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Dr. House 8x22 Letzter Akt: Reichenbachfall

Dr. House 8x22 Letzter Akt: Reichenbachfall

Die Behandlung des drogenabhängigen Oliver (James LeGros) bringt House (Hugh Laurie) dazu, über sein Leben, seine Zukunft und seine inneren Dämonen nachzudenken.

Everybody lies“ und „Everybods dies“, Jeder lügt und Jeder stirbt - das ist das Alpha und das Omega der US-Serie House, der Anfang und das Ende, der englische Originaltitel der ersten Episode und der letzten.

Eingangs des Serienfinals steht Gregory House (Hugh Laurie), Freund der Herausforderungen und Rätsel, einem schier unlösbaren Puzzle gegenüber: Sein bester Freund Wilson (Robert Sean Leonard) ist unheilbar an Krebs erkrankt. Nachdem House dies endlich akzeptiert hat, wird ihm eine seiner unbeherrschten und übertriebenen Aktionen zum großen Problem: House hatte einige Eintrittskarten, die Foreman (Omar Epps) ihm zum Geschenk gemacht hatte, zerrissen und damit Foremans persönliche Büro-Toilette verstopft. Dadurch sorgte er aber auch unbeabsichtigt für einen Rohbruch mit Überschwemmung, inklusive der Zerstörung von teurem technischem Gerät - eine Straftat, die Houses Bewährung sprengt und ihn zurück ins Gefängnis bringen soll. Für mehr Zeit als Wilson verbleiben soll - sechs Monate gegen fünf.

House wäre nicht House, wenn er nicht einen Plan ausknobeln würde, der ihn mit seinem besten Freund vereint halten würde. Eingangs der Episode „Letzter Akt: Reichenbach“ macht es für den Zuschauer den Eindruck, das der Zyniker zu einem sehr untypischen Plan gegriffen hat: Gemeinsam vereint im Himmel! Denn die Episode beginnt mit House, der in einem brennenden Haus erwacht und statt zu flüchten lieber lange Diskussionen mit seinem Unterbewusstsein führt. Das wird zunächst repräsentiert vom bereits freiwillig aus dem Leben geschiedenen Dr. Lawrence Kuttner (Kal Penn).

In drei Hadlungsbögen wird der Hauptteil der Episode „Letzter Akt: Reichenbach“ erzählt: In der einen Handlung erleben wir House, der im brennenden Haus darüber nachsinniert, wie er dort gelandet ist und auch über die noch wichtigere Frage nachgrübelt: „Warum“. Daneben werden als Rückblick die Geschehnisse zwischen dem Ende der vorherigen Episode und House jetziger Situation aufgerollt. Und schließlich suchen Foreman und Wilson nach dem Mediziner, nachdem sie bemerkt haben, dass er bereits längere Zeit verschwunden ist.

Streitbares Unterbewusstsein

Dadurch, dass sich der scheinbar selbstmörderische House mit seinem Unterbewusstsein und verschiedenen seiner Aspekte auseinandersetzt, bringen die Produzenten noch einmal einige altgediente Darsteller und ihre Charaktere in das Serienfinale: Neben Penns Dr. Kuttner auch die bohrend fragende Dr. Amber „das eiskalte Biest“ Volakis (Anne Dudek), die sich um House sorgende Dr. Allison Cameron (Jennifer Morrison) und schließlich, als Verkörperung der Personen, die den Arzt ehrlich und offen lieben, seine alte Freundin Stacy Warner (Sela Ward).

The Last Moron

In dem brennenden Haus liegt sein letzter Patient, Oliver (James LeGros) neben Greg House. Dieser ist Gregory House bei dessen Klinik-Stunden über den Weg gelaufen. Wie üblich durchläuft er eine Reihe von Fehldiagnosen, fungiert letztendlich als Quintessenz der meisten Patienten von House: Im Angesicht des Todes ist er zur Veränderung bereit, aber kaum ist die Todesgewissheit von ihm genommen, fällt er schnell in alte Verhaltensmuster zurück.

Auf den ersten Blick kommt House bei der Behandlung von Oliver dahinter, dass dieser ein Drogensüchtiger ist, der trotz seines gepflegten Äußeren durch seinen Krankenhausbesuch nur an starke Schmerzmittel kommen will. Doch schließlich landet Oliver im Princeton Plainsboro in einem Krankenbett und erzählt die wichtigsten Stationen seiner jüngeren Lebensgeschichte: Durch einen Sportunfall wurde er schmerzmittelabhängig und kam schließlich zum Heroin. So verließ er seine Familie.

