Wer erzählt? Voice Over in TV-Serien

Voice Over: Notwendiges dramaturgisches Mittel oder nervenaufreibende Angelegenheit? Der nachfolgende Text bietet eine grobe Zusammenfassung des Voice-Over-Gebrauchs in den heutigen fiktionalen TV-Serien.
Stimmen über Stimmen in den heutigen TV-Serien. Der Gebrauch von Voice-Over scheint heutzutage zu boomen. Wir werden buchstäblich mit Erzählungen aus dem Off bombardiert. In der Studiotechnik bezeichnet das Voice-over im Hörfunk eine Tonspur, die eine andere Tonspur überlagert. In Filmen und Serien bezeichnet es den Kommentar einer Figur oder eines Erzählers, der sozusagen entweder in der jeweiligen Szene nicht präsent ist oder es handelt sich um die Gedanken, Erinnerungen, Vermutungen etc. einer Figur, die nur die Zuschauer zu hören bekommen und nicht die anderen in der Handlung involvierten Figuren. Am meisten wurde Voice Over in der Literatur benutzt, um vor allem Gedanken des Protagonisten wiederzugeben. In der Werbung ist ein Voice Over ein fest verankertes narratives Mittel.
Im Film wurde in den 90ern verstärkt Gebrauch gemacht - in Meilensteinen der Filmgeschichte wie „Die üblichen Verdächtigen“, „Fight Club“, „The Big Lebowski“ usw. In den meisten Filmen, die Voice Over benutzen, handelt es sich nicht um eine notwendige Erzählung, die man in Bildern nicht fassen und zeigen könnte, sondern um einen ästhetischen Gebrauch, der entweder auf einen slapstickartigen Effekt abzielt oder auf einen narrativen Bruch mit dem Gezeigten.
Der Einfluss seitens des Films und die Bemühung von Fernsehserien um eine komplexe und abwechslungsreiche Erzählweise sind meiner Meinung nach eher die Gründe für den häufigen Gebrauch von Voice Over in TV-Serien und nicht so sehr, wie vermutet wird, die Bedienung des an Reality-Shows gewöhnten Publikums. Andererseits wird der Einsatz von Voice Over kritisiert und als Schwäche bezeichnet, nicht nur über die Inszenierung, Dialog und Schauspiel ihre Geschichte erzählen zu können bzw. Emotionen im Zuschauer hervorzurufen.
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Vladislav Tinchev am Montag, 10.August 2009 12.00 Uhr
9 Leserkommentare
| DJ Doena vor 3 Jahren: | Platz 99 in der Community Top-100 |
Was mich bei "Gossip Girl"s Voice Over etwas stört ist ihr Widersprüchlichkeit. Auf der einen Seite hören wir sie als GG und es klingt wie etwas, was auf ihrer Seite stehen könnte - wenn wir zum Beispiel eine Szene sehen, wir Zuschauer genau wissen, was passiert ist und die von einem GG-Informanten anders interpretiert wurde. Auf der anderen Seite fungiert Kristen Bell aber auch als Erzählerin der Geschichte und so erzählt uns GG Dinge, die sie gar nicht wissen kann. | |
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| Bothi vor 3 Jahren: | |
Die meisten der o.g. Serien hab ich gesehen. Konnte mir also ein ganz gutes Bild der verschiedenen Formen des "Voice-Over" machen. Kurz sei noch angemerkt ich schaue Serien fast ausschließlich nur auf Englisch. Den besten Voice.Over, oder besser der der mir am besten gefällt, ist definitiv "Future-Ted" aus How I met your mother. Er springt einfach immer genau dann ein, wenn man sich gerade etwas fragt. Z.B. in der ersten Staffel, als die gesamte Truppe in diesem komischen Technoladen ist, fragt sich Ted in seinem eigenen Voice-Over ob die Frau die er eben kennengelernt (die von der Gaderobe) evntl. seine zukünftige Frau ist. Und dann spring Future-Teds Voice-Over ein (während die Szene freezed) und sagt: "She wasn't!". Perfekt. Allerdings wird es auch nicht übetrieben das ganze, so das einige Dinge auch offen bleiben und der Imagination des Zuschauers überlassen werden. Oder der Hoffnung Zum Artikel: Anfangs fand ich ihn sehr gut, allerdings fand ich ihn hinten raus etwas trocken. Hätte mir gewünscht, dass er etwas tiefer in die Materie eindringt und genauere Definitionen der verschiedenen Voice-Over-Typen aufweist. | |
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| unit66 vor 3 Jahren: | Platz 89 in der Community Top-100 |
