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Fargo 2x09

Fargo 2x09

Episode Staffel 2, Episode 9
(Fargo 2x09)
Deutscher Titel der Episode Das Schloss
Titel der Episode im Original The Castle
Erstausstrahlung der Episode in den USA Montag, 7. Dezember 2015 (FX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland Mittwoch, 9. Dezember 2015
Autoren Noah Hawley, Steve Blackman
Regisseur Adam Arkin

Peggy (Kirsten Dunts) und Ed (Jesse Plemons) wollen ihren Plan im Motor Motel weiterhin durchziehen, während Lou (Patrick Wilson) es mit Eigenarten des amerikanischen Rechtssystems zu tun bekommt. Wegen des Kompetenzgerangels mit anderen Strafverfolgungsbehörden muss er klein beigeben und der Katastrophe beim Entstehen zuschauen.

Hanzee (Zahn McClarnon) füttert derweil Floyd (Jean Smart) und Bear Gerhardt (Angus Sampson) mit falschen Informationen, weshalb auch sie sich auf den Weg nach Sioux Falls machen.

All jene Leser, die mit überschwänglichen Lobpreisungen nichts anfangen können, rate ich gleich zu Beginn dieser Review, nicht weiterzulesen. Das hier wird nämlich ein einziges Liebesfest die vielleicht beste Episode einer Fernsehserie, die ich in diesem Jahr gesehen habe. In was für einer wunderbaren Fernsehzeit leben wir eigentlich gerade? Nur einen Tag nach dem grandiosen Finale der zweiten Staffel von The Leftovers servieren uns Noah Hawley und Konsorten den bisherigen Höhepunkt der ebenso grandiosen zweiten Staffel von Fargo.

Officially out of control

Das „Massacre at Sioux Falls“ ist alles, was ich mir in meinen kühnsten Träumen vorgestellt habe - und noch mehr. Darin kommt es zur grausamen Klimax, von der Lou Solverson in Gestalt von Keith Carradine auch 35 Jahre später noch schlecht träumt. Den Grundstein für die Zusammenkunft sämtlicher Kriegsparteien im Motor Motel wird indes - wie schon in der ersten Staffel - von wichtigtuerischen Polizisten gelegt, die unseren Helden einfach nicht glauben wollen und mit einem Maulkorb strafen: „Take a seat on the bench, Junior.“ Es ist ein winziger Wermutstropfen in einem Meer aus klug durchdachten, wunderbar aufgesponnenen dramaturgischen Entscheidungen.

Zwei Dinge müssen passieren, damit nicht nur das Kartell aus Kansas City und die Gerhardts in Sioux Falls aufeinandertreffen, sondern auch sämtliche regionalen Strafverfolgungsbehörden sowie das Ehepaar Blomquist. Ed (Jesse Plemons) und die zu neuem Leben erwachte Peggy (erneut herausragend: Kirsten Dunst) werden vom Polizeichef aus South Dakota dazu überredet, Mike Milligan (Bokeem Woodbine) am vereinbarten Treffpunkt mittels Abhörgerät zu überführen. Wobei sich der umsichtige Lou (Patrick Wilson) zunächst aufs Abstellgleis verfrachtet sieht.

Überdies entschließt sich Hanzee (Zahn McClarnon) dazu, es nicht beim Verrat an Dodd zu belassen, sondern sich auch noch des Schicksals des übrigen Gerhardt-Klans anzunehmen. Hierzu behauptet er gegenüber Floyd (Jean Smart), ihr ältester Sohn sei noch am Leben, woraufhin sie gegen den Ratschlag von Bear (Angus Sampson) darauf besteht, mit nach Sioux Falls zu kommen und Dodd zu befreien. Sie hat hierfür eine stichhaltige Begründung: „Three times I sent men to do a job, three times they came back unfinished.“ Auch ihr mütterlicher Instinkt treibt sie in die Gefahrenzone: „I miss them all.

