The West Wing: Ein Besuch im Synchronstudio

Der Cast von „The West Wing“
(c) Warner Bros.
Seit 2008 zeigt der PayTV-Sender FOX Channel die preisgekrönte US-Dramaserie „The West Wing“ in deutscher Erstausstrahlung. Die Serienjunkies-Redakteure Mariano Glas und Christian Junklewitz haben in Berlin die Firma Deutsche Synchron besucht, wo die deutschsprachige Fassung der Serie entsteht.
Empfangen werden wir von Matthias Müntefering, dem Herstellungsleiter der Deutschen Synchron, der bei der deutschen Sprachfassung von „The West Wing“ die Regie führt. Bei ihm sind ein Tonmeister, der die Sprachaufnahmen überwacht, und eine Cutterin, die darauf achtet, dass sich Ton und Bild zusammenschneiden lassen. Was vor allem heisst: dass der Dialog, den die deutschen Schauspieler sprechen, bezogen auf die Dauer der Lippenbewegungen im Original nicht zu kurz und nicht zu lang sein darf.
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| Regisseur Matthias Müntefering © Deutsche Synchron |
Als erste Sprecherin ist an diesem Nachmittag Anita Hopt an der Reihe. Sie leiht in „The West Wing“ Gastdarstellerin Kiersten Warren („Desperate Housewives“) alias Blair Spoonhour ihre Stimme. Ihre erste Szene ist die Begegnung zwischen ihrer Figur und dem neuen Deputy Council Joe Quincy alias Matthew Perry im Heizungskeller des Weißen Hauses. Wir befinden uns in Folge 4.20 „Life on Mars“. Die Szene ist in mehrere Takes unterteilt, die jeweils in einer Schleife hintereinander laufen. Dadurch kann die Sprecherin immer zunächst hören, wie der Satz im Original klingt - und ihn dann in der Regel zwei- bis dreimal nacheinander auf Deutsch sagen, bis Regisseur Müntefering ihr sagt: „Ja, gut für mich, danke!“
Nicht so recht glücklich ist Müntefering an diesem Nachmittag mit dem Dialogbuch. Gleich mehrfach nimmt er spontan während der Aufnahmen Überarbeitungen der Dialogzeilen vor, zum Beispiel weil ihm manche Wortungetüme nicht passen: „Stellvertretende juristische Beraterin geht gar nicht!“ Er lässt zwei Alternativen aufnehmen, von denen die Redaktion entscheiden soll, welche in die endgültige Fassung Einzug hält.
Wir fragen, wie schwierig es ist, die sehr speziellen politischen Termini aus „The West Wing“ ins Deutsche zu übertragen.
„Grundsätzlich orientieren wir uns daran, was der deutsche Zuschauer von diesen Begriffen kennen kann, was wir also als Vorwissen voraussetzen können.“ Dabei ist die Familie vor dem Fernseher bzw. das Paar auf der Couch der Maßstab, nach dem sich die deutsche Synchronisation richtet. „Die anderen, der harte Kern der Serienjunkies, kauft sich ohnehin die DVD und schaut die Serie im Original. Allerdings ist das eine verschwindend kleine Gruppe.“
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Christian Junklewitz am Samstag, 13.Februar 2010 15.00 Uhr
12 Leserkommentare
| oshannon vor 2 Jahren: | Platz 83 in der Community Top-100 |
Schade, daß gerade die Synchrosisation von My Name is Earl zu den Schlechtesten gehört, die ich kenne. West Wing, Cheers,Seinfeld und House sind meiner Meinung nach Synchro- Meisterwerke (zwangsläufig natürlich auch Frasier und Becker). Es gibt schon tolle deutsche Synchronsprecher. Wo bleiben nur die guten deutschen Serien? Gut, Tatort ist meistens wirklich sehr gut. Aber das wars. | |
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| goodspeed vor 2 Jahren: | Platz 64 in der Community Top-100 |
Schöner Artikel, bitte mehr davon! | |
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| Whooomaster vor 2 Jahren: | letzter Platz in der Community Top-100 |
Ja es gibt gute Synchronsprecher und einer davon war Hans-Werner Bussinger, der in den ersten drei Staffeln John Spencer (als Leo McGarry) synchronisiert hat. Leider ist er letztes Jahr gestorben. | |
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| Vir-Cotto vor 2 Jahren: | |
