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Witches of East End: Unheil zieht auf - TV-Kritik

Die Schwestern Ingrid (Rachel Boston) und Freya (Jenna Dewan-Tatum) in „Witches of East End“ / (c) Lifetime
Die Schwestern Ingrid (Rachel Boston) und Freya (Jenna Dewan-Tatum) in „Witches of East End“ / (c) Lifetime

Sixx hat mit Witches of East End eine neue Hexenserie von Maggie Friedman, der Macherin hinter Eastwick, ins Rennen geschickt. Wie verzaubert wir von der Pilotfolge waren - oder auch nicht -, erfahrt Ihr im Review.

Hexen sind im US-amerikanischen Fernsehen ein regelmäßig auftauchendes und meist positiv aufgenommenes Thema, wie Serien wie Bewitched, Sabrina, the Teenage Witch und Charmed bewiesen haben. Während Trends bezüglich Fantasiewesen in den Medien auch im Kino zu verfolgen sind (zuletzt Engel und Vampire), hat sich die Autorin und Produzentin Maggie Friedman scheinbar schon vor Jahren auf das Thema der magiebegabten Damen eingeschossen. Zunächst versuchte sie sich 2007 im Pilot zu Spellbound an einer Geschichte über eine Lebensberaterin und Hexe, ein Projekt, das von The CW nicht weiter verfolgt wurde. Danach nahm sie sich des Romans „The Witches of Eastwick“ von John Updike an, welchen sie für ABC in die Serie Eastwick verwandelte. Einem magischen Dreierschritt folgend, zieht sie nun Witches of East End aus dem Hut, dessen Pilotepisode am Sonntagabend auf dem Sender Lifetime debütierte. Als Vorlage diente dieses Mal der gleichnamige Roman von Melissa de la Cruz.

Die Macht von Zweien kann keiner entzweien?

Die Frauen der Familie Beauchamp sind Hexen, jedoch ist die arkane Veranlagung etwas, das Mutter Joanna (Julia Ormond) den beiden Töchtern bislang verschwiegen hat. Ingrid (Rachel Boston) ist eine belesene und bodenständige junge Frau, die als Bibliothekarin arbeitet und ihr Leben im Griff hat. Ihre Schwester Freya (Jenna Dewan-Tatum) hingegen ist ihr impulsives Gegenstück. Sie jobbt in einer Bar. Doch läuft es bei ihr auf romantischer Ebene wie im Bilderbuch, denn in Kürze steht die Hochzeit mit ihrem verlobten Dash Gardinier (Eric Winter) an. Der millionenschwere Göttergatte scheint wie die perfekte Partie - bis sein Bad-Boy-Bruder Killian (Daniel DiTomasso) aufkreuzt, der typischerweise noch ein wenig interessanter als sein glattgeleckter Bruder ist.

Unterdessen macht sich eine Formwandlerin in Gestalt der Mutter daran, das Haus und die bürgerliche Fassade des Hexenhaushalts zu infiltrieren. Dies gelingt im zweiten Anlauf, als die Doppelgängerin mit den grünleuchtenden Augen einen jungen Mann aus einem Wüstenbild im Anwesen der Familie befreit. Der zu Recht erzürnte Gentleman, der durch 80 Jahre im sonnigen Gemälde einen ungesund-tomatenroten und nicht ganz unkomischen Sonnenbrand davongetragen hat, bekommt von seiner Retterin die Gelegenheit zur Rache geboten, denn auch sie ist kein Beauchamp-Fan.

Dies ruft Joannas Schwester Wendy (Madchen Amick) auf den Plan, die in Katzenform zunächst von einem Auto überfahren wird und eines ihrer Leben einbüßen muss. Die beiden Geschwister haben sich seit den 70er Jahren nicht gesprochen, was aber kein großes Drama ist, denn Hexen sind im Prinzip unsterblich. Wendys Sterblichkeit rührt von einem Fluch her, der ihr vermutlich auch die feline Verwandlung ermöglicht. Auch Joanna ist mit einem Fluch belegt, der wiederum zum düsteren Hintergrund der gesamten Serie wird:

Viele Male hat sie bereits über die Jahrhunderte ihre beiden Töchter geboren und sie als Hexen aufgezogen. Noch ehe sie das 30. Lebensjahr erreichen, kommen sie jedoch um. Jedes Mal ist die Hexerei der Grund ihres verfrühten Todes und jedes Mal ist Joanna kurz darauf wieder schwanger. Dieses Mal soll deshalb alles anders werden, und der Grund für die Geheimniskrämerei ist gelüftet. Wendy und die Tarotkarten versichern jedoch, die Töchter werden bald von ihren Kräften erfahren. Sie werden dies auch müssen, denn ein Feind der Familie trachtet den Beauchamps nach dem Leben - und es gibt durchaus Möglichkeiten, den Tod für Hexen permanent zu gestalten.