Als House an ihm eine unheilbare, tödliche Krankheit diagnostiziert (ALS), bietet sich Oliver kurzentschlossen an, für jenen die Schuld an der Sachzerstörung auf sich zu nehmen um den hilfsbereiten Arzt aus seiner Bredouille zu holen. Doch ihm kommt dazwischen, dass er durch eine neue Entdeckung seine Diagnose nochmal verwerfen muss, womit Oliver schnell vom Todgeweihten zum geheilten Mann wird.

Allerdings endet Olivers Leben - wohl bereits zwei Tage später - durch einen goldenen Schuss. Somit erweist er sich als einer der größten Trottel unter Houses Patienten, der durch eigenes Verschulden schneller umkommt als es ihm durch die schlimmste von House gestellte Diagnose gedroht hätte.

Ein komplizierter Plan

Parallel zu den Gesprächen zwischen House und seinem Unterbewusstsein spielen sich die Entwicklungen der letzten Tage im Leben des Dr. Greg House ab. Natürlich hat er versucht, der Gefängnisstrafe zu entkommen. Zunächst, indem er Foreman versuchte davon zu überzeugen, ihn gegenüber den Behörden als unentbehrlich hervorzuheben - und einige komplizierte Fälle vorzulegen, bei denen nur House und seine Freiheit Leben retten können.

Später bei Wilson, der die Schuld für die Sachzerstörung auf sich nehmen solle - den sterbenskranken, unbescholtenen Arzt würde schon niemand ins Gefängnis stecken. Doch beide Ansätze schlagen letztendlich fehl, als House jeweils den Bogen überspannt.

Letztlich wird der ultimative Plan des Greg House offenbar: Trotz allem Geplänkel will er nicht die Strafe aufschieben oder umgehen. Sein Ziel ist es, seinen Tod vorzutäuschen. Dabei hilft ihm Oliver mit seinem Drogenproblem und letztendlich -tod. House legte eine für Foreman und Wilson zu findenden Spur aus, bei der sie „rechtzeitig“ das brennende Haus finden und den Diagnostiker am Fenster stehen sehen, als das Haus explodiert. Um seinen Tod „nachzuweisen“ verwendete House die Leiche von Oliver und fälschte seine eigenen Zahnunterlagen, so dass Olivers Leiche als Greg House identifiziert wurde.

Der ultimative Streich

So gelingt House, wovon viel Menschen bisweilen träumen: Er kann bei seiner eigenen Beerdigung Mäuschen spielen. Dort belauscht er, wie die meisten seiner alten Weggefährten - Stacy, Cameron, 13, sein aktuelles Team - Lobreden auf ihn schwingen. Dabei entlarvten die Nachrufenden aber letztendlich vor allem ihre Projektionen auf House, die diesen besser erscheinen ließen, als er je war. Aber man soll ja auch nicht schlecht über Tote reden.

Nicht nur dem Zuschauer werden die Nachrufe, die zwischen Selbstlüge und Heuchelei angesiedelt sind, zuviel: Auch Wilson geht es so, so dass er „mit der Wahrheit“ herausrückt - zumindest der Wahrheit, wie sie sich ihm gerade darstellt, nämlich das House sich mehr oder weniger bewusst selbst umgebracht hat und auch sonst kein sonderlich liebenswerter Zeitgenosse war.

Allerdings muss Wilson bald darauf erkennen, dass er irrte: Sein Freund hat sein (bisheriges) Leben dafür gegeben, um dem Freund in seinen letzten Monaten beizustehen.

Das Leben geht weiter...

Während Greg House und Wilson auf ihren Motorrädern einem letzten Abenteuer entgegenjagen, geht das Leben für die anderen weiter: Foreman bleibt Leiter des Princeton Plainsboro, während Chase (Jesse Spencer) die Diagnostik übernimmt und weiterhin mit Adams (Odette Annable) und Park (Charlyne Yi) zusammen arbeitet. Die berufliche Zukunft von Taub bleibt offen, jedoch wird er mit seinen beiden Kindern gezeigt. Auch Cameron ist mit Ehemann und Kind zu sehen.

Kritik

Letzter Akt: Reichenbach“ ist eine durchaus unterhaltsame House-Episode, die ihre Spannung daraus bezieht, dass der Zuschauer versucht, die nichtlineare Erzählung zu durchschauen und möglichst frühzeitig zu verstehen, was passiert ist. Gewürzt wird dieses Rätselspiel für den Zuschauer durch den Umstand, dass er zwar doch irgendwie ein Happy End erwartet, aber im Serienfinale keine Ahnung hat, wie Happy es sein wird - immerhin ist Wilson dem Tode geweiht, da wären durchaus auch ungewöhnlichere Interpretationen eines „Happy End“ denkbar.

