Wie die Briten zu ihren Qualitätsserien kamen (1)
Teil 1: Anders als die anderen... Besonderheiten der britischen Seriengeschichte

Paradebeispiel für innovatives Fernsehen aus Großbritannien: „Life on Mars“
(c) 2006 BBC
Das bedeutet nun nicht, dass alles an Serien, was von der Insel kommt, durchweg gewagt und innovativ ist. Natürlich gibt es daneben auch eine Vielzahl von Produktionen, die einfach nur das bieten, was man solide Unterhaltung nennen kann: Wie beispielsweise die mit der Gewissheit von Jahreszeiten immer wieder neu als Serie aufgelegten Agatha-Christie-Krimis rund um „Marple“ oder Poirot.
Ja, sogar regelrechten Schrott gibt es „Made in UK“: Herausgreifen möchte ich hier als Beispiel den unsäglichen „Medium“-Verschnitt „Afterlife“, in dem die sonst so brillante Lesley Sharp („Bob & Rose“) ihr Talent über 14 Folgen hinweg an eine völlig überflüssige Serie verschwendete.
Der Punkt, um den es hier jedoch geht, ist folgender: Die britische Seriengeschichte zeigt eine im Vergleich zu den USA bemerkenswerte Stabilität und Konstanz, was das Vorkommen anspruchsvoller Qualitätsserien betrifft. Zu klären wäre demnach, was die Gründe dafür sind: auf Seiten der Institutionen, auf Seiten der Macher und auf Seiten des Publikums.
Dazu in der nächsten Woche: Ein kleiner Überblick über die britische Rundfunkgeschichte.
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Christian Junklewitz am Montag, 1.Februar 2010 12.00 Uhr
10 Leserkommentare
| wibi44 vor 3 Jahren: | Platz 6 in der Community Top-100 |
Zunächst einmal ist zu erwähnen, dass es nirgendwo sonst auf der Welt eine ähnliche Entwicklung des Fernsehens und seiner fiktionalen Inhalte gab wie in den USA. Allerdings zeichnen sich die Briten zum einen durch Stabilität und zum anderen durch Einfallsreichtum aus. Hinzu kommt, dass sogenannte Spielfilmserien - besonders Crime-Serien - seit langen Jahren eine bemerkenswert hohe Qualität liefern und dies sicher auch auf die wöchentlichen Serien Einfluss nimmt. Wobei die Briten hier etwas gemacht haben, was man in der Breite sicher auch noch nirgendwo getan hat, sie haben Romanvorlagen verfilmt. In Deutschland hat man es zumindest eine Zeitlang - wenigstens als Mitproduzent - auch versucht. Raumschiff Orion oder auch eine kleine Jerry-Cotton-Reihe sowie der einzig echte Dauerläufer, die Edgar-Wallace-Verfilmungen, entstanden. Leider wird die Qualitätsserie hierzulande oft abgestraft. Ein besonderes Beispiel ist sicher "Blackout". | |
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| Rare83 vor 3 Jahren: | |
Sehr interessanter Artikel. Ich hatte erst vor ein paar Tagen mit einem Freund eine Diskussion darüber, warum aus Deutschland keine guten Serien hervorgehen. Der Artikel untermauert mein Argument, dass ich damals hatte, eigentlich ziemlich gut und ich stelle das mal als Frage in den Raum. Liegt es wirklich daran dass die Deutschen keinen Mut zur Kreativität haben? Sind wir wirklich nur noch die unkreativen Quadratdenker als die wir auch gerne von außen gesehen werden, die den Abstand zur nichtparken-Zone messen und bei 30 Zentimeter zu wenig einen Strafzettel verteilen? Sicherlich gibt es einige gute Filmproduktionen aus Deutschland die hervorstechen aber gerade was TV Serien angeht, bekomme ich das Grausen wenn ich sehe was es da so zur Auswahl gibt. Und als wäre das nicht schon schlimm genug, scheint es in Deutschland kreativ zu sein, bestimmte Konzepte einfach abzukupfern und diese billigst umzusetzen. Besser schleht geklaut als noch schlechter selber gemacht. So kommt es mir manchmal vor und entschuldigung falls ich irgendjemand hier damit auf die Füße trete. Ich maße mir auch keinesfalls an, die Problematik in ökonomischem Sinne wirklich zu durschauen, nur finde ich das einfach nur traurig. Ich weiss dass es bei uns sehr viele, sehr kreative Menschen gibt die Ideen und Träume haben. Werden diese Menschen einfach zu wenig gefordert? Muss man zu viel zahlen um seinen Traum zu verwirklichen oder fehlt uns einfach eine Traumfabrik wie Hollywood? | |
