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Carnival Row 1x01

Carnival Row 1x01

Episode Staffel 1, Episode 1
(Carnival Row 1x01)
Deutscher Titel der Episode Eine dunkle Macht erwacht
Titel der Episode im Original Some Dark God Wakes
Erstausstrahlung der Episode in den USA Freitag, 30. August 2019 (Amazon Prime Video)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland Freitag, 22. November 2019
Autor Rene Echevarria
Regisseur Thor Freudenthal

Rycroft „Philo“ Philostrat (Orlando Bloom) untersucht eine Reihe von brutalen Angriffen, bei denen es ein unbekannter Täter auf die Fae der Stadt abgesehen hat. Vignette Stonemoss (Cara Delevingne) gelingt indes geradeso die Flucht auf Tirnanoc. Sie kommt unter schwierigen Umständen in The Burgue an, wo sie sich auf die Suche nach einem Neustart beginnt. Imogen Spurnrose (Tamzin Merchant) trifft derweil auf einen neuen Nachbarn, während im Parlament eine hitzige Debatte über die aktuelle politische Lage und die Zukunft der Stadt geführt wird.

Diese Kritik bezieht sich auf die komplette erste Staffel von Carnival Row.

Gut einen Monat ist es her, da hat Amazon Prime Video bereits eine zweite Staffel von Carnival Row in Auftrag gegeben, die neue Fantasyserie von Travis Beacham und René Echevarria, die am heutigen Freitag, den 30. August ihre Weltpremiere feiert. Lange, bevor sich die Abonnenten des Streaminganbieters ein Urteil über den Neustart bilden konnten, untermauerte man also sein Vertrauen in das ambitionierte Projekt, welches erfrischenderweise mal keiner Buchreihe oder Ähnlichem zugrunde liegt und einst als Spielfilm mit dem Titel „A Killing on Carnival Row“ geplant war. Damals war sogar noch ein gewisser Guillermo del Toro involviert, den Beacham im Rahmen seiner Arbeit an dem Kaiju-Blockbuster „Pacific Rim“ kennengelernt hatte. Mitte 2016 teilte man dann mit, dass man eine vollwertige Serie aus dem Script machen wird, del Toro war nach wie vor beteiligt, verabschiedete sich aber kurze Zeit später aufgrund seines stets gefüllten Terminkalenders.

Nach ein wenig Stühlerücken hinter den Kulissen (mehrere Regisseure kamen und gingen wieder) und den langwierigen Dreharbeiten in Prag, wohin man im Dezember 2018 noch einmal zurückkehrte, um zusätzliche Aufnahmen zu tätigen, war es vollbracht und „Carnival Row“ im Kasten. Die vorzeitige Verlängerung der Serie dürfte dann eine schöne Bestätigung für die Verantwortlichen gewesen sein. Und die Entscheidung Amazons erscheint völlig nachvollziehbar. Das Fantasygenre erfreut sich weiterhin großer Beliebtheit, Sender und Streaminganbieter suchen nach wie vor nach ihrem ganzen eigenen Game of Thrones, das am besten über mehrere Jahre läuft, sich als Franchise etabliert und dementsprechend verlässlich Rendite abwirft. Außerdem hat man im Fall von „Carnival Row“ mit Orlando Bloom und Cara Delevingne zwei prominente Namen als Zugpferde für das Format, deren Starpower nicht zu unterschätzen ist.

