 Serienjunkies - Alles zu deinen Lieblingsserien.
Wie die Briten zu ihren Qualitätsserien kamen (1)
Teil 1: Anders als die anderen... Besonderheiten der britischen Seriengeschichte
 Paradebeispiel für innovatives Fernsehen aus Großbritannien: „Life on Mars“ (c) 2006 BBC
Großbritannien ist nicht nur die Heimstatt der Queen, des Fünf-Uhr-Tees und des Crickets, sondern auch Ursprungsland einer Vielzahl qualitativ überragender TV-Serien. In einer vierteiligen Artikelreihe versucht Christian Junklewitz nachzuzeichnen, auf welchen Grundlagen die hohe Kreativität britischer Serien beruht.
Vor einigen Jahren bin ich in einem Artikel der Frage nachgegangen, wie Amerika zu seinen Qualitätsserien kam (Serienjunkies vom 19.11.2006). Anlass für meine Betrachtungen damals war ein Seminar an der Uni Köln gewesen, in dem ich einen Gastvortrag über die US-amerikanische Fernseh- und Seriengeschichte hatte halten sollen - in den 90 Minuten, die mir zur Verfügung standen, aber kaum über die 50er Jahre hinauskam. Ich versprach den Studenten, das ihnen Entgangene zu verschriftlichen. Und weil ich dabei gerade schon einmal war, entstand daraus dann ein Artikel für Serienjunkies.
„Wie die Briten zu ihren Qualitätsserien kamen (1)“ nachzulesen bei Serienjunkies
Drei Jahre später. Gleiche Situation. Wieder ein Seminar (diesmal an der Uni Hamburg). Wieder ein Gastvortrag. Und wieder waren 90 Minuten einfach nicht genug... Deshalb also an dieser Stelle eine kleine Abhandlung über eine hochaktuelle Frage: Wie lässt sich verstehen, dass ausgerechnet Großbritannien zum kreativen Zentrum der europäischen Serienentwicklung geworden ist? Welche historischen und ökonomischen Voraussetzungen mussten dafür gegeben sein?
Natürlich könnte man es sich sehr leicht machen und ähnlich, wie dies häufig im Zusammenhang mit den USA geschieht, die Frage einfach über das Geld beantworten: Großbritannien hat für seine Fernsehserien - nicht zuletzt wegen seiner kolonialen Bestrebungen in den Jahrhunderten zuvor, die zu einer globalen Ausbreitung der englischen Sprache geführt haben - einen großen durch die sprachliche Nähe definierten Absatzmarkt, der sicherstellt, dass die Briten sehr viel mehr Geld als beispielsweise wir Deutschen in TV-Produktionen investieren können.
Das ist sicherlich zum Teil richtig. Übersieht jedoch, dass es für britische Produktionen auch gewaltige kulturelle Barrieren gibt: Die Amerikaner mögen zwar genauso wie die Briten englisch sprechen, mit Ausnahme der letzten Jahre, in denen britische Serien ausgehend vom Kabelfernsehen auf geringem Niveau Erfolge erzielen konnten, waren britische Serien über viele Jahrzehnte hinweg auf dem US-Markt kaum bis gar nicht verkäuflich. Weiterführende Links zum Thema:
Links dieses Beitrags: Doctor Who, Flashpoint, Fringe, Lost, Coupling, Queer as Folk, The Office, Life on Mars, Misfits, Medium, Lesley Sharp
Christian Junklewitz am Montag, 1.Februar 2010 12.00 Uhr
© serienjunkies.de KG, Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck, Presseverteiler, News-Clipping, Archivierung, Intranet, etc. nur nach schriftlicher Genehmigung!
| 1. wibi44:Am Montag, 1.Februar 2010 um 12.41 Uhr: |  | | Kommentare: 787 | | Junkie seit: 08.06.09 |
| Zunächst einmal ist zu erwähnen, dass es nirgendwo sonst auf der Welt eine ähnliche Entwicklung des Fernsehens und seiner fiktionalen Inhalte gab wie in den USA. Allerdings zeichnen sich die Briten zum einen durch Stabilität und zum anderen durch Einfallsreichtum aus.