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| hellfeyer vor 3 Jahren: | |
schöner startschuss...sehr gespannt auf die fortsetzung. sollten wir in D tatsächlich sehr viele, sehr kreative menschen haben, dann fragt sich, auf welchem abschnitt des weges deren ideen krepieren. warum sind hierzulande nur 2-3 genres möglich? ist die einteilung in U(nterhaltend) und E(rnsthaft) typisch deutsch? was ist der (verschuldens-)anteil der öffentlich-rechtlichen gremien? warum sitzen in diesen (und den entsprechenden "kreativ"-abteilungen der privatsender) nicht die kreativsten köpfe überhaupt? liegt es nur an der mangelnden breite des marktes? im übrigen schluss mit lamentieren, konstruktive kritik inkl. lösungsansätze ist gefragt. hören den vortrag denn auch die richtigen? auf dieser internetseite gilt, was rummäkeln an deutschen serien anbelangt, ja wohl "don't preach to the already convicted"... lernen von den briten - zumindest in der spitze sollte niveau am start sein. schade, dass es mit kdd z.b. zurzeit "nur" ein krimi schafft, mit konventionen ernsthaft umzugehen... | |
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| goodspeed vor 3 Jahren: | Platz 64 in der Community Top-100 |
Um zu erkennen dass es in Deutschland nicht an Kreativität fehlt, muss nur an den gängigen Filmhochschulen eine Pitchsession besucht werden. Viele Konzepte die da belächelt abgewürgt werden, wären Rohdiamanten die man mit einem fähigen Autorenteam veredeln könnte. Ich bin es müde darüber zu sinnieren warum Deutschland keine Qualitätsserien zustande bringt. Es gibt sicherlich zahlreiche Gründe die dazu beitragen, aber für mich der Hauptgrund, abgesehen davon dass nichts gewagt wird was wiederum auf die Finanzierungspolitik zurückzuführen ist, ist dass die Deutschen weder den deutschen Film noch das deutsche Fernsehen wertschätzen. Die Franzosen und die Briten stehen hinter ihren Produktionen und belohnen diese mit unglaublichen Zuschauerzahlen. In Deutschland dagegen muss man froh sein wenn Qualitätsfilme die 100'000 Marke knacken (und ich red hier nicht von den Bullyfilmen). Es kommen monatlich Spitzenfilme ins Kino die kein Mensch schaut, weil es ein deutscher Film ist. Traurig aber wahr. Und so erginge es auch den Serien. Warum soll man sich deutsche Serien anschauen wenn man doch Lost oder Mad Men ziehen kann? Deutschland hat die Kreativität aber nicht Mentalität gute Serien zu produzieren - zuletzt geändert:01.02.2010 16:34 | |
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| Mr.Moe vor 3 Jahren: | Platz 87 in der Community Top-100 |
Ein entscheidender Unterschied der britischen TV Serie zur amerikanischen liegt in der Episodenzahl pro Staffel. Während im den USA zwischen 20 und 25 Folgen üblich sind, sind Episodenzahlen von 6 pro Staffel in England nichts seltenes. Ich weiß zwar nicht, wie die Unterschiede da in früheren Zeiten waren und es ist auch bei manchen Serien in Übersee ein leichter Trend zu weniger Folgen pro Staffel erkennbar, aber dennoch ist das durchaus ein wichtiger Faktor. Denn 3 mal so viele Scripte schreiben lässt sich teilweise nur über Qualität auffangen. Was natürlich wieder die Frage aufwirft, was die Deutschen da falsch machen. | |
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| maddoc vor 3 Jahren: | Platz 98 in der Community Top-100 |
Das mit der Episoden Anzahl hängt an der menge der Leute die an einer Serie schreiben. In den USA sind es fast immer Teams so das auch 20 Folgen drin sind, in England sind es oft nur zwei Leute die an einer Serie schreiben. | |