Und tatsächlich verfügt „Carnival Row“ über großes, wenn nicht sogar gigantisches Potential, da dürften sich alle Genrefans nach der achtteiligen ersten Staffel des Fantasydramas einig sein. Wie so oft stellen sich die eigenen Ambitionen, eine sehr ausschweifende, unglaublich umfassende Erzählung voller distinktiver Charaktere aufzuziehen, aber auch als höchste Hürde für Beacham, Echevarria und ihr Team heraus. Man hat eine tolle, reichhaltige, mystische, epische Welt mit Steam-Punk-Einflüssen und High-Fantasy-Elementen entworfen. Man hat ein vielleicht nicht originäres, aber durchaus originell anmutendes Setting inklusiver spezieller Mythologie geschaffen, in dem die erzählerischen Möglichkeiten keine Grenzen kennen. Allein das macht „Carnival Row“ reizvoll und hat mich persönlich bei der Stange gehalten. Doch es bahnt sich ein Aber an. Denn bei all dem Fantasy-Exzess sowie den fabelhaften Eck- und Rahmendaten müht sich die Serie leider zu oft an abgedroschenen Handlungssträngen und Figurenzeichnungen ab, die diese außergewöhnliche Welt schrecklich gewöhnlich erscheinen lassen.

Die Handlung von „Carnival Row“ spielt sich in der Metropole The Burgue ab (man stelle sich ein viktorianisch-steampunkiges London, Budapest, Prag oder jede andere europäische Großstadt vor, die von einem Fluss durchzogen wird), das zu einem Zufluchtsort von Wesen aus allen Winkeln dieser Welt geworden ist, nachdem ein schrecklicher Krieg nicht viel von deren Heimat übrig gelassen hat. Fae (Feen), Pucks (menschenähnliche Zweibeiner auf Hufen, die geschwungene Hörner am Kopf haben), Zentauren, Kobolde - sie alle finden sich in The Burgue wieder, das aufgrund von Rassenunruhen, Diskriminierung und hassmotivierten Gewaltverbrechen mittlerweile ein Pulverfass darstellt, welches kurz vor seiner Explosion steht. Während die Situation immer weiter eskaliert und die politischen Entscheidungsträger sich uneins ob der vielen asylsuchenden Flüchtlinge sind, ist Polizeiermittler Rycroft „Philo“ Philostrate (Orlando Bloom) anderweitig beschäftigt.

Er geht einer Reihe von brutalen Mordfällen nach, die möglicherweise politisch motiviert gewesen sein könnten - oder aber vielleicht übernatürlichen Ursprungs sind. Verkompliziert werden Philos Ermittlungen jedoch, als er plötzlich auf eine alte Bekannte, genauer gesagt: die Liebe seines Lebens trifft - die Fae Vignette Stonemoss (Cara Delevingne). Diese schlägt in The Burgue auf, will sich dort ein neues Leben aufbauen und hatte bisher geglaubt, dass der ehemalige Soldat Philo, den so einige Geheimnisse umgeben, einst den Löffel abgegeben hat. Hat er aber nicht. Und so entspinnt sich ein Konflikt zwischen den beiden, der jedoch nur einer von vielen rund um die titelgebende Straße und ihre Bewohner - ob gut betucht oder wohnhaft in der Gosse - ist. Immerhin geht ein Mörder in der Stadt umher. Und im Hintergrund wird natürlich eifrig um das politische Sagen in The Burgue gefeilscht, wodurch sich das Leben dessen Einwohner für immer verändern könnte...

Ich kann es gar nicht anders zusammenfassen: Carnival Row ist eine sehr seltsame Serie. Im Laufe der ersten Staffel gibt es mehrere Momente, die hervorragend funktionieren und in denen man die Vielfalt an Möglichkeiten, die sich in der Amazon Prime Video-Eigenproduktion verbergen, großartig zu nutzen weiß. In Sachen „Worldbuilding“ fühlt man sich als Zuschauer zwar gelegentlich ein wenig verloren, denn exakte Erklärungen ob der Welt und ihrer Akteure bleiben oft aus. Doch das ist eigentlich gar nicht weiter störend. Denn irgendwie macht es auch Spaß, sich kopfüber in diesen wilden Mischmasch an Fabelwesen und Fantasy-Elementen fallen zu lassen. Als würde man selbst durch The Burgue ziehen, völlig ahnungslos und frei von Erwartungen, was als Nächstes passiert, wer es mit wem zu tun bekommt und warum die Dinge so sind, wie sie sind.

