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Dr. House 6x04 Tyrannen

Dr. House 6x04 Tyrannen

Weiterhin Chaos in der diagnostischen Abteilung des Princeton Plainsboro: Greg House will zurück in seinen alten Job, aber seine Lizenz ist nach dem Psychiatrieaufenthalt immer noch ausgesetzt. Foreman droht, seine jüngste Beförderung durch House' Rückkehr zu verlieren. In diese Situation kommt auch noch der sehr vermögende Geschäftsmann Roy, der fordert, dass sich Greg House persönlich um seinen Sohn Jack kümmert. Der ist sein einzig überlebendes Familienmitglied. Cuddy untergräbt die Autorität von Foreman zugunsten von House.

Während Chase und Cameron um das Leben des jungen Jack kämpfen, verfolgt Chase weiterhin seine Entscheidung im Fall des afrikanischen Diktators Dibala.
Nach ihrer Entlassung aus der diagnostischen Abteilung will sich 13 zur Ablenkung eine Reise ins Ausland gönnen. Doch ihre Pläne werden sabotiert. Wer steckt dahinter? Der manipiulative House? Oder doch ihr Ex Foreman?

Während Chase unter der Verantwortung für seine Tat leidet kommt auch Roy zu der Überzeugung, dass das Pech seiner Familie und die Krankheit seines Sohns eine Strafe des Universums für seinen Reichtum sind...

Verschiedene Fragen begleiten mich seit der neuesten House-Episode. Manche sind wichtig: Die Frage, wie ich an Stelle des Teams gehandelt hätte. Manche auch nicht: Beispielsweise, warum sich Hugh Laurie scheinbar nur zu Beginn einer Staffel die Haare schneiden lässt?

Beides führt an dieser Stelle schon zu weit. Die sechste Staffel hat den Drogen befreiten und geistig stabileren House inzwischen ins Princton Plainsborough zurückgebracht. So vermutet man zumindest nach der Episode Epic Fail. Dort herrscht inzwischen Foreman (Omar Epps) über die Abteilung der diagnostischen Medizin und hat in kürzester Zeit das fertig gebracht, wozu House drei Jahre brauchte - er steht völlig ohne Team da. Taub (Peter Jacobson) hat gekündigt, 13 (Olivia Wilde) hat er selbst gefeuert.

Gestatten, Dibala

Zeit und Gelegenheit für Cuddy (Lisa Edelstein) also, den Fans der Serie einen alten Wunsch zu erfüllen - Chase (Jesse Spencer) und Cameron (Jennifer Morrison) kehren in das so vertraute Doppelbüro zurück, um ihren ehemaligen Kollegen zu unterstützen.

Der kriegt mit dem neuen/alten Team gleich eine besonders „harte Nuss“. Und das in mehrfacher Hinsicht. Ein afrikanischer Diktator mit Namen Dibala (fantastisch durch James Earl Jones verkörpert) besucht für einen Auftritt vor der UN die USA. Vor dem eigentlichen Grund seiner Reise entscheidet sich der Afrikaner allerdings, seinen Sohn, der in Princton studiert, zu sehen.

Während dieses Besuches kollabiert er und wird ins Princton Plainsborough eingeliefert. „Diktator Jones“ und seine Herrschaftspraktiken scheinen als Parabel auf die gegenwärtige Situation in Darfur geschrieben worden zu sein. Für den Handlungsbogen der Episode ergibt sich so eines der berühmtesten moralischen Dilemmata überhaupt:
Darf man einen Mörder retten, wenn man weiß, dass er wieder morden wird?

Exkurs: House 101

Die treuen Zuschauer wissen, dass sich die Autoren von House mit Vorliebe an derartigen Problemen versuchen. Spontan kommt der Opener von Staffel 2 ins Gedächtnis, als es darum ging, einen zum Tode verurteilten Mörder zu heilen. Aber mit dieser brutalen Wucht, waren weder die Ärzte noch die Fans bis dato konfrontiert.

Gut bei House ist in solchen Situationen, dass es House gibt. Dieser interessiert sich nämlich in der Regel nicht für den moralischen Aspekt einer Behandlung, sondern für das Rätsel der Krankheit. Für ihn gibt es in der Regel nicht mal so etwas, wie eine moralische Seite der Behandlung. In dieser Episode wird es daher Zeit, ihn zurückzuholen.

