs-Syndikat. Daher der Name syndication (im Deutschen: Syndizierung).

Der amerikanische Verleger William Randolph Hearst gilt als erster „Syndicator“ der jüngeren Mediengeschichte. 1895 produzierte sein Verlagshaus einen Comicstrip, den kleinere regionale Tageszeitungen, die sich keinen eigenen Comicstrip hätten leisten können, von ihm lizenzieren lassen konnten. Damit war das Prinzip der syndication geboren, welches über den Zeitungs- und Zeitschriftenmarkt erst im Radio und dann schließlich im US-Fernsehen zur Anwendung kam.

Welche Arten der Syndication gibt es?

Im US-Fernsehen unterscheidet man zwei Hauptarten der syndication: die „First-Run“- und die „Off-Network-Syndication“.

Als „First-Run-Syndication“ bezeichnet man den Vertrieb von eigens für die Ausstrahlung auf den Lokalstationen angefertigten Produktionen. Dazu gehören vor allem Talkshows (zum Beispiel „The Ellen DeGeneres Show“), die in den USA schon länger sehr beliebten Gerichtsshows (zum Beispiel „Judge Judy“, das US-Gegenstück zu Barbara Salesch) und Gameshows (zum Beispiel „Jeopardy“), aber auch Kindersendungen (allen voran die legendäre „Muppet Show“).

In den 80er und 90er Jahren wurden auch zahlreiche fiktionale Fernsehserien in „First-Run-Syndication“ vertrieben. Durch rechtlich günstge Rahmenbedingungen hatte sich seit den 70er Jahren die Zahl der unabhängigen Stationen vervielfacht, welche weder als O&Os noch als Affiliates zu einem Network gehörten - und die deshalb einen besonders großen Hunger auf attraktive Programme für ihre Primetime hatten, um den Network-Affiliates in ihrer Region etwas entgegensetzen zu können.

Das US-Studio Paramount erkannte als erstes das Potential, das in diesem Markt steckte - und bot mit Star Trek: The Next Generation die erste hochwertig produzierte Dramaserie für die „First-Run-Syndication“ an. Riskant war dieser Vertriebsweg vor allem deshalb, weil man sich als „Syndicator“ vorab niemals sicher sein kann, ob eine Serie von hinreichend vielen Lokalstationen gekauft wird, um die Produktionskosten wieder einspielen zu können. Der Name Star Trek führte im Falle von TNG allerdings zu einem ausreichend hohen Initialinteresse, um schon sehr bald eine nahezu geschlossene landesweite Abdeckung von Lizenznehmern herzustellen.

Die Serie wurde ein sensationeller Zuschauererfolg - und führte dazu, dass gerade im SciFi- und Fantasy-Genre zahlreiche weitere Serien in „First-Run-Syndication“ vertrieben wurden (unter anderem „Gene Roddenberry's Andromeda“, Highlander, Hercules: The Legendary Journeys und Xena: Warrior Princess). Auch manche Serien, die auf den Networks zunächst gescheitert waren (allen voran Baywatch), wurden für die „First-Run-Syndication“ weiterproduziert.

Mitte der 90er Jahre wurde die Mehrzahl der unabhängigen Stationen durch die Gründung der neuen Networks The WB und UPN (heute: The CW) aufgesogen. Infolgedessen wurden immer weniger Serien für die „First-Run-Syndication“ produziert. Heute ist diese Art der syndication im Serienbereich praktisch bedeutungslos.

Wenn aktuell im Zusammenhang mit Fernsehserien von syndication gesprochen wird, dann meint man in der Regel die „Off-Network-Syndication“: In diesem Fall kaufen die Lokalstationen die Wiederholungsrechte von Serien, die ursprünglich von einem Network in Auftrag gegeben und ausgestrahlt worden sind.

In diesem Sinne wird syndication heute häufig generell mit dem Verkauf von Wiederholungsrechten gleichgesetzt (so ist beispielsweise auch von einer cable syndication die Rede, wenn die Wiederholungsrechte von Network-Serien an Kabelsender verkauft werden - und das, obwohl die US-Kabelsender landesweit senden und es sich dem ursprünglichen Wortsinne nach damit nicht um eine syndication, also eine Syndikatbildung von verschiedenen Stationen, handelt).

Die Lokalstationen zeigen die Serienwiederholungen meistens gestrippt: Die Episoden laufen dabei immer werktags zu einer festen Uhrzeit, häufig im Nachmittags- oder Vorabendprogramm. Bisweilen verkaufen die Studios auch separate Lizenzen für eine Marathonprogrammierung am Wochenende. Da die Serien auf diese Weise - mit mindestens fünf Episoden in der Woche - einen enorm hohen Durchsatz haben und die Lokalstationen nicht schon nach ein oder zwei Monaten die gleichen Folgen erneut zeigen wollen, hat sich einen Schwellenwert von 100 Episoden (oder alternativ mindestens vier Staffeln) herausgebildet, den eine Serie erreichen muss, bevor sie erfolgreich in die „Off-Network-Syndication“ verkauft werden kann.

Welche Serien kommen am häufigsten in die Syndication und wie wird Gewinn erzielt?

Als Erfahrungswert zeigt sich, dass sich Sitcoms in der „Off-Network-Syndication“ sehr gut wiederholen lassen. Serien wie Seinfeld, Friends oder Two And A Half Men sind regelrechte Dauerbrenner in den Wiederholungen. Auch Krimiserien mit abgeschlossener Folgenhandlung wie Without A Trace waren in der Vergangenheit als Wiederholung immer sehr beliebt. Serien mit fortlaufenden Handlungssträngen tun sich dagegen in dem werktäglich gestrippten Ausstrahlungs-Format eher schwer - und lassen sich deshalb nicht so gut in die „Off-Network-Syndication“ verkaufen. Dafür sind diese Serien (beispielsweise Lost) auf den immer populärer werdenden Online-Videoportalen wie Hulu und Netflix sehr gefragt.

Für die Serienproduzenten ist der Verkauf in die „Off-Network-Syndication“ von großer ökonomischer Bedeutung. Da die Lizenzgebühren, welche die Networks ihnen für die Erstausstrahlung bezahlen, in der Regel nicht die gesamten Produktionskosten decken, sind sie gezwungen, bei der Finanzierung einer Serie mit einem bestimmten Prozentsatz in Vorleistung zu treten (Defizitfinanzierung), den sie sich einerseits durch die Auslandsverkäufe, andererseits durch den Verkauf der Wiederholungsrechte an die Lokalstationen im Inland, also die „Off-Network-Syndication“, zurückzuholen versuchen.

Einen Gewinn machen die Produktionsfirmen meistens also erst dann, wenn es ihnen gelingt, von einer Serie so viele Folgen herzustellen, dass sie sie erfolgreich in die syndication verkaufen können. Deshalb sind die Studios häufig auch zu beträchtlichen Konzessionen gegenüber den Networks bereit, wenn eine Serie in der dritten oder vierten Staffel von den Einschaltquoten her auf der Kippe steht: Häufig senken die Produzenten dann noch einmal die Lizenzgebühren, welche das Network zahlt, so lange nur die Serie verlängert wird - und genügend Folgen für die syndication zusammenkommen.

Syndication aka Syndizierung
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