In dieser Hinsicht kann „Carnival Row“ einem viel Freude bereiten, weil die Macher sich immer wieder munter ausprobieren und die Fülle an Figuren und Schauplätzen bewusst ausspielen. Diese Methodik kann zu wundervollen Szenen führen, in denen der melodische, eigenwillige Soundtrack voll aufdreht und man etwas überraschend zutiefst berührt von dem Gezeigten ist, was man anfangs vielleicht nicht wirklich für möglich gehalten hat. Doch da in „Carnival Row“ eben nun mal alles kann und nichts muss, macht sich schon bald eine Art Puzzlehaftigkeit bemerkbar. Die Erzählung setzt sich aus so vielen verschiedenen, qualitativ sehr unterschiedlichen Einzelteilen zusammen, dass man als Außenstehender bisweilen darum bemüht ist, selbst ein wenig Ordnung in den Laden zu bringen. So wird die Komplexität der Serie schon fast zu ihrer eigenen Fessel, von der man sich nicht immer lösen kann.

Am heftigsten hält „Carnival Row“ der zentrale Handlungsstrang um die Mordfälle zurück, welcher sich schnell als schleppend und uninteressant herausstellt. Zugegeben, zum Ende der Staffel vermag man noch den einen oder anderen Twist einzubauen, im Großen und Ganzen fühlen sich die Ermittlungen von Philo jedoch nach trister Beschäftigungstherapie an. Auffällig ist, dass fast jeder Plot in „Carnival Row“ seine Schwächen hat, ob es nun die Beziehung zwischen Philo und der unerschrockenen Vignette, eine völlig erwartbare, aber eigentlich ganz charmante Liebesgeschichte zwischen einer elitären Edelfrau und einem Puck, oder aber die politischen Ränkespiele um die Macht in The Burgue sind. All diese Geschichten kommen einem mehr als vertraut vor und sind mitunter mit derartig abgedroschenen Dialogen zugepflastert, dass man gelangweilt die Augen verdreht. Und dennoch: Man bleibt dran. Weil letztlich doch Mal für Mal emotionale Spitzen gesetzt und sagenhafte Einzelszenen orchestriert werden, die ihre Wirkung nicht verfehlen.

Diese Qualität ist unter anderem der hier geschaffenen Welt zuzuschreiben, die ironischerweise jedoch alles andere als subtil gestaltet ist. Man wirft mit eindeutigen Metaphern und Analogien geradezu um sich, ein jeder wird die überdeutlichen Parallelen erkennen, die in Zeiten wie diesen - in denen vor Kriegen Flüchtende Asyl in den Ländern suchen, die ihren Anteil an besagten Kriegen haben - ohne große Mühe gezogen werden können. Manchmal ist das alles viel zu plump und zu schamlos, manchmal trifft man den Nagel auf den Kopf. Es ist einfach ein Hin und Her mit dieser Serie, die viel zu oft viel zu grau und für ihre Rahmenbedingungen zu gewöhnlich inszeniert ist, nur um dann im nächsten Augenblick die genau richtige Dosis Serienmagie aufs Parkett zu zaubern. Es ist ein absolutes Ärgernis, wenn „Carnival Row“ schludrig mit seinem ganzen Potential umgeht, und ein fantastisches Glücksgefühl, wenn es gelingt, dieses auch nur für einen Moment in all seiner Gänze abzurufen.