Der Feind in meinem Büro

Foreman, Cameron und Chase verlassen Cuddys Büro, wo Cameron ihrem Unmut über die Behandlung dieses speziellen Patienten schon deutlich Luft gemacht hat, dann geht es für das Team zurück in das eigene Büro. Was folgt, ist die lustigste Szene der ganzen Episode:
Im Büro wartet, in die Patientenakte vertieft, House, der kurz aufschaut, als das Team den Raum betritt, um sich dann Houselike zum Dienst zurückzumelden:
You guys? It's three years ago! Does that mean, I'm still crazy?

Foreman, der sichtbar Angst um seine Chefrolle hat, drängt auf ein gemeinsames Gespräch mit Cuddy. Die stellt klar, dass House, da er seine Lizenz noch nicht zurückerhalten hat, das Team nicht leiten kann, aber „wir Idioten wären, wenn wir nicht auf ihn hörten“. House ist folglich als Ratgeber zurück und ganz leise nostalgische Gefühle (und Vorfreude) kommen tatsächlich auf, wenn man die „Original Vier“ wieder zusammen arbeiten sieht.

Nebenkriegsschauplatz

Weniger glatt läuft es für House in seinem Privatleben. Ein Nachbar (Gaststar David Marciano, The Shield) beschwert sich bei Wilson über den Lärm, welcher durch den Stock von House entstünde. Die Episode nimmt an dieser Stelle ihre kritischste Wendung. Es gibt keinerlei Szene mit House und dem „Patienten der Woche“, da Cuddy House jeglichen Patientenkontakt untersagt hatte. Dieser zieht es bekanntlich sowieso vor, die Menschen zu heilen, ohne sie dabei sehen zu müssen.

Um House aber genug Raum für seine Charakterentfaltung zu geben, präsentieren uns die Autoren einen alten kanadischen Vietnamveteran, der völlig zurückgezogen lebt und in meinen Augen eigentlich nicht für komödiantische Szenen taugt. House fühlt sich, es war nicht anders zu erwarten, durch die Behauptung sein Stock würde zu viel Lärm machen, provoziert - und versucht den Kanadier vorzuführen. Es ist der typische House. Er bricht in die Wohnung des anderen ein, bezichtigt ihn der Lüge und entführt ihn zu guter Letzt.

Die Lage spitzt sich zu%26copy;%26nbsp;FOX
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Zu diesem Zeitpunkt hat sich das Verhältnis der beiden allerdings schon grundlegend geändert. Nachdem Wilson (Robert Sean Leonard), um den Frieden mit seinem Nachbarn zu bewahren, sogar bereit war, House vor die Tür zu setzen, bedienen sich die Autoren eines Tricks. Sie spiegeln den alten, schmerzverzerrten, drogensüchtigen House in dem Kanadier. Dieser hatte ihm Krieg einen Arm verloren und empfindet seitdem extreme Phantomschmerzen im fehlenden Körperteil. Ganz offensichtlich wird die Spiegelung durch den folgenden Satz des Kanadiers:
Sie wissen nicht, wie das ist, rund um die Uhr diese schlimmen Schmerzen zu haben!

Menschlich ist House vermutlich sehr lange kein Satz derart nahe gegangen. Man ahnt, dass er helfen will. Er betäubt den Kanadier und versucht in mit einer „magischen Box“ zu heilen. In dieser wird mittels eines Spiegels ( - Ich musste wirklich grinsen, als ich den „alten“ und geheilten House nur durch einen Spiegel getrennt, gesehen habe - ) das verlorene Körperteil wieder sichtbar. Das gibt dem Kanadier die Möglichkeit, die Schmerzen abzuschütteln.

Finale

Im Krankenhaus entwickeln sich die Dinge inzwischen kritisch. Das Team leidet immer stärker unter dem Druck, dass es einem Menschen helfen soll, der keinen Zweifel daran gelassen hat, einen Genozid zu verüben, sobald er geheilt ist.