Hinzu kommt, dass sogenannte Spielfilmserien - besonders Crime-Serien - seit langen Jahren eine bemerkenswert hohe Qualität liefern und dies sicher auch auf die wöchentlichen Serien Einfluss nimmt. Wobei die Briten hier etwas gemacht haben, was man in der Breite sicher auch noch nirgendwo getan hat, sie haben Romanvorlagen verfilmt.
In Deutschland hat man es zumindest eine Zeitlang - wenigstens als Mitproduzent - auch versucht. Raumschiff Orion oder auch eine kleine Jerry-Cotton-Reihe sowie der einzig echte Dauerläufer, die Edgar-Wallace-Verfilmungen, entstanden. Leider wird die Qualitätsserie hierzulande oft abgestraft. Ein besonderes Beispiel ist sicher "Blackout". |
|
| 2. Rare83:Am Montag, 1.Februar 2010 um 13.21 Uhr: |  | | Kommentare: 31 | | Junkie seit: 09.06.09 |
| Sehr interessanter Artikel. Ich hatte erst vor ein paar Tagen mit einem Freund eine Diskussion darüber, warum aus Deutschland keine guten Serien hervorgehen.
Der Artikel untermauert mein Argument, dass ich damals hatte, eigentlich ziemlich gut und ich stelle das mal als Frage in den Raum.
Liegt es wirklich daran dass die Deutschen keinen Mut zur Kreativität haben?
Sind wir wirklich nur noch die unkreativen Quadratdenker als die wir auch gerne von außen gesehen werden, die den Abstand zur nichtparken-Zone messen und bei 30 Zentimeter zu wenig einen Strafzettel verteilen?
Sicherlich gibt es einige gute Filmproduktionen aus Deutschland die hervorstechen aber gerade was TV Serien angeht, bekomme ich das Grausen wenn ich sehe was es da so zur Auswahl gibt.
Und als wäre das nicht schon schlimm genug, scheint es in Deutschland kreativ zu sein, bestimmte Konzepte einfach abzukupfern und diese billigst umzusetzen.
Besser schleht geklaut als noch schlechter selber gemacht.
So kommt es mir manchmal vor und entschuldigung falls ich irgendjemand hier damit auf die Füße trete.
Ich maße mir auch keinesfalls an, die Problematik in ökonomischem Sinne wirklich zu durschauen, nur finde ich das einfach nur traurig.
Ich weiss dass es bei uns sehr viele, sehr kreative Menschen gibt die Ideen und Träume haben. Werden diese Menschen einfach zu wenig gefordert? Muss man zu viel zahlen um seinen Traum zu verwirklichen oder fehlt uns einfach eine Traumfabrik wie Hollywood? |
|
| 3. hellfeyer:Am Montag, 1.Februar 2010 um 15.00 Uhr: |  | | Kommentare: 25 | | Junkie seit: 17.08.09 |
| schöner startschuss...sehr gespannt auf die fortsetzung.
sollten wir in D tatsächlich sehr viele, sehr kreative menschen haben, dann fragt sich, auf welchem abschnitt des weges deren ideen krepieren.
warum sind hierzulande nur 2-3 genres möglich?
ist die einteilung in U(nterhaltend) und E(rnsthaft) typisch deutsch?
was ist der (verschuldens-)anteil der öffentlich-rechtlichen gremien? warum sitzen in diesen (und den entsprechenden "kreativ"-abteilungen der privatsender) nicht die kreativsten köpfe überhaupt? liegt es nur an der mangelnden breite des marktes?
im übrigen schluss mit lamentieren, konstruktive kritik inkl. lösungsansätze ist gefragt. hören den vortrag denn auch die richtigen? auf dieser internetseite gilt, was rummäkeln an deutschen serien anbelangt, ja wohl "don't preach to the already convicted"...
lernen von den briten - zumindest in der spitze sollte niveau am start sein. schade, dass es mit kdd z.b. zurzeit "nur" ein krimi schafft, mit konventionen ernsthaft umzugehen... |
|
| 4. goodspeed:Am Montag, 1.Februar 2010 um 16.33 Uhr: |  | | Kommentare: 26 | | Junkie seit: 23.06.09 |
| Um zu erkennen dass es in Deutschland nicht an Kreativität fehlt, muss nur an den gängigen Filmhochschulen eine Pitchsession besucht werden. Viele Konzepte die da belächelt abgewürgt werden, wären Rohdiamanten die man mit einem fähigen Autorenteam veredeln könnte.