Zweifelsohne gibt es gute und sympathische Synchronsprecher, aber der Mensch ist nunmal ein Individuum. Somit ist auch seine Sprache und Mimik einzigartig. Gibt nichts nervigeres als die Synchrostimme von Robert de Niro oder Michael Douglas bei einem halben Dutzend anderer bekannter Schauspieler wiederzuhören. Schlimmer ist es bei den Frauensprecherinnen, da ist das Spektrum sogar noch viel kleiner. Das habe ich den 80ern und 90ern so gehasst. Die Sprecher(innen) werden dem Typ selten gerecht. Clint Eastwood und Bruce Willis haben ganze andere Stimmlagen als ihre dt. Synchronsprecher und das beinflusst die Wahrnehmung der schauspielerischen Leistung schon sehr. Des weiteren merkt man deutlich, dass die Synchronstimmen komplett im Studio aufgenommen und klinisch aufbereitet sind. Da fehlt die Dynamik der Orginalsprache und Soundaufnahme. Ist Schade, dass Deutschland diesen Weg gewählt hat, statt konsequent zu untertiteln, wie in bei unseren europäischen Nachbarn im Norden und Westen oder vielen anderen Ländern. Dann müssten die deutschen Zuschauer heutzutage auch nicht bis zu einem Jahr auf neue Folgen warten, wie wir das damals ohne Internet wohl oder übel tun mussten. | |
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| wibi44 vor 2 Jahren: | Platz 6 in der Community Top-100 |
@Vir-Cotto: grundsätzlich stimme ich dir zu und jeder, der amerikanische und englische Originale kennt und dann deutsche Fassungen sieht, wird zumindest leicht enttäuscht sein. Allerdings musst du eines bedenken: ohne die Synchronisation würden viele Meisterwerke den deutschen Markt gar nicht erreichen. Und der weitaus größte Teil der deutschen Fernsehzuschauer kennt die Originalstimmen nicht. Was aber seit Jahren wirklich nervt ist die mangelnde Anzahl an weiblichen Synchronsprecherinnen. Hier wiederholen sich selbst innerhalb eines Serienjahres die gleichen Stimmen bei unterschiedlichen Darstellerinnen. Das Problem liegt wohl daran, dass man mit der Synchro immer noch zu wenig verdient, d. h. hier die Sender oder Studios auf jeden Fall sparen wollen. | |
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| Serenity vor 2 Jahren: | Platz 68 in der Community Top-100 |
"ohne die Synchronisation würden viele Meisterwerke den deutschen Markt gar nicht erreichen" Ist ist eher so dass es ohne Synchronisation etwas mehr Vielfalt geben würde. Untertitelung ist wesentlich billiger und schneller. So würden sich auch Importe lohnen die ansonsten zu teuer wären. Und es wäre etwas einfacher Sachen zu lokalisieren, die nur schwer vernünftig zu übersetzen sind (wozu auch The West Wing zählt). | |
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| wibi44 vor 2 Jahren: | Platz 6 in der Community Top-100 |
@Serenity: Untertitelung ist sicher ein weg, aber ich kenne einige Umfragen die besagen, dass der Deutsche lieber eine Synchronisation als eine Untertitelung hat. Der Deutsche mag in dieser Hinsicht durchaus etwas speziell sein, aber der Fernsehmarkt muss sich daran anpassen. Mir persönlich sind die Originale am liebsten. | |
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| goodspeed vor 2 Jahren: | Platz 64 in der Community Top-100 |
Die Deutschen sind nicht speziell sondern verwöhnt und bequem wenns um Untertitel geht. Natürlich bevorzugt die Mehrheit eine Synchronisation, man kennt es schliesslich auch nicht anders. Es ist erwiesen dass Menschen die häufig Filme auf englisch mit Untertiteln schauen, eine bessere englische Aussprache besitzen als Leute die Synchronisationen bevorzugen. Würden von heute auf morgen sämtliche Synchrostudios dicht gemacht werden, man würde nicht bloss den Filmliebhabern einen gefallen tun, sondern würde auch die Bildung unterstützen. Denn seien wir mal ehrlich, gesprochenes Englisch aus dem Mund eines ungeübten Deutschen unterbietet jedes noch so üble Klischee! | |
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| wibi44 vor 2 Jahren: | Platz 6 in der Community Top-100 |
