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Dexter 8x11

Dexter 8x11

Dexter (Michael C. Hall) ist hin- und hergerissen zwischen der gemeinsamen Flucht mit Hannah (Yvonne Strahovski) und seinem Sohn Harrison (Jadon Wells) und seinem Drang, Saxon (aka Daniel Vogel; Darri Ingolfsson) ein für allemal den Garaus zu machen. Nachdem Dex bereits alles für einen Neubeginn in Argentinien in die Wege geleitet hat, begeht der Killer aus einer Gewissensfrage heraus dabei einen schweren Fehler. Auch ein aufziehender Sturm könnte die Fluchtpläne gefährden...

Dexter Morgan (Michael C. Hall) bereitet sich in Monkey In A Box darauf vor, Miami hinter sich zu lassen. Für jeden von uns wäre das Auswandern in ein anderes Land sicherlich eine große Sache. Doch warum sollte man dem langwierigen Prozedere des Abschiednehmens in einer fiktiven Welt - die noch dazu rasant ihrem Ende entgegengeht - so unnötig viel Zeit opfern? Der Zuschauer hätte sicher auch begriffen, dass Dexter die Umsiedlung nach Argentinien nicht gänzlich leicht fällt, ohne dass er sich mit einem potentiellen Käufer der slice of life über Bierkühler unterhalten hätte. Der Marathon des Verabschiedens nimmt erst ein Ende, als der bemitleidenswerten Deb (Jennifer Carpenter) wieder einmal in den Bauch geschossen wird. Leider wird diese Eskalation erst durch ein schier unanständiges Maß an stupidem Verhalten ermöglicht.

Abschied

Dex nimmt Abschied von seinem Boot, seiner Wohnung, der niedrigen Mordaufklärungsrate Floridas, von Deputy Chief Tom Matthews (Geoff Pierson), von Angel (David Zayas), von Quinn (Desmond Harrington), von Harry (James Remar), von Debra und auch von seinem dark passenger. Darin, Beziehungen zurückzulassen, die als Fassade begonnen haben, jedoch langsam zu etwas Echtem geworden sind („They are real to me.“), schwingt Melancholie und reichlich Bedeutung mit. Leider wirkt der Sturm aus rührseligen Abschieden in Dexter dabei etwas zu durchchoreografiert, um große Gefühle erzeugen zu können. Anstatt zu untermalen, was für eine eklatante Entwicklung die endgültige Abkehr vom dark passenger für Dexter darstellt, sorgt das vielfache Verbalisieren dieser Tatsache gar für das Aufkommen von Langeweile. Die Dialogfetzen scheinen dabei gezielt auf die (berechtigten) Fragen der Zuschauer abgestimmt zu sein: Was ist mit dem Drang, zu töten? Dex hat eine Ersatzdroge gefunden: „Since Hannah came into my life it (der Drang, zu töten) lessened...“ Aber das Risiko, den gefährlichen Vogel Jr. am Leben zu lassen, sieht dir ja gar nicht ähnlich, Dex! „Maybe I am not the old Dexter.“ Das weiß seine Schwester noch auf recht pathetische Weise zu bestätigen: „There is a human being in there.

Warum?

Viele der Entscheidungen, die die Charaktere in Monkey In A Box treffen, lassen sich nicht leicht nachvollziehen. Mit Müh und Not kann man Deb „verzeihen“, dass sie neben ihrem Bruder nun auch Hannah (Yvonne Strahovski) bis über die Grenzen der Selbstgefährdung hinweg beschützt. Zwar sind sie und die Floristin, gelinde gesagt, schon einmal „aneinandergeraten“ (Sal Price, Giftanschlag!!!). Doch sie will ihren über alles geliebten Dexter schließlich glücklich sehen und dieser Weg scheint zwangsläufig über Hannah zu führen. Vielleicht liegt es ja in ihren emotionalen Aufwallungen über Dexters Abschied - und ein bisschen auch denen über Quinns Verlobungsring - begründet, dass sie so leichtsinnig ist, einen rachsüchtigen Killer mit einem Messerkit alleine zu lassen. Selbst, wenn er gefesselt ist...

