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Game of Thrones - Das Lied von Eis und Feuer 4x10

Game of Thrones - Das Lied von Eis und Feuer 4x10

Nach der verlustreichen Schlacht um Castle Black wandert Jon Snow (Kit Harington) gen Norden, um mit dem Anführer der Wildlings zu verhandeln. Mance Rayder (Ciaran Hinds), der selbsternannte König hinter der Mauer, hält allerdings relativ wenig von einem Friedensabkommen mit den Männern der Night's Watch. Noch weiter nördlich kämpft der Trupp rund um Bran Stark (Isaac Hempstead Wright) gegen die widrigen Wetterbedingungen. Doch endlich scheint ein Ziel in greifbarer Nähe.

In King's Landing wartet Tyrion Lannister (Peter Dinklage) in einer Kerkerzelle auf seine Hinrichtung, während seine Schwester Cersei (Lena Headey) die Frage nach den Motiven des Familienoberhaupts Tywin Lannister (Charles Dance) stellt. In Meereen sieht sich unterdessen Daenerys Targaryen (Emilia Clarke) ebenfalls einer harten Realität gegenübergestellt.

Das Staffelfinale von Game of Thrones mit dem Titel The Children ist in vieler Hinsicht eine Neuausrichtung - nicht nur für zahlreiche Hauptfiguren innerhalb der Geschichte, sondern möglicherweise auch für die komplette Serie. Natürlich hat „Game of Thrones“ mit seinen Drachen, Direwolfes und Schattenbabys von Beginn an explizite Fantasyelemente besessen, aber in kaum einer Episode traten diese so stark in den Vordergrund wie zum Abschluss der vierten Staffel.

Frauenpower

Dabei ist durchaus vorstellbar, dass diese Entwicklung beim Publikum auf geteilte Reaktionen trifft. Mit Drachen, die in Ketten gelegt werden, die Erinnerung an gefallene Königs-Riesen, Skelett-Kämpfern à la Ray Harryhausen und mysteriösen Waldkindern, die magische Handgranaten auf ihre Feinde schleudern, werden die ersten 45 Minute der leicht verlängerten Episode dominiert von jenen Elementen, die doch meist nur den Hintergrund der Geschichte ausmachten, während im Vordergrund politische Intrigen und die Untiefen des menschlichen Wesens ausgebreitet wurden.

Erst mit dem Zweikampf zwischen Brienne (Gwendoline Christie) und The Hound stellt sich im letzten Drittel von The Children doch wieder ein eher „klassisches“ Game-of-Thrones-Gefühl ein. Während Regisseur Alex Graves die Situation anfangs vor atemberaubender Kulisse in bester Highlander-Manier inszeniert, entwickelt sich die Auseinandersetzung vom klassischen Schwertkampf zu einer brutalen Schlägerei auf Leben und Tod - inklusive abgebissenen Ohren und zertrümmerten Gesichtern. Der folgende Abschied zwischen Arya und The Hound ist dabei einer der beiden emotionalen Höhepunkte der Episode, auch wenn er zwei Figuren betrifft, die nicht direkt in die größeren Entwicklungen im Norden und in der Hauptstadt involviert sind.

Pünktlich zum amerikanischen Vatertag lässt sich der übelgelaunte Sandor Clegane zuvor tatsächlich entlocken, dass er so etwas wie väterliche Gefühle für seine junge Begleiterin entwickelt hat und sich als deren Beschützer sieht. Umso tragischer erscheint die anschließende Sequenz, in der es dem sterbenden Kämpfer nicht einmal durch pure Provokation gelingt, Arya davon zu überzeugen, ihm jene Gnade zukommen zu lassen, die er selbst dem sterbenden Farmer einige Episoden zuvor zuteilwerden lies. Gerade schauspielerisch ist dieser Moment ein würdiger Abschied vom großartigen Rory McCann, während Maisie Williams mit ihren vielsagenden Blicken wieder einmal unter Beweis stellt, dass sie perfekt in die Rolle der jungen Einzelkämpferin Arya Stark hineingewachsen ist.

Alles Gute zum Vatertag!

In King's Landing spielt sich unterdessen eine tatsächliche Familiengeschichte ab, die ebenfalls mit einer tödlichen Konfrontation zwischen Jung und Alt endet. Tywins Tod durch die Hand seines Sohnes Tyrion vollendet vorerst die Gewaltspirale innerhalb der Familie Lannister, die zu Beginn der Staffel alle Macht in ihren Händen zu halten schien und nun um einen sadistischen König und dessen sturen Großvater ärmer ist. Noch in seinen letzten Sekunden wähnt sich der Patriarch und ewige Pragmatiker Tywin seinem Sohn gegenüber in einer erhabenen Stellung. Diese nimmt er aber in diesem Moment - auf dem Klo sitzend - weder wörtlich noch sinnbildlich ein, und so dürfte es nicht nur für Tyrion (Peter Dinklage), sondern auch für die Zuschauer eine Genugtuung gewesen sein, als die Armbrustpfeile schließlich das kalte Herz des Familienoberhauptes durchbohrten. Zuvor machte er Tyrion in einer erschreckenden Sequenz indirekt sogar noch zum Mörder an seiner großen Liebe.