@goodspeed: ach wäre das schön. Aber keiner der größeren Sender würde da mitspielen, ganz einfach, weil sie um ihre Quoten fürchten. Und das Ergebnis wäre mitnichten ein besseres Englisch, es wäre wahrscheinlicher, dass noch mehr Schrott gesendet würde. | |
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| Whooomaster vor 2 Jahren: | letzter Platz in der Community Top-100 |
@wibi44 und für zu blöd, anders ist dieses Fernsehen nicht zu erklären. Von Qualität haben die Sendercheffs schon lange nix mehr gehört... | |
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| Ponder Stibbons vor 2 Jahren: | Platz 14 in der Community Top-100 |
Untertitelung geht heute gar nicht mehr, weil Synchronisation erwartet wird. Nachdem dieser Weg eingeschlagen wurde, ist der andere mehr oder weniger verbaut - Gründe dafür wurden schon genannt (Quote, Erwartungshaltung ...) Untertitle müßten ausblendbar sein: ich leses sogar chinesische Untertitel bei Sendungen deren Originalsprache ich beherrsche, und ich kann gar kein chinesisch Sobald da irgendein Text ist, muß ich den beinahe zwanghaft lesen. Untertitel sind meist noch sehr viel schlechter als eine Synchronisation, weil sie noch kürzer und kompakter sein müßen (darf max. 2 Zeilen am unteren Ende des Bildes bedecken; Worte dürfen nicht zu kompliziert sein; es muß sich in der Zeit auch von schlechten Lesern lesen können, in der das auch gesprochen wird, ...) Untertitellung hätte wahrscheinlich den deutschsprachigen Serienmarkt aufgewertet. Menschen die keine Untertitel mögen (mache meinen sie wolle ja TV sehen und nicht ein Buch lesen), würden dann zu heimischer oder zumindest deutschsprachigen Serienware greifen - bleibt die Frage, ob deutsche Serien dann besser, gleich schlecht, oder noch schlechter wären. | |
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| citizenpete vor 2 Jahren: | |
Deutsche Untertitel (Untertitel in der Muttersprache) sind der absolute Bodensatz der Fernsehkultur! Das Gehirn konzentriert sich dann mehr auf das Lesen, versucht Gesprochenes auszublenden und was zu dem Zeitpunkt sonst so am Bildschirm vor sich geht, registriert man dann nur noch sekundär. Wenn man man schon Untertitel einschaltet, so macht dies nur in der jeweiligen Sprache "Wort für Wort" Sinn um einen Lerneffekt zu erzielen. Ich bin dankbar, dass Deutschland über die beste Synchronisation der Welt verfügt (auch wenn wir diesen Status aufgrund von massiven Einsparungen wohl bald verlieren werden). Obwohl die englische Sprache fast doppelt so viel (neue Einflüsse aus dem Anglo-amerikanischen nicht mitgerechnet) Wörter besitzt als die Deutsche, verwendet der Deutsche deutlich mehr, dies macht sich in Filmen und gerade bei der Synchronisation deutlich bemerkbar. Dialoge werden einfach Facettenreicher und gewinnen dank einer einfachen Sache wie der dritten Person (Siezen) erheblich an Qualität. Geschulte Synchronsprecher werten auch oft Schauspieler und/oder Rollen deutlich auf, weswegen in den USA "gefloppte" Serien sich nicht selten bei uns trotzdem durchsetzten. Bei schlechter ("The Wrestler" - hier ist sie sogar unterirdisch) oder unvollständiger Synchronisation ("Third Watch" - danke VOX) schaue ich lieber auf Englisch. Ich sehe eigentlich nur einen echten Nachteil: Den Akzent! Sean Connery wird sich trotz seiner guten deutschen Synchronisationsstimme im Englischen einfach markanter anhören. Dazu kommen noch diese Momente in amerikanischen Serien wie "Ah, du kommst also aus England" oder "So arrogant können sich nur Engländer anhören" welche einen deutschen Zuschauer bis zu dieser Stelle immer im dunklen lassen. Im Alter von 8 Jahren habe schon immer begeistert und bewusst Star Trek TNG geschaut gehört, weswegen mein Sprachschatz sehr früh viel weiter als der meiner Mitschüler war. Nur noch Englisch schauen lässt übrigens selbigen verkümmern. | |
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