Chase wird von einem Afrikaner während des Praxisdienstes angefleht, Dibala sterben zu lassen. Dieser beschuldigt Cameron eines Mordversuches, diese gibt dem Armeechef falsche Informationen über den geistigen Zustand des Präsidenten, bis Dibala am Ende aufgrund einer falschen Behandlung tatsächlich stirbt. An dieser Stelle sei nicht gesagt, wer den Tod zu verantworten hat, nur so viel sei verraten, das Team deckt sich gegenseitig, um die Schuld zu vertuschen.

Das Team diskuttiert%26copy;%26nbsp;FOX
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Fazit

Die dritte Episode der sechsten Staffel wollte sehr viel, aber was ihr fehlte, ist die Entscheidung für eine klare Haupthandlung.

Positiv war aber definitiv die Rückkehr und gemeinsame Dynamik des alten Teams. Die Los Angeles Times sprach in ihrem Episodenrückblick sogar davon, dass die alte Mannschaft in der einen Episode eine Spannung und Bewegung erreicht habe, welche das neue Team nie geschafft habe. Ich kann dem nicht widersprechen.

Der Humor nahm in dieser Episode wieder einen großen Platz ein. House notiert beispielsweise die richtige Diagnose schon vor der Teambesprechung auf die Jalousien des Büros. Nur vermischt sich der Humor leider zu oft - was uns zu den negativen Aspekten führt - mit tragischen Szenen. Diese werfen immer wieder die Fragen auf, ob man wirklich auf diese Art und Weise für Lacher sorgen sollte. Die treuen Fans werden sich erinnern, dass zu Beginn der Serie sehr häufig die Praxisstunden für die humorvollen Einlagen genutzt wurden, um genau dieses Problem zu umgehen. Im Laufe der Serie fing die Gesprächsdynamik die zurückgehenden Praxisstunden auf. Diese Dynamik gelingt auch dieser Episode. Nur bleibt man nicht dabei stehen.

Das größte Problem der Episode habe ich aber schon oben beschrieben. Es fehlt die Entscheidung für eine klare Haupthandlung. Die Folge behandelt ein sehr ernstes moralisches Dilemma. Es gibt dabei aber keine Konfrontation zwischen House und dem Patienten. Vermutlich weil die Autoren keine treffende Antwort hatten, wie der geheilte House sich dem moralischen Problem entziehen sollte.

In der Folge weicht House auf den Nachbarn aus und eröffnet so einen weiteren großen Handlungsstrang. Parallel muss sich Foreman wieder mit 13 versöhnen. Und alle müssen das Fehlen von Taub überspielen, der übrigens nach meiner Meinung nicht wirklich gefehlt hat. Nicht einmal den Figuren in der Folge.

Ergebnis ist trotz der handwerklichen Klasse der Episode eine zerfaserte Erzählung, in die versucht wurde, alle klassischen House-Elemente „hineinzuquetschen“, was zur Überfüllung geführt hat. Viele, inklusive mir, werden die Folge insgesamt mögen - aber kaum jemand wird sie zu seiner Lieblingsfolge erklären. Und dies ist vor dem Hintergrund des ernsten und schwierigen, aber lohnenden Themas vermutlich eine Niederlage der Serie.

Schauspieler in der Episode Dr. House 6x04

Darsteller   Rolle
Robert Sean Leonard …………… Dr. James Wilson
Hugh Laurie …………… Dr. Gregory House
Lisa Edelstein …………… Dr. Lisa Cuddy
Omar Epps …………… Dr. Eric Foreman
Jennifer Morrison …………… Dr. Allison Cameron
Jesse Spencer …………… Dr. Robert Chase
Olivia Wilde …………… Thirteen
Lee Tergesen …………… Roy
Tanner Maguire …………… Jack
Steve Kramer …………… Ken
Michael Dean Connolly …………… Oliver
M.K. Bakshi …………… Pete
Liz Benoit …………… Nurse Anne
Cindy Lu …………… Nurse Diane
Tim Kahle …………… Dr. Johnson
Kavi Raz …………… Driver
GiGi Hessamian …………… Marina
Bobbin Bergstrom …………… Nurse
Veronica Parks …………… Nurse