Ich bin es müde darüber zu sinnieren warum Deutschland keine Qualitätsserien zustande bringt. Es gibt sicherlich zahlreiche Gründe die dazu beitragen, aber für mich der Hauptgrund, abgesehen davon dass nichts gewagt wird was wiederum auf die Finanzierungspolitik zurückzuführen ist, ist dass die Deutschen weder den deutschen Film noch das deutsche Fernsehen wertschätzen. Die Franzosen und die Briten stehen hinter ihren Produktionen und belohnen diese mit unglaublichen Zuschauerzahlen. In Deutschland dagegen muss man froh sein wenn Qualitätsfilme die 100'000 Marke knacken (und ich red hier nicht von den Bullyfilmen). Es kommen monatlich Spitzenfilme ins Kino die kein Mensch schaut, weil es ein deutscher Film ist. Traurig aber wahr. Und so erginge es auch den Serien. Warum soll man sich deutsche Serien anschauen wenn man doch Lost oder Mad Men ziehen kann?
Deutschland hat die Kreativität aber nicht Mentalität gute Serien zu produzieren.
--
zuletzt geändert:01.02.2010 16:34 |
|
| 5. Mr.Moe:Am Montag, 1.Februar 2010 um 17.32 Uhr: |  | | Kommentare: 17 | | Junkie seit: 12.07.09 |
| Ein entscheidender Unterschied der britischen TV Serie zur amerikanischen liegt in der Episodenzahl pro Staffel.
Während im den USA zwischen 20 und 25 Folgen üblich sind, sind Episodenzahlen von 6 pro Staffel in England nichts seltenes.
Ich weiß zwar nicht, wie die Unterschiede da in früheren Zeiten waren und es ist auch bei manchen Serien in Übersee ein leichter Trend zu weniger Folgen pro Staffel erkennbar, aber dennoch ist das durchaus ein wichtiger Faktor. Denn 3 mal so viele Scripte schreiben lässt sich teilweise nur über Qualität auffangen.
Was natürlich wieder die Frage aufwirft, was die Deutschen da falsch machen. |
|
| 6. maddoc:Am Montag, 1.Februar 2010 um 17.59 Uhr: |  | | Kommentare: 20 | | Junkie seit: 03.06.09 |
| Das mit der Episoden Anzahl hängt an der menge der Leute die an einer Serie schreiben. In den USA sind es fast immer Teams so das auch 20 Folgen drin sind, in England sind es oft nur zwei Leute die an einer Serie schreiben. |
|
| 7. schnuff:Am Montag, 1.Februar 2010 um 19.38 Uhr: |  | | Kommentare: 6 | | Junkie seit: 27.06.09 |
| Poirot! Marple! Keiner strahlt sie aus hier! Okay, 3 Folgen von Poirot werden demnchst mal wieder im MDR wiederholt...... |
|
8. thx1138:Am Dienstag, 2.Februar 2010 um 02.47 Uhr:  |  | | Kommentare: 234 | | Junkie seit: 14.06.09 |
| @Christian: Vielen Dank für diese übersichtliche Zusammenfassung, freue mich schon sehr auf die Fortsetzung(en).
@Mr.Moe: Da gebe ich dir recht, auch wenn gelegentlich in der Vergangenheit mal über zehn Folgen geordert wurde (Beispiele: Robin of Sherwood, Survivors (75er-Version), Blake's 7....). Ich mag diese kurzen Staffeln. Gerade im phantastischem Bereich werden dadurch neue Konzepte ohne stilbrüche auf den Punkt erzählt (aktuell gesehen bei: Apparitions, Dead Set, Being Human).
@maddoc: Nö. Wie kommst du darauf? Wo steht das? Gib mal bitte ein paar Quellen an. Auf diese Weise wären OZ und Babylon 5 nie entstanden.
