Wie die Briten zu ihren Qualitätsserien kamen (3)
Teil 3: Man braucht ein gutes Buch, ein gutes Buch, ein gutes Buch...

Vom schottischen Schullehrer zum internationalen Star-Autor: Steven Moffat, eine britische Autorenkarriere
(c) BBC
Dass man für einen guten Film ein gutes Drehbuch benötigt, ist geradezu eine Binsenweisheit des Filmgeschäfts. Welche äußeren Umstände das Entstehen guter Drehbücher jedoch fördern, ist schon viel weniger offensichtlich - und Gegenstand des dritten Teils der Artikelreihe zur britischen Qualitätsserie.
Welche Berufsgruppe für das Gelingen oder Nicht-Gelingen eines Films in besonderer Weise verantwortlich gemacht hat, unterliegt bisweilen großen kulturellen Differenzen. Die französische Tradition sieht den réalisateur - mit anderen Worten: den Regisseur - als die entscheidende kreative Kraft hinter einer Produktion. Das geht so weit, dass dem Regisseur der Status eines auteurs zugewiesen wird - so als könne dem Regisseur ähnlich wie einem Romanschriftsteller die alleinige kreative Gestaltung des Endprodukts zugeschrieben werden.
In der deutschen Rezeption dieses Konzepts wurde ab Ende der 60er Jahre daraus das Kino der Autoren, also ein Kino der Regisseure, die sich dann auch als Autoren probierten. Mit Resultaten, die nicht selten am Dilettantismus vorbeischrammten.
Eine ganz andere kulturelle Tradition stellt den Verfasser der schriftlichen Vorlage als die ausschlaggebende kreative Kraft in den Mittelpunkt. Wie beispielsweise das US-amerikanische Fernsehen, welches sich in seinen Anfangstagen hauptsächlich am zeitgenössischen Theater orientierte, für welches das Stück und damit der Bühnenautor der Dreh- und Angelpunkt des eigenen Selbstverständnis war. Aus dieser Tradition heraus wurde der Autor als Ideen- und Stofflieferant der Hauptantriebsmotor für die Serienentwicklung in den USA.
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| Aus dem Vorspann von „Die Profis“ |
Einen möglicherweise noch höheren Stellenwert als in den Staaten nimmt der Autor in der britischen Fernsehgeschichte ein: Der medienhistorische Hintergrund dafür - die Wurzeln des TV-Dramas in der Theatertradition - ist derselbe. Die Ausprägung, die die Dominanz des Autors im britischen Fernsehen erfährt, ist jedoch noch um ein Vielfaches stärker. Während sich im Kino Regisseure im Vorspann gerne attestieren lassen: „Ein Film von...“/„A ... Film“, während der Autor irgendwo unter Fernerliefen genannt wird, ist es in britischen Serien genau anders herum: Hier ist es häufig der Drehbuchautor, der den „by“-Credit erhält.
Selbst in Soap Operas, deren deutsche und amerikanische Gegenparts die Mitglieder ihres jeweiligen Autorenteams verschämt in den Abspann verbannen (der meist neben der Vorschau für die nächste Folge völlig untergeht), werden in Großbritannien einzelne Folgen individuellen Autoren zugeschrieben, deren Name an prominenter Stelle im Vorspann genannt wird.
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| „Coronation Street“, eine Soap mit Autor |
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Christian Junklewitz am Montag, 15.Februar 2010 12.00 Uhr
4 Leserkommentare
| wibi44 vor 2 Jahren: | Platz 6 in der Community Top-100 |
Sicher sind gute Autoren einer der primären Aspekte für eine wirkliche Qualitätsserie. Leider wird dies in Deutschland ja immer noch nicht verstanden. Oder besser gesagt, es wird kaum gefördert. Hier funktionieren echte Serienperlen, wie "KDD" oder auch "Abschnitt 40", meist auch nur, wenn der Serienerfinder einen Großteil der Bücher übernimmt bzw. als ausführender Produzent tätig ist. Und die Experimentierfreude ist in Deutschland stark begrenzt. Dachte man noch in den 80iger und Anfang der 90iger Jahre, die Privaten würden Gutes liefern, änderte sich das sehr schnell, als man mit Billigproduktionen und sogenannten Realityformaten wesentlich billiger Werbegelder einsammeln konnte. Und für so etwas genügen locker fünftklassige Autoren, die wahrscheinlich auch nur nebenberuflich arbeiten. Insgesamt beschränkt sich in Deutschland gutes Serienmaterial auf den Kriminalbereich, und dort auch immer öfter auf die Filmproduktionen der Öffentlich-Rechtlichen. Die wöchentliche Serie stagniert im ZDF im Bereich der SOKOs und in der ARD ist sie kaum noch vorhanden - Ausnahme die Seniorenserien wie "In aller Freundschaft". Selbst die eigentlich beliebte Thematik im Anwaltsgenre liegt brach was mich persönlich wirklich wundert, denn nirgends kann man so viele Stories unterbringen wie in einer Anwaltskanzlei. Ich bewundere schon das britische Fernsehen, dass auch keine höheren Budgets als das deutsche Fernsehen hat, aber immer wieder sehr gute Serien schafft. | |
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| __xx__thx1138 vor 2 Jahren: | |
@wibi44: Du bist Off-Topic. Die Insel, nicht Deutschland ist das Thema. @Christian: Auch wieder ein toller Artikel, doch kommt die Bedeutung der Autoren jetzt sehr kurz. Was das aktuelle Geschehen angeht, erwähnst du zwar die Misfits, doch ist das trotz Torchwood auch nur eine recht oberflächliche Abhandlung der Themen, die du in den ersten beiden deiner Serie angesprochen hast. Da wird es auch eine Entwicklung in der Autorenschaft gegeben haben, die du hier einfach nicht ansprichst. Hochinteressanter Artikel, doch die Verbindung zum aktuellen Uk-TV fehlt hier zum ersten mal in deiner Serie. Was irgendwie doof ist, da die Autoren auf der Insel König sind - zuletzt geändert:17.02.2010 03:49 | |
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| Christian vor 2 Jahren: | Platz 41 in der Community Top-100 |
@thx1138: Das stimmt. Als alter Fernsehhistoriker hatte ich jetzt tatsächlich mehr die geschichtliche Seite im Blick (mit der Fragestellung: Was ist überhaupt das Fundament der Entwicklung, die wir heute beobachten?). Ich bleib an dem Thema (auch unter Berücksichtigung der aktuellen Tendenzen) aber auf jeden Fall dran! | |
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| __xx__thx1138 vor 2 Jahren: | |
Danke. Hmmm, du hast doch bestimmt noch viel mehr Fachartikel zum Thema, die hier reinpassen... GibGibGib | |
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