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| schnuff vor 3 Jahren: | Platz 75 in der Community Top-100 |
Poirot! Marple! Keiner strahlt sie aus hier! Okay, 3 Folgen von Poirot werden demnchst mal wieder im MDR wiederholt...... | |
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| __xx__thx1138 vor 3 Jahren: | |
@Christian: Vielen Dank für diese übersichtliche Zusammenfassung, freue mich schon sehr auf die Fortsetzung(en). @Mr.Moe: Da gebe ich dir recht, auch wenn gelegentlich in der Vergangenheit mal über zehn Folgen geordert wurde (Beispiele: Robin of Sherwood, Survivors (75er-Version), Blake's 7....). Ich mag diese kurzen Staffeln. Gerade im phantastischem Bereich werden dadurch neue Konzepte ohne stilbrüche auf den Punkt erzählt (aktuell gesehen bei: Apparitions, Dead Set, Being Human). @maddoc: Nö. Wie kommst du darauf? Wo steht das? Gib mal bitte ein paar Quellen an. Auf diese Weise wären OZ und Babylon 5 nie entstanden. @schnuff: Janee, iss klar, daher kennt das hier auch keine Sau. Boah, das läuft seit 30 Jahren immer wieder mal irgendwo im öffentlich-rechtlichen. | |
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| MichaBln vor 3 Jahren: | |
Sehr schöner Artikel ... was mir aber gänzlich fehlt ist die Berücksichtigung des Zuschauers, denn Deutsche schauen nunmal anders TV als die Amerikaner oder Briten. Was im Ausland als Qualitäts-Serie gilt, kann in Deutschland völlig untergehen, das gilt für deutsche Produktionen ebenso wie für die Serien-Importe. D.h. was dem Zuschauer gefällt, und was nach objektiven Kriterien "Qualität" ist, ist mitunter was völlig anderes. Zudem werden auch die Serien werbetechnisch schlecht vermarket ... denken wir nur mal an das noch recht frische 30 Rock - Disaster. Auch Lost, 24, Dexter, Veronica Mars ( ... hier weitere 100 Serien-Titel einsetzen ...) alles defacto Flops. Alle Serien haben gemeinsam, unzureichend vermarktet worden zu sein oder an unfähiger Programm-Planung gescheitert zu sein (das haben die Briten wesentlich besser drauf). Bei dem Versuch "moderne" (klar ist Definitionssache) Formate an den Mann zu bringen sah es in den letzten Jahren auch nicht gut aus ... man denke vor allen Dingen an die vielen (qualitativ schwankenden) CSI-Klone. Auch werden in Deutschland kaum Reruns ausgestrahlt (in der 1. Woche nach Erstausstrahlung). In der Art und Weise der Vernarktung einer Serie sind sich Großbritanien und die USA einfach viel ähnlicher und ohne die entsprechende Vermarktung ist es eben schwer in Deutschland eine hochqualitative Serie dauerhaft an denn Mann bzw. Markt zu bringen. | |
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| wibi44 vor 3 Jahren: | Platz 6 in der Community Top-100 |
Ich dachte wir sinnieren über britische Serien aber wenn wir schon dabei sind, dann noch etwas zu deutschen Serienproduktionen. Es gibt in Deutschland sicher genug kreative Köpfe, die auch gute Serienware zustande bringen würden. Aber zwei limitierende Faktoren für Qualitätsserien in Deutschland sind: a) der deutsche Fernsehzuschauer und b) die Bezahlung der Autoren. Wenn man die Einschaltquoten von den wenigen guten deutschen Serien der letzten 10 Jahre verfolgt ist festzustellen, dass der Deutsche mittlerweile lieber schwachsinnige Soaps oder Castingshows jeden Formats sieht als wirklich gute Serien - bei Serials schaltet der deutsche Zuschauer noch schneller ab. Wirklich gut laufen "Serien" in Deutschland nur in Spielfilmkonzepten wie beim Tatort, Nachtschicht, Unter Verdacht oder Wilsberg. In Deutschland werden auch die Autoren meist schlechter bezahlt als in den USA. Liegt größtenteils an den o. g. Faktoren. | |
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