Jamie (Aimee Garcia) genießt die letzten Momente mit Harrison (Jadon Wells). © Showtime
Jamie (Aimee Garcia) genießt die letzten Momente mit Harrison (Jadon Wells). © Showtime

Coopers großer Auftritt

Hier liegt ein weiteres Problem dieser Episode begründet. Während Deb ihrem Niedergang vollkommen ahnungslos entgegenblickt, war es für die Zuschauer allzu absehbar, dass in den finalen Minuten der vorletzten Folge noch etwas passieren musste. Vielleicht hätte man nicht unbedingt damit gerechnet, dass ausgerechnet U.S. Marshal Cooper (Kenny Johnson) die Eskalation einleiten würde, aber gewiss war sie doch. Die Cooper-Variante lässt dabei gleich aus zwei Gründen zu wünschen übrig. Zum einen wird sein Charakter auf diese Weise als das seelenlose dramaturgische Instrument entlarvt, das er ist. Zum anderen mutet es nicht sonderlich realistisch an, dass ein Mann, der seinen Lebensunterhalt mit dem Aufspüren von flüchtigen Verbrechern verdient, bei seinen MacKay-Recherchen nicht im Polizeiticker (oder auch in den Nachrichtenkanälen) über Daniels (Darri Ingolfsson) ausdruckslose Visage gestolpert sein sollte.

Sträflicher Leichtsinn

Zum Thema unrealistisch: Hannah, Hannah. Hübsche, blondgelockte Hannah. Nachdem du doch bereits im Krankenhaus hattest testen dürfen, dass die Strategie, sich überhaupt nicht zu tarnen, problematisch sein kann. Warum nutzt du nicht ein bisschen Haarfarbe, ein Tüchleich, oder... vielleicht ein Zopfgummi?

Mit ihrem unerklärlich leichtsinnigen Verhalten steht Hannah aber leider nicht alleine da. Dexter wird nicht einmal ansatzweise stutzig, als ihm Sylvia Prado (ja, die Witwe von Miguel - dargestellt von Valerie Cruz) von dem mysteriösen Käufer berichtet, der seine Wohnung umgehend mit Cash bezahlen möchte. Zudem geht Dex intuitiv davon aus, dass Saxon-Vogel sich sofort an seine Fersen heften würde, nachdem er ihn durch die mörderischen Videos (die Dex auf seinem unverschlüsselten, weil super versteckten Laptop gefunden hat) aus der Reserve gelockt hat. Dabei hätte Daniel jedoch - seinen Drohungen entsprechend - genauso gut Hannah, dem verstrubbelten und wundersam genesenen Harrison (Jadon Wells) oder den Geistercharakteren Astor (Christina Robinson) und Cody (Preston Bailey) nachstellen können.

Zum Glück verhält sich Saxon-Vogel ebenso leichtsinnig (aka dumm) wie sein Kontrahent und geht allen Ernstes davon aus, dass ein argloser Dexter sich schlafend (ehrlich?) von ihm abstechen lassen würde...

Masuka (C. S. Lee) unterhält sich mit seiner Tochter (Dora Madison Burge). © Showtime
Masuka (C. S. Lee) unterhält sich mit seiner Tochter (Dora Madison Burge). © Showtime

Aufseiten Masukas (C. S. Lee) und seiner Tochter Niki (Dora Madison Burge) macht es fast den Eindruck, als hätten die verantwortlichen Autoren bei dieser Figurenkonstellation einen Wettbewerb der größtmöglichen Belanglosigkeit ausgerufen. Während Masuka zu Beginn kurz zu seinen unterhaltsam-geschmacklosen Wurzeln zurückkehrt („I could go for some hookers and blow right now. But since this isn't the nineties, caffeine it is.“), unterhält er sich mit seiner Tochter später über... zuckerfreie Cola.