Auch wegen des Kompetenzgerangels der Strafverfolgungsbehörden... © FX
Auch wegen des Kompetenzgerangels der Strafverfolgungsbehörden... © FX

Bear verspricht ihr daraufhin etwas, von dem er wohl selbst weiß, dass er es kaum halten kann: „We'll be together again.“ Ein Aufwachsen in diesem „goldenen Zeitalter des Fernsehens“ hat uns gelehrt, dass jede Figur, die es wagt, ein solch hoffnungsvolles Versprechen zu machen, umgehend sterben wird - und Bear ist da keine Ausnahme. Bevor die kleine Gerhardt-Armee am Motel ankommt, befinden sich die dort Verschanzten in unterschiedlichen Stimmungslagen. Während der großmäulige, von der Aussicht auf einen Orden völlig verblendete Polizeichef den fatalen Befehl gibt, das Funkgerät abzuschalten, vergnügen sich seine Untergebenen bei einer Partie Poker, die sie mit einer ebenso befremdlichen wie zum Schreien komischen Unterhaltung darüber ausstaffieren, wo sie - außer in die Toilette - gerne hinpissen: „It's liberating.

We're realized

Nur Peggy ahnt Böses und plant schon die nächsten Schritte. Seit ihrer Vision zu Beginn der letzten Episode hat sie eine bemerkenswerte Entwicklung durchgemacht. Sie ist immer noch die Peggy, die hoffnungslos naiv vorgeht, hat nun aber ein besseres Feingefühl dafür, was wann funktionieren könnte. Ihr und Ed wird lediglich Ben Schmidt (Keir O'Donnell) als Wachmann zugeteilt, was Peggy sogleich dazu veranlasst, einen Fluchtplan auszuhecken. Weil Ed dafür aber zu behäbig ist und sich Ben als kleinerer Volltrottel herausstellt als ursprünglich angenommen, muss sie tatenlos im Motelzimmer verharren, bis das große Feuerwerk gezündet wird.

Und Grundgütiger, wird hier ein Spektakel abgefeuert! Ohne Rücksichtnahme auf unschuldige Umstehende stürmen Bear und seine Krieger das Motel, woraufhin es zur wilden Schießerei kommt. Erst spät bemerken die Angreifer, dass sich hier keine Gangster, sondern Polizisten verschanzt haben. Floyd hört das und weiß sogleich, dass sie von Hanzee betrogen wurde. Jean Smart bleibt nur noch ein vielsagender, wunderbar gespielter Blick, dann wird ihre Figur auf schmerzhafte Weise vom verkannten Kriegshelden ermordet. Am Tatort ist mittlerweile auch Lou angekommen, der zwar auf Bear schießt, ihn aber dadurch nicht aufhalten kann.

Das besorgt im letzten Moment eine offensichtlich außerirdische Entität, mit deren Ankunft ich in dieser Situation niemals gerechnet hätte. Man könnte das Raumschiff, von dessen gleißendem Licht Bear so sehr abgelenkt wird, dass er vergisst, Lou zu töten, nun als bequemen deus ex machina abkanzeln. Doch Hawley und sein Team haben dieses Element zuvor ausreichend oft ausgesät, um nun seinen dramaturgischen Mehrwert ernten zu können. Derweil würde es mich nicht wundern, hörten wir in der abschließenden Episode dieser Staffel gar nichts mehr darüber, und es bliebe eine Banalität, die Peggy Blomquist den folgenden unvergesslichen Satz entlockt: „It's just a flyin' saucer, Ed.

...überlebt Floyd Gerhardt (Jean Smart) diese Episode nicht. © FX
...überlebt Floyd Gerhardt (Jean Smart) diese Episode nicht. © FX

Dank ihrer Geistesgegenwart gelingt dem Ehepaar abermals die Flucht, wobei sich Hanzee erneut an ihre Fersen heftet. Seine Motivation für diese Jagd wird vom Erzähler - zu ihm gleich mehr - erhellt: „He had shown his true self to them in a moment of vulnerability.“ Gemeint ist damit die Szene aus Loplop, als sich Hanzee vertrauensvoll in Peggys Friseurinnenhände legte, nur um von ihr hintergangen zu werden. Inmitten all der hochspannenden Aufregung ist es ein stiller, trauriger Moment, der von zwei Szenen wunderbaren comic reliefs abgelöst wird.