Ich denke bei Voice Over ist es eine Frage der Nötigkeit und des Effekts. Bestes Beispiel ist "Pushing Daisies", hier macht der Erzähler einfach Sinn weil die Geschichte deshalb rüberkommt wie ein besonders makabres Märchen. Auch bei "Scrubs" ist es sinnvoll denn die Geschichte wird aus der Sicht von J.D. erzählt (bisher jedenfalls). Bei "Dexter" ist das Voice Over aus Verständnissgründen - nicht jeder ist so paranoid und intelligent wie Dexter Morgan und wenn man dem Zuschauer nicht klarmacht was Dexter kombiniert versteht es womöglich eine größere Gruppe nicht und schaltet ab. Bei anderen Serien wie beispielsweise "Grey's Anatomy" wird durch das Voice Over klargemacht wie der Charakter (meistens Meredith) über eine gewisse Thematik denkt - nervt aber dann auch manchmal wieder weil die Stimme romantisiert oder klarmacht das jeder der Charakter "eine Lektion gelernt hat" (kommt auch bei Scrubs vor). Bei T:SCC wiederrum werden tatsächlich auch mal ein Bildungsthemen angesprochen da erzählt bspw. Sarah Connor darüber wie der Roman "Herr der Fliegen" von der Literaturwissenschaft interpretiert wird - fand ich toll. | |
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| jello vor 3 Jahren: | |
Das "Geister-Voice-Over" würde ich, zumindest im Falle von 'SFU' ['Medium' oder 'Ghost Whisperer' verfolge ich nicht genügend, um mir eine fundierte Meinung dazu bilden zu können], nicht unbedingt zu den Voice Overs zählen, da Nathaniel sr. eine relativ feste Rolle in der Serie hat. Egal, dass er nur jew. einer Person [und dem Zuschauer] erscheint. An einem bestimmten Punkt in der Serie erscheint er jedem der anderen vier Fishers oder Rico [also Personen, die ihn lebend kannten und ihm auf die eine oder andere Weise nahestanden]. Dass dabei ansich die Gedanken des jeweils anderen reflektiert werden und man das Ganze nat. über ein "echtes" VO hätte lösen können, ist egtl. keine Voraussetzung für ein VO. Oder zählen, blöd gefragt, Träume auch zu VOs? Dass das Ganze bei 'SFU' *nicht* über VOs gelöst wurde, find' ich btw sehr gut, da VOs von Personen, die in die Handlung involviert sind, mich meist sehr stören und nerven [v.a. 'Scrubs' und 'Greys Anatomy' haben diese Tendenz]. Ganz im Gegenteil zu z.B. 'Pushing Daisies' oder 'Arrested Development'. Dort passt das VO imho sehr gut. Die Serien sind vllt. auch abgefahren genug, so dass jemand durch die Serie leiten *muss*. ;o) VOs von involvierten Personen wären, denke ich, auch immer anders machbar - zuletzt geändert:10.08.2009 17:09 | |
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| pogofraggle vor 3 Jahren: | |
Das mit dem Geister-Voice-Over kann ich nicht nachvollziehen. Dabei ist der Sprecher doch im Bild zu sehen. Ob es sich dabei um einen Geist, eine Halluzination oder ein Stück Brot handelt ist doch egal. | |
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| vlado vor 3 Jahren: | Platz 83 in der Community Top-100 |
Ja, da gebe ich euch Recht. Sind nicht wirklich Voice Over... | |
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| goodspeed vor 3 Jahren: | Platz 64 in der Community Top-100 |
Bei Gossip Girl hab ich nach zwei Folgen aufgegeben...der Grund? Die unsäglich penetranten VO Kommentare die immer das offensichtliche noch verbal unterstreichen mussten. "Sie sitzt gekränkt und verlassen an der Theke und versucht ihren Schmerz mit Alkohol zu lindern" OMG, den Autor der ersten beiden Folgen gehört echt an die Wand genagelt... Kubricks Barry Lyndon ist auch so ein Fall. Eindrücklicher Film, toller Cast, interessant geschildert...aber der ständig alles vorweg quäkende VO vom non diegetic Erzählers!!? Das tötet den letzten Funken Suspense im Keim. Voice Over sind für mich ein stilitisches Mittel. Je nach Konzept kann dieser erzählerisch, dramaturgisch oder rein um des reinen Selbstzweckes (ganz grandios in dieser Beziehung High Fidelity) gut oder eben schlecht genutzt werden. Da gibt es keine Regeln die besagen, wenn Protagonist A und B auf Situation C stossen verwende bitte Voice Over Konzept D. Da macht es sich der Artikel mit seiner Auflistung etwas zu leicht - zuletzt geändert:10.08.2009 17:55 | |
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| xfusion vor 3 Jahren: | |
Voice Over sind oft eine gute Möglichkeit die Zuschauer durch die Handlung zu ziehen und sorgen dafür das auch alles richtig verstanden wird... aber mal im ernst: GEISTER VOICE OVER? Sorry aber wer hat sich das bitte ausgedacht. Wenn ein Gespräch selbst in eine Handlung eingebunden ist und andere -nicht tote- Charaktere darauf reagieren hat es absolut nichts mehr mit einem Voice Over zu tun. Nicht ansatzweise. Es heißt ja voice OVER... ^^ | |
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| unit66 vor 3 Jahren: | Platz 89 in der Community Top-100 |
Mir ist da noch was eingefallen: Wenn schon Geister-Voice-Over dazu gezählt werden sind Telefonanrufe dann nicht auch sowas? | |
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