Fazit

Es fällt nicht leicht, eine Serie, die man einmal so ins Herz geschlossen hatte wie Dexter, zu Ende gehen zu sehen. Glücklicherweise wird der Abschiedsschmerz durch die Episode mit dem äußerst willkürlich anmutenden Titel Monkey in a Box wieder ein bisschen entkräftet. Statt alle Trümpfe aus den Ärmeln zu ziehen und ein letztes, schockierendes Feuerwerk abzufackeln, konfrontieren die Drehbuchautoren ihre Zuschauer mit Charakteren, von denen viele das vorausschauende Denken eines Goldfisches an den Tag legen. Zudem wird das entscheidende Saxon-Dilemma („Go on with your life - or come after me.“) dabei allzu penetrant verbalisiert. Am Ende bedienen sich die Schreiberlinge einem der althergebrachtesten dramaturgischen Tricks, doch noch Spannung aufkommen lassen, indem sie eine der beliebtesten Figuren blutüberströmt auf dem Boden zurücklassen. Die angestaubte Mutter der Cliffhanger.

Die Tatsache, dass Dex Daniel am Leben lässt, ist nach humanen Gesichtspunkten sicherlich löblich und zeigt gleichzeitig seine immense Entwicklung auf, die durch Hannah noch auf ein ganz neues Level gebracht wurde. In Anbetracht der Tatsache, wie viel Vogel Jr. über Dex weiß, erscheint es jedoch etwas merkwürdig, dass Dexter das Risiko eingehen sollte, den Mitwisser den Behörden zu übergeben. Auch wenn die Chance besteht, dass ihm nicht geglaubt wird, dürfte sich doch zumindest Quinn an sein früheres Misstrauen gegenüber Dex erinnern!?! Wenn man bedenkt, wie viele Menschen sich bereits auf Dexters Tisch wiedergefunden haben, wäre dann ein einziges - noch dazu extrem schuldiges - weiteres Opfer wirklich ein zu hoher Preis für den Neubeginn mit den wichtigsten Mitgliedern seiner so vielfach zitierten Familie?

Dazu kommt, dass es Saxon auch weiterhin nicht gelingt, die Bedrohlichkeit oder die emotionale Involviertheit heraufzubeschwören, die man von Dexters letztem „Endgegner“ erwarten würde. Das liegt entweder daran, dass wir ihn einfach noch nicht lange genug kennen, oder daran, dass er in der Masse der Killer aus Dexters Vergangenheit einfach keinen übergeordneten Stellenwert einnimmt.

Der Sturm, der den Namen von Dexters leiblicher Mutter trägt, bewegt sich unaufhaltsam auf Miami zu. Vielleicht wird mit ihm eine derartige Wucht und kathartische Wirkung einhergehen, dass die letzten, vor sich hin dümpelnden Episoden wieder aus dem Gedächtnis der Zuschauer herausspült werden. Ob es für Dexter ein spektakuläres oder einfach nur ein Ende geben wird - bald werden wir es erfahren.

Dexter 8x11 Trailer

Schauspieler in der Episode Dexter 8x11

Darsteller   Rolle
Michael C. Hall …………… Dexter Morgan
Jennifer Carpenter …………… Debra Morgan
Desmond Harrington …………… Det. Joseph 'Joey' Quinn
C. S. Lee …………… Vince Masuka
David Zayas …………… Lt. Angel Batista
James Remar …………… Harry Morgan
Aimee Garcia …………… Jamie Batista
Geoffrey Pierson …………… Deputy Chief Tom Matthews
Yvonne Strahovski …………… Hannah McKay
Sean Patrick Flanery …………… Jacob Elway
Kenny Johnson …………… U.S. Marshal Cooper
Valerie Cruz …………… Sylvia Prado
Dora Madison Burge …………… Niki Walters (as Dora Madison Burge)
Darri Ingolfsson …………… Oliver Saxon
Jadon Wells …………… Harrison Morgan
Dana L. Wilson …………… Det. Angie Miller
Kevin Brief …………… Boat Buyer
Suzanne Whang …………… Anchor Woman
Jason Williams …………… Anchor
Bruce Holman …………… Det. Michael Soderquist

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