Dem sonst so perfekt taktierende Tywin Lannister wurde schließlich die Macht der Gefühle zum Verhängnis, die er selbst stets zu unterdrücken vermochte. Dabei ist es noch vor den tödlichen Bolzen beinahe schmerzhafter mitanzusehen, wie sich Tywin im Gespräch mit Cersei (Lena Headey) nahezu krankhaft weigert, die Wahrheit über seine sich langsam selbst zerfressende Familie zu akzeptieren. Ebenso wie Rory McCann bekommt somit auch Charles Dance in The Children einen würdigen Abschied gewährt, und die Zuschauer dürfen sich zur Abwechslung auch einmal über den schmerzhaften Untergang eines mehr oder weniger klassischen Bösewichts freuen. Offen bleibt unterdessen nicht nur das Schicksal Tyrions, der gemeinsam mit Retter Varys eine wohl größere Seereise antritt, sondern auch, was die scheinbare Wiedervereinigung von Cersei und Jaime (Nikolaj Coster-Waldau) mit sich bringt. Das werden wir wohl erst in der kommenden Staffel erfahren.

Rettung in letzter Minute

Während im Süden und Osten also typische Game-of-Thrones-Motive wie Verrat, Intrigen und Hass das Geschehen des diesjährigen Finales dominieren, scheint die Geschichte im Norden plötzlich deutlich über solch rein menschliche Auseinandersetzungen hinauszugehen. Der Angriff der Skelett-Armee auf Bran (Isaac Hempstead Wright) und seine Kumpanen ist für TV-Verhältnisse beeindruckend in Szene gesetzt und beschert der Geschichte rund um die Suche nach dem dreiäugigen Raben endlich ein dringend notwendiges Momentum. Der wenig emotionale Tod von Jojen Reed (Thomas Brodie-Sangster) macht aber auch schmerzhaft deutlich, wie schwach die Verbindung zwischen den Zuschauern und den Figuren in diesem Handlungsstrang geblieben ist. Brans Mission war nie mehr als eine völlig unklare Reise von A nach B. Und leider bleibt auch das Aufeinandertreffen von ihm und den Kindern des Waldes letztendlich unbefriedigend. Kaum hat Jojen das Zeitliche gesegnet, macht mit dem seltsamen Baummenschen die nächste Figur vage Aussagen um das Schicksal von Brandon Stark. Hier hilft wohl abermals nur Warten.

An der Mauer nimmt die Geschichte den Faden direkt nach den Geschehnissen in The Watchers on the Wall wieder auf. Das Aufeinandertreffen von Jon (Kit Harington) und Mance Rayder ist wunderbar schnörkellos geschrieben und führt mit den Geschichten rund um gefallene Riesen, Riesenbezwinger und eine große Liebe die Schlacht um Castle Black und deren Auswirkungen auf die Hauptfigur Jon Snow thematisch zu einem guten Abschluss. Insbesondere das Gespräch zwischen Jon und Tormund sowie der darauf folgende Abschied des Mannes in Schwarz von Ygritte helfen der Geschichte rückwirkend, den nötigen Eindruck zu hinterlassen. Auch bei Jon Snow deutet alles auf eine ungewisse Zukunft hin, in der auch er - wie seine Schwester Arya - einen eigenen Weg finden muss.

Ob andererseits die Rettung des Nordens durch Stannis Baratheon (Stephen Dillane) durch die Platzierung am Beginn dieser Folge (anstatt am Ende) von The Watchers on the Wall den nötigen Eindruck beim Zuschauer hinterlässt, darüber dürfte in den kommenden Tagen unter Fans noch heftig gestritten werden. Unbestritten ist dagegen die packende Inszenierung, der Söldnerarmee, die dank ihrer Geschlossenheit schnell Kleinholz aus den umherirrenden Wildlings zu machen droht.

Eine Platzierung dieses Angriffs am Ende der vorherigen Episode hätte allerdings das Finale um den Auszug von Jon Snow verhindern können. Andererseits muss man dankbar sein, über jede Minute, die der großartige Ciaran Hinds nach langer Abwesenheit endlich wieder auftreten darf. Dabei ist es beeindruckend, wie es ihm in nur wenigen Minuten Spielzeit gelingt, die Motive von Mances Angriff und dessen Überzeugungen auf emotionale Art für den Zuschauer zu transportieren, so dass es sich tatsächlich nachvollziehen lässt, wie Mance der König hinter der Mauer werden konnte, der eigentlich nur eine Rettungsaktion für die eigenen Leute und weniger einen Angriff auf den Süden durchführt.

