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Dexter 9x10

Dexter 9x10

Dexter und Harrison versuchen, ein normales Leben an einem Ort zu führen, von dem sie erfahren haben, dass er nicht so normal ist, wie sie dachten. Werden sie trotz aller Bedrohungen, die auf sie zukommen, glücklich bis ans Ende ihrer Tage leben?

Als Showtime im Herbst 2020 bekannt gab, dass Michael C. Hall als Dexter zurückkehren würde, war vielen Fans klar, dass das geplante Revival eine Wiedergutmachung für das verpatzte Serienfinale von 2013 sein soll. Folgerichtig war der einstige Showrunner Clyde Phillips angeheuert worden, der für die vier ersten Staffeln verantwortlich war, die bis heute fraglos als die besten gelten. Er sollte die Chance bekommen, seine Vision für einen würdigen Abschied der Figur umzusetzen - wobei er natürlich nicht mehr sein ursprüngliches Ende durchziehen konnte, Dexter auf den elektrischen Stuhl zu setzen, umringt von all seinen Opfern. Die Spannung war dementsprechend groß vor der zehnten und letzten Folge der „New Blood“-Season, doch kann Sins of the Father alte Wunden heilen oder herrscht erneut Enttäuschung?

Was passiert?

Zu meiner persönlichen Freude beginnt das Abschlusskapitel zunächst tatsächlich als große Show von Angela (Julia Jones). Zum für Dexter überraschendsten Moment, als er sich nach seinem gewonnenen Endspiel gegen Kurt (Clancy Brown) als „Phönix aus der Asche“ feiert, lässt die Polizistin ihr Pokerface fallen und legt ihm in ihrer eigenen Küche die Handschellen an. Noch am selben Abend ruft sie Angel Batista (David Zayas) in Miami an, um ihm mitzuteilen, dass sein alter Bekannter noch am Leben ist und nun in ihrer Zelle sitzt. Batista macht sich sofort auf den Weg, nicht zuletzt, um Maria LaGuerta (Lauren Velez) zu ehren, die den seltsamen Blutspurenanalytiker schon damals als Bay Harbor Butcher im Verdacht hatte.

Für kurze Zeit sieht alles so aus, als ob Dexter nun wirklich seine alten Rechnungen begleichen und sich endlich für alles verantworten muss. Doch dann nimmt die Folge eine Wendung, die weder überraschend noch erfreulich kam (zumindest nicht für mich). Logan (Alano Miller) wird früh als Schwachstelle in Angelas Festung markiert, die Dexter für eine potentielle Flucht sehr leicht ausnutzen kann. Als er Angela in Kurts Mördermuseum schickt, wagt er seinen Versuch, wobei nicht alles nach Plan verläuft und Logan als unschuldiges Opfer zurückbleibt. Was aus Dexters Perspektive nur als bedauernswertes Malheur betrachtet wird, wird später zu seinem finalen Verhängnis. Denn der unverdiente Tod seines Ringen-Coaches ist für Harrison (Jack Alcott) der Tropfen, der das Fass ein für alle Mal zum Überlaufen bringt.

Als Vater und Sohn sich zur gemeinsamen Flucht Richtung Los Angeles treffen und Harrison Logans Blut an Dexters Kleidung sieht, platzt der Plan. Harrison ist regelrecht angewidert von seinem Mentor, der seinen eigenen Code nach Belieben zu brechen scheint. Nun erkennt der Junge auch, dass vielleicht sogar seine Mutter Rita (Julie Benz) noch am Leben sein könnte, wenn Dexter nicht wäre. Stark ist, wie sich Harrison auf die Analogie seines Vaters einlässt und sie nutzt, um ihn völlig zu vernichten: „Es geht dir gar nicht darum, jemanden zu retten, oder? Du fütterst nur diesen Dunklen Begleiter. Und es ist nicht mal ein Begleiter, er steuert dich verdammt noch mal! Und du magst das.

Dexter schrumpft in sich zusammen und wirkt nun erbärmlicher denn je. Er fleht Harrison um Hilfe an und dieser erwidert völlig zu Recht, dass er nicht sein Pfleger sein wolle. Er empfiehlt seinem Vater, sich zu stellen und die Todesstrafe anzunehmen. Und in einem letzten Akt der Grausamkeit und des Egoismus zwingt Dexter seinen Sohn dazu, dass er sein Henker sein soll. Nur so könne er sie beide erlösen - eine Argumentation, die keiner zweiten Überlegung standhält. Aber natürlich ist es viel poetischer, wenn Harrison den Schuss abgibt, zumal so die alte Theaterregel mit Tschechows Gewehr geehrt wird. Gemeint ist die Waffe, die Dexter kürzlich noch als Weihnachtsgeschenk überreichte...

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Szenenfoto aus der Episode Sins of the Father der Serie Dexter - New Blood © Showtime
Szenenfoto aus der Episode Sins of the Father der Serie Dexter - New Blood © Showtime

Angela, die Harrison neben Dexters Leiche findet - nur wenige Sekunden nach dem Schuss -, lässt nun auch Fünfe gerade sein. Sie gibt dem Jungen etwas Geld mit auf den Weg und schickt ihn in Dexters Truck Richtung Freiheit. So kommt er sogar unbemerkt an der herbeieilenden Kavallerie vorbei, die einiges an Aufräumarbeit in Iron Lake zu erledigen haben wird. Davon sehen wir nichts mehr, auch nicht von den Medienberichten über die wahre Identität des Bay Harbor Butchers. Auch Batistas Reunion mit Dexter bleibt uns verwehrt. Der letzte Moment gehört Harrison, der in eine ungewisse Zukunft fährt. Ein alter Brief an seine Stiefmutter Hannah (Yvonne Strahovski) verklärt noch mal Dexters väterliches Verhältnis, denn er hat seinen Sohn ja nur aus Liebe im Stich gelassen. Harrison scheint trotz allem irgendwie zufrieden und lächelt der Sonne entgegen.