Deutlicher Pluspunkt für den langjährigen Zuschauer sind die vielen Gastauftritte früherer Darsteller. Insbesondere die Anwesenheit von Cameron und die Abrundung ihrer Geschichte ist hier erwähnens- und lobenswert. Andererseits ist das Fehlen von Cuddy ein wenig betrüblich.

Dem Ende der Serie House würdig ist nach acht Staffeln sicherlich, dass die Produzenten für die Schlussszene von House und Wilson nochmal ein bisschen tiefer in die Tasche gegriffen und eine Freilandszene aus der Hubschrauberperspektive gedreht haben. So bleibt das Serienende trotz Wilsons Krebserkrankung und dem von ihm klar angesprochenen, unvermeidbaren und schmerzhaften Krebstod durchaus hoffnungsvoll - nicht zuletzt dadurch, dass House gezeigt hat, dass er für den Freund bereits ist, sich zu ändern.

Zu kritisieren sind hingegen einige Eigenarten, die die Serie bereits in den letzten Staffeln kennzeichneten. Zum einen treibt das dialoglastige Serienfinale das Verwirrspiel um die „Wahrheit“ auf die Spitze: House wechselt fast die gesamte Episode über kaum ein aufrichtiges Wort mit seinen Kollegen, sondern manipuliert seine Umgebung bewusst mit Lügen.

Und während die Handlung der Episode „Letzter Akt: Reichenbach“ sich spannungsreich entwickelt, so muss man doch bei Analyse des Gesamtbildes kritisch die Stirn runzeln: Houses Plan war es also, seinen eigenen Tod vorzutäuschen. Dabei ging er aber trotz vieler Schnörkel in der Vorbereitung - etwa, es sich im Vorfeld mit Foreman und Wilson zu verscherzen - so ungeschickt vor, dass er sich beinahe tatsächlich selbst umgebracht hätte, weil er im brennenden Haus zunächst das Bewusstsein verlor und sich schließlich über seinen eigenen Plan nicht mehr im Klaren war.

Diese Art des sich fast narzisitisch in der Schönheit der eigenen Erzählung Verlierens hat spätestens seit Formean, Chase und Cameron deutlich ins Abseits gerückt wurden, nicht wenige Fans der Serie verärgert - und den als Verantwortlich ausgemachten Serienerfinder David Shore und seinen Co-Showrunner Katie Jacobs viel Fansympathien gekostet.

Fazit

Im Serienfinale von House halten sich spannende Unterhaltung, eine abwechslungsreiche Mischung an beliebten Gaststars und eher langatmige Dialoge die Waage. Die bei Gesamtbetrachtung der Handlung löchrige Logik vermiest ein wenig den sehr starken und positiven sowie schön inszenierten Schluss der Episode und somit der Serie.

Schauspieler in der Episode Dr. House 8x22

Darsteller   Rolle
Robert Sean Leonard …………… Dr. James Wilson
Hugh Laurie …………… Dr. Gregory House
Omar Epps …………… Dr. Eric Foreman
Jesse Spencer …………… Dr. Robert Chase
Peter Jacobson …………… Dr. Chris Taub
Odette Annable …………… Dr. Jessica Adams
Charlyne Yi …………… Dr. Chi Park
Olivia Wilde …………… Thirteen
James LeGros …………… Oliver
Karolina Wydra …………… Dominika House
Jennifer Crystal Foley …………… Rachel Taub
Zena Grey …………… Ruby
Diane Baker …………… Blythe House
Andre Braugher …………… Dr. Darryl Nolan
Anne Dudek …………… Dr. Amber Volakis
Jennifer Morrison …………… Dr. Allison Cameron
Kal Penn …………… Dr. Lawrence Kutner
Amber Tamblyn …………… Martha M. Masters
Sela Ward …………… Stacy Warner
Patrick Price …………… Nurse Jeffrey Sparkman
Jaclyn Jonet …………… Amy
Patrick O'Connor …………… Dr. Frankel
Patrick Quinlan …………… Patient #1
Bobbin Bergstrom …………… Nurse (as Bobbin Bergstrom-Busey)
Jorga Caye …………… Pub Patron
Nadia RiverStone …………… Nurse (as Nadia Pandey)
Elan Goldstein …………… PHD Student
Eric Paul Mercaldo …………… Cameron's Husband
Joshua Paule …………… Patient
Michael Prather …………… Reporter