The Bridge: It doesn't look Canadian
Review des Piloten

Frank Leo hat ein Problem mit Autoritäten!
© 2010 CTV
"It doesn't look Canadian": So bezeichnet die kanadische Presse die kürzlich gestartete Co-Produktion von CTV und CBS. Ob das ein Kompliment ist, können nur Kanadier und Amerikaner unter sich ausmachen. Serienjunkies.de-Redakteur Vladislav Tinchev überquert für euch die Nicht-Toronto-Brücke.
Eine Hit-and-Run-Mordserie, Selbstmord, mit Drogen dealende Kinder, Sexskandal, Versicherungsbetrug, Herzinfarkt, Polizeigewalt, Schießerei mit einer alten Frau als Opfer, Verschwörungen auf höchster Verwaltungsebene, dreckige Cops etc. In dem zweistündigen Piloten von „The Bridge“, einer Co-Produktion von CTV und CBS, passiert so viel, dass Ereignisse wie der plötzliche Tod des Vaters der Hauptfigur oder das frivole Treiben zwischen der Hauptfigur und einer lesbischen Kollegin fast unter den Tisch fallen.
Frank Leo, gespielt von Aaron Douglas („Battlestar Galactica“), ist diese Hauptfigur, deren Geschichte auf dem wahren Leben von Torontos ehemaligen höchst umstrittenen Polizeichef Craig Bromell basiert, und im Piloten ziemlich gelungen erzählt und entfaltet wird. Dabei war die Entstehung von „The Bridge“ gar nicht so unproblematisch. Es gab sowohl interne als auch externe Hürden zu überwinden. Ist „The Bridge“ eine kanadische Serie? Ja und nein! Die Geschichten in „The Bridge“ erzählen zwar von Bomells Toronto, sind aber in „Anytown, USA“ situiert. Wie das?
Darsteller Aaron Douglas beteuert: „Cops are the same in Italy, Canada, Spain. I'm playing it like Anytown, U.S.A.“ Aber der tatsächliche Grund ist Mr. Bromell: Würde die Serie tatsächlich in Toronto spielen, würde man (so die Produzenten und die CTV-Führungsetage) zu große Angriffsfläche für etliche gerichtliche Anklagen bieten. Trotz alledem (gemeint ist „Anytown, USA“ als fiktionalen Spielplatz) flossen kanadische Steuergelder in das Zwei-Millionen-Budget des Piloten, da die kanadischen Behörden weiterhin zu ihrem Programm stehen, eigene Produktionen zu fördern, um ihnen sozusagen eine Art künstlerische Unabhängigkeit vom Großen Nachbarn zu gewährleisten.
Man sieht, dass „The Bridge“ etliche Brücken schlagen und überqueren musste, um am letzten Freitag Premiere feiern zu dürfen. Und sie kam mit Verspätung, denn der Pilot dieser (erstmals) dreizehnteiligen Serie wurde im Jahre 2008 in Toronto gedreht. Danach konnten sich CTV und CBS über den Ausstrahlungsrhythmus nicht einigen, und nachdem CBS in diesem Frühjahr „The Bridge“ erneut auf Eis legte und die Serie im Programmplan nicht zu sehen war, hatte CTV die Nase voll und startete durch. Der Start bescherte dem Sender den ersten Platz im Timeslot mit über einer Million Zuschauern. Und sie sahen einen filmisch hervorragend umgesetzten, dicht erzählten Bericht von Frank Leos Aufstieg zum Chef der Polizeigewerkschaft.
Obwohl „The Bridge“ über lange Strecken sich wie eine harmlose Variante von „The Shield“ anfühlt, ist man durchaus bereit, sich auf die Figuren - keine Schwachstellen bei der Besetzung - einzulassen und sich diese graue, höchst ambivalente Welt hinter der dünnen blauen Linie anzuschauen. Der Name der Serie ist nicht nur von der Brücke in Toronto inspiriert, die ein reiches Viertel von seinem armen Nachbarn trennt und Bromells Dienstgebiet war. Sondern er ist eine gelungene Metapher über den Zwiespalt, den die Serie als grundlegendes Thema behandelt: Über die Brücken, die man schlagen muss, um das ganze System der Exekutive am Laufen zu erhalten.
Vladislav Tinchev am Sonntag, 14.März 2010 12.00 Uhr
4 Leserkommentare
| TheDyingMonkey vor 2 Jahren: | Platz 92 in der Community Top-100 |
Also, ich mochte den Piloten. Auch wenn vor allem die Nebenhandlungen teilweise etwas zusammenhangslos wirkten, hat er bei mir doch Interesse geweckt. Ich werd da wohl dranbleiben. | |
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| Hardison vor 2 Jahren: | Platz 54 in der Community Top-100 |
Wird ne gute Serie ! Top Sache | |
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| Tina1969 vor 2 Jahren: | |
Hat mir auch sehr gut gefallen. Da stimmte einfach alles - und wenn man das Genre mag, ist das eine wirklich vielversprechende Show. | |
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| VisuellSchwamm vor 2 Jahren: | |
Während der Pilotfilm, bzw. die ersten 90 Minuten zu "The Bridge" mich noch bestens unterhalten konnten, begann mit der darauffolgenden Folge gleich ein flotter Qualitätsabstrich - zumindest aus meiner Sicht. Mit dem schauspielerisch blassen Pummelpitbull Aaron Douglas hatte ich bereits bei "Battlestar Galactica" so meine Probleme und auch in "The Bridge" , wenngleich dort besser aufgehoben, als im All, löst er bei mir keinerlei Begeisterungsstürme aus. Macht aber an sich nichts, denn Episode 3 zum Beispiel wartet gleich mit einer stereotypen Darstellung eines drogensüchtigen Geiselnehmers auf, die dermassen unterirdisch ist, dass man sich über jeglichen Schwenk zu einem der Hauptakteure freut. In weiteren Folgen kann man aber über zusätzliche grottenschlechte Darbietungen und Dialoge staunen. Die Stories der Episoden selbst sind meiner Meinung nach Gut bis solala, reichen aber nicht an den komplexen Pilotfilm ran. Das meiste Pulver wurde wohl leider schon im Selbigen verschossen - nun muss der Teig bis ultimo ausgewalkt werden. Ich persönlich fühlte mich aber hauptsächlich extrem genervt von dem unsensibel eingesetzten Dauermusikbombardement aus lustlosem Mensch-was-sind-wir-nur-für-toughe-Kerle-Rock und grundweissem Gähnblues welches ziemlich jede einzelne Szene ertränkt und viel von deren Wirkung nimmt. Kurz: die Instrumentalmusik drängt sich hier einerseits in den Vordergrund, andererseits werden tempolastige Rock-und Midi-Eskapaden unter, bzw. über ruhige Dialogstellen in Büroszenen gepatzt. Um den angesprochenen Vergleich zu "The Shield" einzubringen: Dort war Musik so gut wie nicht vorhanden oder wurde eher recht subtil eingesetzt, was dem Realismus sehr zu Gute kam. Wem solche Detail wurscht sind, der wird seine helle Unterhaltungfreude an "The Bridge" haben, denn - seien Wir uns ehrlich: lieber eine neue Polizeiserie als gar keine, wer aber beispielsweise zu der Sorte Mensch gehört, die es nicht erträgt, wenn man eine Pizza serviert bekommt, auf der eine über 1cm dicke Schicht Olivenöl die Oberfläche samt feiner Zutaten durchgehend bedeckt, der wird verstehen, was ich meine. | |
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