What the?

Zum einen kommen Mike Milligan und der noch lebende Kitchen-Bruder viel zu spät am Ort des Massakers an und können nur noch den verblüfften Rückzug antreten. Zum anderen ist Lou schon wieder zum Witzeln zumute, nachdem er seinem schwerverletzten Schwiegervater Hank (Ted Danson) einen Krankenwagen gerufen hat: „Dinner Sunday?“ Lou ahnt da noch gar nicht, was bei ihm zu Hause los ist - ein Vorgang nämlich, der inmitten all des spektakulären Ballyhoos leicht in Vergessenheit gerät. Wir wissen ja bereits, dass die kleine Molly (Raven Stewart) bald ohne ihre Mutter Betsy (Cristin Milioti) aufwachsen wird. Die wichtige Frage ist nun aber, ob es Lou rechtzeitig nach Hause schaffen wird, um seiner geliebten Ehefrau Lebewohl zu sagen. Meine Herz würde jedenfalls brechen, würde Hawley uns diesen Abschied verwehren.

Zuzutrauen wäre es ihm, denn The Castle zeigt einmal mehr, wie wenig er sich um erzählerische Konventionen schert. Anders ist es kaum zu erklären, dass er und Co-Autor Steve Blackman in der vorletzten Episode einer Staffel einen auktorialen Erzähler einführen, der - wenn mich nicht alles täuscht - von Martin Freeman gesprochen wird. In diesem narrativen Stunt spiegelt sich wider, wie sicher die Autoren mit der Tonalität des eigenen Materials umgehen. Sie haben in dieser zweiten Staffel eine nahezu perfekte Balance zwischen Comedy und Drama gefunden, wissen das, und fräsen mit dem entsprechenden Selbstbewusstsein durch die eigene Geschichte.

Soviel Chuzpe gebührt höchste Anerkennung - vor allem auch, weil man sich nicht auf den Lorbeeren der ersten Staffel ausruhen, sondern die Grenzen des dramaturgisch Machbaren immer weiter ausloten will. Fargo platzt derzeit beinahe vor Ideen, vor Energie, vor grandiosen Darstellungen, hinreißender visueller Umsetzung, witzigen Dialogen, einem tollen Score. Die Serie hat alles, was man sich von dramatischem Fernsehen nur wünschen kann. Mag das Leben da draußen auch noch so kompliziert sein - für diese Stunde jede Woche ist es einfach nur fabelhaft.

Schauspieler in der Episode Fargo 2x09

Darsteller   Rolle
Kirsten Dunst …………… Peggy Blumquist
Patrick Wilson …………… Lou Solverson
Jesse Plemons …………… Ed Blumquist
Jean Smart …………… Floyd Gerhardt
Ted Danson …………… Hank Larsson
Cristin Milioti …………… Betsy Solverson
Bokeem Woodbine …………… Mike Milligan
Keir O'Donnell …………… Ben Schmidt
Terry Kinney …………… Chief Gibson
Wayne Duvall …………… Captain Jeb Cheney
Ryan O'Nan …………… Ricky G
Zahn McClarnon …………… Hanzee Dent
Angus Sampson …………… Bear Gerhardt
Martin Freeman …………… Narrator (voice)
Brad Mann …………… Gale Kitchen
Raven Stewart …………… Molly Solverson
Bob Bainborough …………… Maynard Oltorf
Emily Haine …………… Noreen Vanderslice
Elizabeth Bowen …………… SD Trooper Sue Lutz
Jayson Therrien …………… SD Trooper Bowden
Paul Welch …………… State Trooper Darnell
Victor Atelevich …………… SD Trooper Milch
David Haysom …………… SD Trooper
Jeffrey Donovan …………… Dodd Gerhardt (archive footage)
Brad Garrett …………… Joe Bulo (archive footage)
Rachel Keller …………… Simone Gerhardt (archive footage)
Elizabeth Marvel …………… Constance Heck (archive footage)
Jeff Sanca …………… Gerhardt Henchman

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