ZDF: Mit Digitalkanal zu mehr jungen Zuschauern?

Der ZDF-Fernsehrat hat in seiner Sitzung am Freitag beschlossen, den digitalen Spartensender ZDFdokukanal zum Zielgruppenprogramm für junge Zuschauer, insbesondere junge Familien, umzustrukturieren.
Der Sender soll vor allem die dem ZDF in den letzten Jahren im Hauptprogramm verloren gegangenen Zuschauer der 25- bis 50-jährigen ansprechen. Nachrichten und Sport werde es auf dem neu gestalteten Digitalsender nicht geben, stattdessen soll das Programm aus „Dokumentation, Reportage, Film, Serie, Magazin, Show und Talk“ bestehen. Die Hauptsendezeit soll diesen Plänen zufolge vor allem mit „einer Mischung aus hochwertiger Fiktion und erstklassigen Dokumentationen“ bestritten werden.
Zu verstehen sei das Digitalangebot nicht nur als Ergänzung zum Hauptprogramm des ZDF, sondern als „Innovationsmotor“ für die ganze ZDF-Familie. So sollen auf dem Sender neue Formate und Genres ausprobiert - und im Erfolgsfall ins ZDF-Hauptprogramm übernommen werden. Die Prime Time des neuen Senders ist um eine Stunde nach hinten verschoben. So soll sich - gemäß der Familienorientierung des Programms - der Vorabend von 17 bis 21 Uhr erstrecken. Danach wende man sich an ein durchweg erwachsenes Publikum.
In einem bemerkenswerten Akt der Selbsterkenntnis gestand ZDF-Intendant Markus Schächter ein, dass das ZDF einen großen „Nachholbedarf“ bei den jungen Zuschauern habe. Dass so viele von diesen in den vergangenen Jahren zu den kommerziellen Anbietern abgewandert seien, nannte Schächter „besorgniserregend“. Das neue Digitalangebot solle eine Qualität und Modernität liefern, wie sie das junge Publikum vom ZDF-Hauptprogramm nicht mehr erwarten würden.
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Nun ist Selbsterkenntnis bekanntlich der erste Schritt zur Besserung. Und so würde man gerne glauben, dass das ZDF mit dem Umbau des ZDFdokukanals tatsächlich einen Neuanfang in Richtung junges Publikum wagen will. Immerhin war es der ZDFdokukanal auf dem das ZDF vor kurzem (wohl als eine Art Testlauf) „Veronica Mars“ um 20.15 Uhr, also zur besten Sendezeit, hatte zeigen wollen, was dann lediglich an rechtlichen Schwierigkeiten gescheitert ist. Wenn das die neue Qualität ist, die das ZDF dort vor Augen hat, so könnte ich (und wohl auch manch anderer Serienjunkie) dort Stammzuschauer werden.
Doch ist Skepsis angebracht. Lang ist die Liste der halbherzigen und deshalb gescheiterten öffentlich-rechtlichen Versuche, dem jungen Publikum abseits von Sport und Spielfilmen näher zu kommen. Letztlich wird es darauf ankommen, dass das ZDF beweist, dass es in der Lage ist, anders als in der Vergangenheit, vorhandene Programmresourcen wie „KDD“ (Serienjunkies vom 2. Mai 2008) oder „Slings & Arrows“ (Serienjunkies vom 30. September 2008) geschickter zu bündeln, und willens ist, für neue Programme (ob Einkäufe oder Eigenentwicklungen) das nötige Geld in die Hand zu nehmen. Nur zum Vergleich: Die britische BBC hat den überaus aufwenigen „Doctor Who“-Spin-Off „Torchwood“ ursprünglich für den digitalen Spartenkanal BBC HD produziert.
Sollte sich das ZDF daran ein Vorbild nehmen, so besteht vielleicht doch noch Hoffnung für das öffentlich-rechtliche Fernsehen hierzulande.
Christian Junklewitz am Sonntag, 12.Oktober 2008 12.00 Uhr
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