Wie ist es?

Sins of the Father, das Finale vom Dexter-RevivalNew Blood“, will uns 30 Minuten lang weismachen, dass es nur zwei Optionen für den Ausgang gibt: Los Angeles oder Los Angel(a)s. Entweder schaffen Dexter und Harrison die Flucht nach Kalifornien, wo sie als Vater-Sohn-Gespann für mörderische Selbstjustiz sorgen. Oder Dexter wird von Angela Bishop und Angel Batista im Rahmen des Gesetzes zur Rechenschaft gezogen. Man ahnt schon früher, als die Serienmacher es wahrscheinlich geplant hatten, dass sich noch eine weitere Möglichkeit aufdrängt: Harrison stoppt seinen Vater.

Dass es so kommt, ergibt erzählerisch zwar durchaus Sinn - besonders, wenn man die Revival-Season als Einzelnes betrachtet -, aber im Großen und Ganzen ist diese Variante in meinen Augen eher enttäuschend. Wie eingangs erwähnt, muss man die gesamte Historie von „Dexter“ berücksichtigen, wenn es an die Bewertung des zweiten Finalversuches geht. So kann man nun begrüßen, dass durch den Tod des Protagonisten diesmal wenigstens ein echter Abschluss gefunden wurde, doch fühlt man gleichzeitig, wie die Rückkehr an sich dem Vermächtnis eher geschadet hat.

Nun sind weder die Fans zufrieden, die gehofft hatten, dass Dexter mit allem davonkommt (weil sie ihm seinen trügerischen Ehrencodex wahrscheinlich abgekauft haben), noch fühlt sich der Schlusspunkt wie Gerechtigkeit an, was sich viele andere (darunter ich selbst) versprochen hatten. Dexter sieht zwar kurz die Gesichter einiger Menschen vor seinem inneren Auge, denen er großen Schaden zugefügt hat - was als kleine Anspielung auf die ursprüngliche Finalidee Clyde Phillips' betrachtet werden kann -, doch echte Reuegefühle kommen dabei nicht rüber. Und schon gar nicht, glaubt man ihm, dass er durch seinen Tod durch Harrisons Hände erstmals verstanden hat, wie sich Liebe anfühlt.

In emotionaler Hinsicht trifft das zweite „Dexter“-Finale also kaum einen Ton. Und was noch mehr stört: Der Charakter verliert zum Ende jegliche Würde, indem uns seine ganze Armseligkeit vor Augen geführt wird. Ein einziges Häufchen Elend bleibt von Dexter übrig, das zu feige ist, sich der eigenen Verantwortung zu stellen und auch das einem Kind überlässt, das er ein Leben lang vernachlässigt hat. So fühlt sich diese letzte Szene der Serie ein bisschen so an wie das Video von David Hasselhoff, der am Küchenboden einen Burger in sich reinstopft, während er von seinem Kind gefilmt wird. Dem Mythos dürfte das Revival also geschadet haben und nur wenige haben vermutlich Lust auf ein Spin-off rund um den netten Harrison, obwohl das aufgrund der zufriedenstellenden Zuschauerzahlen natürlich längst diskutiert wird (wir berichteten).

Zusammenfassend halte ich fest: Nach dem schwachen Start in die „New Blood“-Season sah es nach knapp der Hälfte der zehn neuen Folgen kurz so aus, als ob das „Dexter“-Comeback vielleicht doch eine gute Idee gewesen sein könnte. Ein geniales Finale war trotzdem stets das Mindeste, das die Serie abliefern musste, um sich selbst zu rechtfertigen. Nun hat sie nicht mal ein legendär schlechtes Ende gefunden, sondern nur ein mittelmäßiges, was fast noch schlimmer ist...

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Dexter 9x10 Trailer

Schauspieler in der Episode Dexter 9x10

Darsteller   Rolle
Michael C. Hall …………… Dexter Morgan
Jennifer Carpenter …………… Debra Morgan
Desmond Harrington …………… Det. Joseph 'Joey' Quinn
C. S. Lee …………… Vince Masuka
David Zayas …………… Lt. Angel Batista
James Remar …………… Harry Morgan
Aimee Garcia …………… Jamie Batista
Geoffrey Pierson …………… Deputy Chief Tom Matthews
Yvonne Strahovski …………… Hannah McKay
Charlotte Rampling …………… Dr. Evelyn Vogel
Sean Patrick Flanery …………… Jacob Elway
Kenny Johnson …………… U.S. Marshal Max Clayton
Dora Madison Burge …………… Niki Walters (as Dora Madison Burge)
Darri Ingolfsson …………… Oliver Saxon
Jadon Wells …………… Harrison Morgan
Dana L. Wilson …………… Det. Angie Miller
Scott Michael Morgan …………… Sussman
Dave Chittick …………… Welks (as David Chittick)
Angela Bullock …………… Receptionist
Cristina Lawson …………… Nurse
Jacob H. Clarke …………… Dead Cyclist
Bruce Holman …………… Det. Michael Soderquist
Brittany Mason …………… Rollergirl
Imani T. Williams …………… Roller Skater Waitress

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