Warum deutsche Serien gar nicht so schlecht sind
Schluss mit dem Gemeckere

Foto: arne.list
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In Deutschland alles Scheiße? Mitnichten. Es lohnt durchaus ein genauerer Blick auf deutsche Serienware und dabei braucht man nicht unbedingt die Rosarote Brille.
Seien wir mal ehrlich. Auch in den USA wird viel Serienmist produziert. Glücklicherweise erkennen das die Networks mithilfe der sich dem Programm verweigernden Zuschauerschaft auch recht schnell und setzen die Serie nach wenigen Episoden wieder ab. Dadurch erreichen diese Fehlgriffe Deutschland erst gar nicht und wir bekommen vielmehr nur das Gute, das nach diesem Vorausleseprozess übrig bleibt, zu sehen. Sofern es als solches von deutschen Lizenzeinkäufern auch erkannt wird.
Nun werden in den USA natürlich ungleich mehr Serien produziert als in Deutschland, da zum einen weite Flächen der Sender-Primetimes damit gefüllt werden und Serien zum anderen durch den Verkauf in andere Länder - und die Nachfrage nach US-Serienware ist weltweit enorm - einfach lukrativ sind.
In Deutschland dagegen werden erstens nicht so viele Serien produziert, da weniger Programmplätze für eigene Serienware verplant sind und die geringere internationale Nachfrage keine so aussichtsreiche Refinanzierungsmöglichkeit bietet. (Die Produktion einer Serie ist im Vergleich zu Dokusoaps und Realityshows nämlich ungleich teuerer.) Und zweitens müssen wir deutschen Zuschauer selbst die Auslese vornehmen.
Und was dann übrig bleibt - weil Handlung, Figuren und Dialoge überzeugen -, ist oftmals gar nicht so schlecht und hat fünf Vorteile gegenüber der US-Ware:
1. Orte, Umgebung, Institutionen
Bei deutschen Serien kennt man die Städte, die Umgebung, die Institutionen. US-Serien spielen zum überwiegenden Teil in Los Angeles oder New York. Gut, deutsche Serien spielen auch viel in Berlin, München und Köln. Aber wenn in einer Kölner Serie eine Gastrolle aus Düsseldorf kommt, weiß man, welches Konfliktpotenzial darin steckt. Geübte Serienjunkies wissen natürlich auch, was mit New Jersey alles mitschwingt - vor allem für New Yorker - aber dafür muss man schon einige Serien gesehen haben. Dasselbe gilt natürlich für Landschaften und Regionen, denn jedes Gebiet hat ein Image, das man in Deutschland kennt (Bayern und Nordfriesen sind minderbemittelt, Schwaben geizig und überordentlich, Frankfurter Geschäftsmänner korrupt usw.). US-Amerikaner können dies in ihren Serien natürlich auch dechiffrieren, aber wir Deutschen tun uns da ungleich schwerer, wenn Kansas, Missouri oder Montana thematisiert werden.
Und gibt es in Deutschland ein DMV? Eben.
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Bettina Ebenbeck am Sonntag, 23.November 2008 15.00 Uhr
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