Nach den acht Episoden der ersten Staffel bin ich nicht wirklich schlauer, was ich von Carnival Row halten soll. Die Darbietungen sind überzeugend, wenngleich hier und da ein wenig überspielt. Nicht jeder in dem großen Cast bekommt die Chance zu glänzen (Jared Harris, in diesem Jahr überragend in Chernobyl, ist hier komplett verschwendet), andere, wie zum Beispiel Cara Delevingne und Orlando Bloom, treten den Beweis an, dass auch andere Rollen in ihnen stecken, selbst wenn sie sich phasenweise arg kernig präsentieren, was aber auch auf die schlichten Dialoge zurückzuführen ist. Am Ende der Staffel tun sich indes zahlreiche spannende Wege auf, die „Carnival Row“ einschlagen könnte, und die Hoffnung ist groß, dass man sich in der zweiten Staffel eine etwas klarere Marschroute setzen wird.

Ein Murder-Mystery-Plot ist ein solides Mittel, um den Einstieg in eine Welt wie diese zu schaffen, doch letztlich wird davon nicht sehr viel bei den Zuschauern hängen bleiben. Die stetige Weiterentwicklung der Charaktere ist wie so oft das A und O, ebenso wie das eigene Bewusstsein darüber, was alles in einer Serie wie „Carnival Row“ steckt. Amazon Prime Video hat hier eine durchaus spannende neue Marke geschaffen, die alles mitbringt, was ein großes, erwachsenes Publikum mit einem Fantasy-Faible sehen will - ein besonderes Setting mit einem soziopolitischen Rahmen, komplexe Charakterkonstellationen und fiese Intrigen, brutale Schockmomente, überraschend viel Sex und nackte Haut. Es wird sich zeigen müssen, ob man aus all diesen Voraussetzungen Kapital schlagen und mehr als die zwar leicht verdaulichen, aber vergleichsweise doch sehr simplen Geschichten erzählen kann, die sich in der ersten Staffel von „Carnival Row“ zutragen.

Trailer zu „Carnival Row“:

Carnival Row 1x01 Trailer

Schauspieler in der Episode Carnival Row 1x01

Darsteller   Rolle
Orlando Bloom …………… Rycroft Philostrate
Simon McBurney …………… Runyan Millworthy
Tamzin Merchant …………… Imogen Spurnrose
David Gyasi …………… Agreus Astrayon
Andrew Gower …………… Ezra Spurnrose
Karla Crome …………… Tourmaline Larou
Arty Froushan …………… Jonah Breakspear
Indira Varma …………… Piety Breakspear
Jared Harris …………… Absalom Breakspear
Maeve Dermody …………… Portia Fyfe
Leanne Best …………… Madame Moira
Anna Rust …………… Fleury
Jamie Harris …………… Sergeant Dombey
Ronan Vibert …………… Ritter Longerbane
Matthew Gravelle …………… Unseelie Jack
Cornelius Booth …………… Bagstock
Patrick Brennan …………… Captain
Iola Evans …………… Ryma
Ephraim Goldin …………… Skipper (as Ephraim Eli Goldin)
William Valerián …………… Deckhand
Tracey Wilkinson …………… Afissa
Ryan Hayes …………… Constable Thatch
David Nykl …………… Constable Boggs
Lukwesa Mwamba …………… Callie
Emma Zamburkova …………… Young Refugee Girl
Waj Ali …………… Constable Berwick
Mark Lewis Jones …………… Magistrate Flute
Jim High …………… Fergus
Joseph Riley …………… Peter
Olivia Grace Tennant …………… Franny
Bethany Adams …………… Puck Nanny (as Bethany Dockalova)
James Beaumont …………… Constable Cuppins
Jared Doreck …………… Grayson
El Anthony …………… Kardeiz
Lorraine Burroughs …………… Magrite
Pavel Ponocný …………… Brothel Eunuch
Sean Cernow …………… Drunk Puck
Erika Stárková …………… Aisling
Scott Reid …………… Quill
Simon Wolfe …………… Barker
Kassu Haileloul …………… Merchant
Robert Russell …………… Longerbane Ally
Nigel David Young …………… Breakspear Backer
Paul Dean …………… Chopper Speaker
Julian Stone …………… Loop Group
Veronika Koprivová …………… Faerie

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