Fazit

The Children führt HBOs Game of Thrones auf verschiedenen Ebenen in neue Richtung und kann dabei als Staffelfinale zu einem großen Teil überzeugen. Emotionale Höhepunkte rund um Arya und Tyrion funktionieren auf Grund der entsprechenden Vorbereitung innerhalb der aktuellen und der vorhergehenden Staffeln makellos und beinhalten eben jene Wucht, die Millionen Zuschauer an dieser Serie schätzen. Andere Momente, wie die bisher noch unerwähnt gebliebene Ankettung der Drachen durch Daenerys (Emilia Clarke) oder auch die Rettung des Nordens durch Stannis, fügen sich zwar thematisch nahtlos in die aktuelle Episode ein, können jedoch ohne den entsprechenden Unterbau innerhalb der aktuellen Staffel nicht auf gleicher Ebene beeindrucken.

Natürlich bewegt sich Game of Thrones inszenatorisch, schauspielerisch und auch erzählerisch immer noch auf einem extrem hohen Niveau. Und gerade Fantasyfans werden sich freuen, ihr Lieblingsgenre endlich auch im Fernsehen technisch mehr als beeindruckend umgesetzt zu sehen. Je weiter die Geschichte fortschreitet, desto stärker sehen sich allerdings die beiden Showrunner David Benioff und D.B. Weiss, ähnlich wie George R. R. Martin selbst, mit der Aufgabe konfrontiert, verschiedene Handlungsstränge mit einem unterschiedlichen Erzähltempo parallel auf eine möglichst gleichförmige und für den Zuschauer befriedigende Art weiterzuerzählen. Dabei darf man gespannt sein, ob die Serie ihren „menschlichen“ Wurzeln treu bleibt oder in Zukunft vielleicht doch einen stärkeren Fokus auf ihre Fantasyelemente legt. Vielleicht war Game of Thrones aber auch immer schon mehr Blockbuster als existenzialistisches Arthouse-Kino im Fantasy-Gewand.

Schauspieler in der Episode Game of Thrones - Das Lied von Eis und Feuer 4x10

Darsteller   Rolle
Peter Dinklage …………… Tyrion Lannister
Nikolaj Coster-Waldau …………… Jaime Lannister
Lena Headey …………… Cersei Lannister
Emilia Clarke …………… Daenerys Targaryen
Kit Harington …………… Jon Snow
Isaac Hempstead-Wright …………… Bran Stark
Maisie Williams …………… Arya Stark
Rory McCann …………… Sandor 'The Hound' Clegane
Charles Dance …………… Tywin Lannister
Liam Cunningham …………… Davos Seaworth
Stephen Dillane …………… Stannis Baratheon
Carice van Houten …………… Melisandre (as Carice Van Houten)
John Bradley …………… Samwell Tarly
Rose Leslie …………… Ygritte
Kristofer Hivju …………… Tormund Giantsbane
Gwendoline Christie …………… Brienne of Tarth
Conleth Hill …………… Lord Varys
Sibel Kekilli …………… Shae
Ciarán Hinds …………… Mance Rayder
Peter Vaughan …………… Maester Aemon
Julian Glover …………… Grand Maester Pycelle
Anton Lesser …………… Qyburn
Ian McElhinney …………… Barristan Selmy
Struan Rodger …………… Three-Eyed Raven
Thomas Brodie-Sangster …………… Jojen Reed (as Thomas Brodie Sangster)
Ellie Kendrick …………… Meera Reed
Kristian Nairn …………… Hodor
Tara Fitzgerald …………… Selyse Baratheon
Dominic Carter …………… Janos Slynt
Jacob Anderson …………… Grey Worm
Nathalie Emmanuel …………… Missandei
Mark Stanley …………… Grenn
Ben Crompton …………… Eddison Tollett
Josef Altin …………… Pypar
Daniel Portman …………… Podrick Payne
Trevor Allan Davies …………… Fennesz
Brenock O'Connor …………… Olly
Kerry Ingram …………… Shireen Baratheon
Octavia Selena Alexandru …………… Leaf
Hafþór Júlíus Björnsson …………… Gregor 'The Mountain' Clegane
Darren Kent …………… Goatherd
Gary Oliver …………… Ternesio Terys
Ian Whyte …………… Dongo the Giant
Alice Hewkin …………… Wight
James Bleakney …………… Baratheon Soldier
Mark Quigley …………… Baratheon Soldier
Michael Stuart …………… Night's Watch Officer

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