@schnuff: Janee, iss klar, daher kennt das hier auch keine Sau. Boah, das läuft seit 30 Jahren immer wieder mal irgendwo im öffentlich-rechtlichen. |
|
| 9. MichaBln:Am Dienstag, 2.Februar 2010 um 08.48 Uhr: |  | | Kommentare: 17 | | Junkie seit: 28.10.09 |
| Sehr schöner Artikel ... was mir aber gänzlich fehlt ist die Berücksichtigung des Zuschauers, denn Deutsche schauen nunmal anders TV als die Amerikaner oder Briten. Was im Ausland als Qualitäts-Serie gilt, kann in Deutschland völlig untergehen, das gilt für deutsche Produktionen ebenso wie für die Serien-Importe.
D.h. was dem Zuschauer gefällt, und was nach objektiven Kriterien "Qualität" ist, ist mitunter was völlig anderes.
Zudem werden auch die Serien werbetechnisch schlecht vermarket ... denken wir nur mal an das noch recht frische 30 Rock - Disaster. Auch Lost, 24, Dexter, Veronica Mars ( ... hier weitere 100 Serien-Titel einsetzen ...) alles defacto Flops. Alle Serien haben gemeinsam, unzureichend vermarktet worden zu sein oder an unfähiger Programm-Planung gescheitert zu sein (das haben die Briten wesentlich besser drauf).
Bei dem Versuch "moderne" (klar ist Definitionssache) Formate an den Mann zu bringen sah es in den letzten Jahren auch nicht gut aus ... man denke vor allen Dingen an die vielen (qualitativ schwankenden) CSI-Klone.
Auch werden in Deutschland kaum Reruns ausgestrahlt (in der 1. Woche nach Erstausstrahlung). In der Art und Weise der Vernarktung einer Serie sind sich Großbritanien und die USA einfach viel ähnlicher und ohne die entsprechende Vermarktung ist es eben schwer in Deutschland eine hochqualitative Serie dauerhaft an denn Mann bzw. Markt zu bringen. |
|
| 10. wibi44:Am Dienstag, 2.Februar 2010 um 09.23 Uhr: |  | | Kommentare: 787 | | Junkie seit: 08.06.09 |
| Ich dachte wir sinnieren über britische Serien aber wenn wir schon dabei sind, dann noch etwas zu deutschen Serienproduktionen.
Es gibt in Deutschland sicher genug kreative Köpfe, die auch gute Serienware zustande bringen würden. Aber zwei limitierende Faktoren für Qualitätsserien in Deutschland sind:
a) der deutsche Fernsehzuschauer und
b) die Bezahlung der Autoren.
Wenn man die Einschaltquoten von den wenigen guten deutschen Serien der letzten 10 Jahre verfolgt ist festzustellen, dass der Deutsche mittlerweile lieber schwachsinnige Soaps oder Castingshows jeden Formats sieht als wirklich gute Serien - bei Serials schaltet der deutsche Zuschauer noch schneller ab.
Wirklich gut laufen "Serien" in Deutschland nur in Spielfilmkonzepten wie beim Tatort, Nachtschicht, Unter Verdacht oder Wilsberg.
In Deutschland werden auch die Autoren meist schlechter bezahlt als in den USA. Liegt größtenteils an den o. g. Faktoren. |
|
| Hinweis |
 |
Nur registrierte Mitglieder können Kommentare verfassen!
Du bist noch nicht bei Serienjunkies angemeldet.
oder
|
Schlagworte: flashpoint,
flashpoint - das spezialkommando,
fringe,
fringe - grenzfälle des fbi,
lost,
the office,
das büro,
medium,
medium - nichts bleibt verborgen,
lesley sharp,
kolumne
Diese Seite Verlinken: 
Das Archiv der TV-Meldungen von Montag, 1.Februar 2010
- Meistgelesen
- Meistkommentiert
Deine E-Mail-Adresse (wird überprüft!):
Impressum & Nutzungsbedingungen | Datenschutz | Kontakt | FAQ | Partner | Mediadaten | Print
| 
|