Ingrid und Freya entdecken unterdessen ganz von allein ihre übernatürliche Begabung: die sonst kritisch denkende Ingrid, weil sie einer Freundin aus Schabernack mit einem Fruchtbarkeitszauber aus dem Internet helfen möchte, der unverhofft effektiv wirkt; Freya hingegen, weil ihr romantischer Konflikt sich in allen möglichen Special-Effects um sie herum äußert, inklusive sich verfärbender Pflanzen und explodierender Blumenbouquets. Kaum ist die sprichwörtliche Katze offiziell aus dem Sack, wird Mutter Joanna verhaftet, denn die Doppelgängerin hat zu Beginn der Folge einen Nachbarn „nach Belize geschickt“.

Gecliffhangert werden wir mit einer überforderten Ingrid, an der die Rettung ihrer Schwester hängen bleibt. Diese wurde nämlich zwischenzeitlich von dem krebsroten Flüchtling in eine Fotografie verbannt, wo der nach Rache Lüsterne sie töten könnte, ohne dass ihr eine Wiedergeburt widerfahren würde. Wie sich herausstellt, war der junge Mann - ebenso wie die verbotene Mannesfrucht Killian - ein Geliebter aus einem früheren Leben.

Eene meene Rattenschwanz, der Rezensent weiß nicht so ganz...

Während die im Vorfeld veröffentlichten Bilder zur Serie sowie der Trailer den Rezensenten schon haben glauben lassen, im Pilot-Lotto eine weitere Niete gezogen zu haben, hatte die erste Stunde von Witches of East End überraschenderweise mehr zu bieten, als gedacht. Sie kommt aber ärgerlicherweise auf sämtlichen Ebenen als gemischte Tüte ambivalenter Qualität daher. Während die Darstellerinnen der älteren Schwestern Julia Ormond und vor allem Madchen Amick, die anscheinend wirklich Spaß hatte, in ihren Rollen eine brillante Figur machen, sind die Szenen mit den beiden jüngeren Schwestern beinahe zum Abschalten. Rachel Bostons permanent-überraschter Gesichtsausdruck wirkt in jeder einzelnen Szene, als habe sich gerade unerwartet jemand vor ihr entblößt und Jenna Dewan-Tatums Performance als die Oberflächliche ist dermaßen überzeugend, dass ihre Figur absolut unsympathisch bleibt.

Gemischte Tüte, die Zweite: Wenn die Zusammenfassung der Handlung zum Teil nach Schnulzroman vom Bahnhofs-Kiosk klingt, ist das kein Zufall. Das gesamte Liebesdreieck zwischen Freya, ihrem Verlobten und dem Bad-Boy-Lover aus einem früheren Leben ist eine wahre Zumutung. Nicht nur, weil die männlichen Darsteller durchweg wie aus einem Bekleidungskatalog gecastet scheinen. Die Serie verfällt vom Look her tatsächlich in Fabio-Cover-Ästhetik. Auf der anderen Seite muss gesagt werden, dass die Mythologie hinter der Serie und die Einführung der Regeln um die Aspekte der Hexerei viel interessanter sind, als man es hätte vermuten können. Schon jetzt ist das East-End-Lore spannender, als alles was Charmed mit seinen inkonsequenten Magieregeln je aufgetischt hat.

Eine gewisse Affinität zum Hexenthema (sowie eine gut ausgeprägte Kitschresistenz) ist vermutlich Voraussetzung für den Genuss von Witches of East End, was bei dem geneigten Verfasser dieser Zeilen zufällig der Fall ist. Die Münze bezüglich der Zukunft der Serie dreht sich derzeit noch in der Luft und könnte auf jede der beiden Seiten der Qualitäts-Marke fallen. Bleibt zu hoffen, dass die vielversprechende Mythologie ausgebaut wird und die Figurendramatik vermehrt an den beiden Schwesternpaaren interessiert bleibt, wo die Stärke der Serie liegt und sich nicht zu sehr um die Pappmachémänner drehen wird. Romantik darf zwar seinen Anteil in dieser noch sehr seichten Serie haben, wünschenswerterweise jedoch nicht in Form des abgenuckelten Dreiecks, welches so unraffiniert in der Pilotepisode eingeführt wurde.

Mario Giglio

Der Artikel Witches of East End: Unheil zieht auf - TV-Kritik wurde von Mario Giglio am Uhr erstmalig veröffentlicht.

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