The Sarah Connor Chronicles: Das nullte Gesetz am Freitagabend

Die Stars von „Terminator: The Sarah Connor Chronicles“
© FOX
Bevor ich zu den - meiner Meinung nach erfreulichen - Veränderungen komme, die die Serie in der zweiten Season erfuhr, verschaffe ich uns nochmals einen Überblick über die Schwierigkeiten, vor denen die Serie stand und teilweise immer noch steht:
1) Die Terminator-Filme: Dem Wunsch des Networks folgend, die „Terminator-“Fangemeinde vor die TV-Bildschirme zu locken, schossen sich die Macher der Serie ein Eigentor, indem sie zeitlich und narrativ versuchten, die Serie ganz genau im Terminator-Universum zu situieren. Hierdurch und durch die Werbekampagne des Networks für eine actionreiche Produktion weckte man falsche Erwartungen - falsch in dem Sinne, dass die Serie als Vervollständigung der Terminator-Reihe verstanden wurde und damit keine eigene Geschichte zu erzählen hatte. Diese Tatsache war ablesbar an rückgängigen Zuschauerzahlen und der etwas gradlinigen Erzählung sowie einem für ein Serial kleinen Figurenkreis.
2) FOX forderte mehr actionreiche abgeschlossene Episoden, um das junge Männerpublikum des Networks bei der Stange zu halten und leichter neue Zuschauer zu gewinnen.
Laut Josh Friedman, dem Executive Producer der Serie, ist die Zusammenarbeit mit FOX keine einfache Geschichte (das überrascht wohl keinen). Es soll tatsächlich ein Kampf hinter den Kulissen stattgefunden haben, nämlich Serial vs. Procedural. Von Anfang an wollte Friedman die Story verkomplizieren, sie stark serialisieren, aber das Network (so seine Version) weigerte sich, da die Verantwortlichen die Unmöglichkeit eines Zwischendurcheinstiegs neuer Zuschauer fürchteten (erinnern wir uns an die Durcheinander-Ausstrahlung der Firefly-Folgen, je nach Actioninhalt!). Man wünschte sich vielmehr einen „Terminator of the Week“. Nachdem der bevor stehende vierte Terminator-Film die Hoffnung auf neue Zuschauer geweckt hatte, orderte man eine zweite Staffel, wie manche Insider berichten. Als die Quoten sich jedoch nicht verbesserten (teilweise auch wegen der unglücklichen Programmierung, da „Prison Break“ Terminator nicht, wie gehofft, nach vorne pusht, sondern vielmehr runterzieht), war Terminator in den Augen mancher FOX-Executives sowieso schon verloren - und die Autoren bekamen ihre Freiheit, nach dem Prinzip „sollen sie machen, was sie wollen, es ist eh schon vorbei“. So konzentrierte man sich auf den Ausbau von verschachtelten Figurenbeziehungen und komplizierten Erzählsträngen. Terminator ist nicht mehr (nur) die Action-Geschichte von der Rettung der Welt, sondern eine Geschichte über menschliche Beziehungen und die Rolle der Maschinen darin. Die Folgen gleichen nicht mehr spektakulären Actionfilmen, sondern Charakterstudien, die - zuweilen wie in einer Asimovschen Erzählung - die Roboter zu gleichwertigen Protagonisten aufsteigen lassen und entsprechenden Fragen nachjagen: Kann eine Maschine auch eine Seele haben? Wo ist die Grenze zwischen programmiertem, erlerntem und echtem Fühlen, zwischen Empathie (Einfühlung) und Mimesis (Nachahmung)?
Das bedeutet nicht, dass Terminator zu einem dialogbehaftetem Weichspülmittel geworden wäre. Im Gegenteil - die Serie geht noch härter und schonungsloser mit ihren Figuren um. Und sie hat ihren eigenen audiovisuellen Stil gefunden. Mir persönlich haben es die Action-Inszenierungen sehr angetan, die ihre Wurzeln in den Shoutouts des Italo-Westerns finden. Ein Beispiel ist die Sequenz in der Kirche, als Cromartie auf fast elegische Art niedergeschossen wird (Folge 8 - die narrativ und audiovisuell beste dieser Staffel -, Min. 39). Nicht zu vergessen Sarahs Traumsequenzen in den letzten drei Folgen, die den Erzählfluss zwar bremsen, aber auf positive Art und Weise verkomplizieren. Je mehr Unbekannte in der Gleichung Maschinen vs. Menschen auftauchen, desto besser.
Auffällig in vielen Szenen mit Cameron, aber vor allem mit Cromartie sind die abwechselnden Low Angle-Aufnahmen, die eine Bedrohung implizieren, mit extremen Close Ups, die auf unser Mitgefühl abzielen. Am meisten profitiert von der Kamera Summer Glau - die Kamera tanzt buchstäblich um sie herum. Und ich bin sicher, dass es von Cameron mehr extreme Close Ups gibt als von Sarah. Das ist bezeichnend für die Entwicklung der Serie: weg von der Konzentration auf John und Sarah hin zu den anderen Figuren, wie zum Beispiel Ellison, der wie in einer griechischen Tragödie buchstäblich zwischen den Fronten steht und das Spiel, das gespielt wird, nicht ganz begreift. In der siebten Folge fragt er selber: Was ist meine Rolle?
Und was ist die Rolle der Serie in FOX' Pläne?
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Vladislav Tinchev am Freitag, 28.November 2008 19.00 Uhr
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