The Black Donnellys: Paul Haggis verlässt Scientology

Paul Haggis mit Ehefrau Deborah Rennard
(c) 2008 broadwayworld.com
US-Filmemacher und Serienschöpfer Paul Haggis („The Black Donnellys“, „Crash“) hat in einem offenen Brief, der auf dem Blog eines ehemaligen Scientology-Führungsmitglieds (und jetzigen Scientology-Kritikers) erschienen ist, seinen Austritt aus der Religionsgemeinschaft bekannt gegeben.
Genau 35 Jahre lang war Paul Haggis, oscargekrönter Filmregisseur („Crash“, 2004), Drehbuchautor („Casino Royale“, 2006) und Serienmacher („EZ Streets“, „The Black Donnellys“), Mitglied in der Scientology-Kirche. Jetzt hat der 56-jährige öffentlich seinen Austritt erklärt. Als Hauptgrund führt er an, dass Scientology - entgegen einer ihm persönlich gegebenen Zusicherung des US-Sprechers der Organisation - sich in Kalifornien für Proposition 8 ausgesprochen habe, den (mittlerweile durch Volksentscheid angenommenen) Gesetzesvorschlag, der gleichgeschlechtliche Eheschließungen verbietet.
„Die Weigerung der Kirche, sich von den Handlungen dieser Heuchler, Fanatiker und Homophobiker zu distanzieren, ist feige. Ich kann kein anderes Wort dafür finden. Schweigen ist Zustimmung. Und ich kann nicht zustimmen.“ Doch die Unterstützung von Scientology für das Verbot der gleichgeschlechtlichen Ehe war für den engagierten Bürgerrechtsaktivisten Haggis nur der Anstoß, um sich intensiv mit seiner Glaubensgemeinschaft auseinanderzusetzen.
Dabei stieß er unter anderem auf ein Video von US-Sprecher Tommy Davis, in dem er gegenüber dem Nachrichtensender CNN erklärte, dass es die Praxis der disconnection, das heißt des vorgeschriebenen Kontaktabbruchs gegenüber Scientology kritischen Personen im Freundes- und Familienkreis, nicht gebe. Tatsächlich waren Haggis selbst und seine Frau jedoch dazu angehalten worden, den Kontakt zu ihren Eltern abzubrechen, nachdem diese Scientology verlassen hatten. An Tommy Davis gewandt erklärt Haggis dazu in seinem Austrittsschreiben: „Dich so mühelos lügen zu sehen, warf für mich die erschreckende Frage auf: über welche Dinge lügst Du noch?“
Hinzu kamen auch noch kürzlich publik gewordene Enthüllungen, denenzufolge die Scientology-Führung das Beichtgeheimnis von Aussteigern verletzt - und unter anderem den Ehebruch einer ehemaligen weiblichen Scientology-Führungskraft publik gemacht habe. Alles zusammen genommen führte dazu, dass Haggis zu dem Schluss kam, „nicht länger Teil dieser Gruppe sein zu können (...) Ich schäme mich nur, dass ich so viele Monate gewartet habe.“
Über seine Gründe, überhaupt so lange für Scientology eingestanden zu haben, erklärte Haggis: „Ich sah die Organisation - mit all ihren Auswüchsen, Geburtswehen und Problemen - immer als einen Underdog. Und ich hatte immer etwas für den Underdog übrig.“ Heute allerdings komme er sich „mehr als nur ein bißchen blöd vor.“
In Deutschland steht Scientology unter Beobachtung des Verfassungsschutzes, da die Organisation im Verdacht steht, Bestrebungen zu verfolgen, die gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung gerichtet seien, indem eine Gesellschaftsordnung angestrebt werde, die zentrale Verfassungswerte wie die Menschenwürde oder das Recht auf Gleichbehandlung außer Kraft setzen bzw. nur auf Mitglieder von Scientology einschränken. In diesem Sinne entschied im vergangenen Jahr auch das Oberverwaltungsgericht NRW, dass Scientology weiterhin vom Verfassungsschutz beobachtet werden darf.
Christian Junklewitz am Dienstag, 27.Oktober 2009 11.00 Uhr
10 Leserkommentare
| Hülya vor 3 Jahren: | Platz 93 in der Community Top-100 |
Ich wußte gar nicht, dass er Scientologe ist. Aber gut, dass er sich nach so langen Jahren entschieden hat, sich (öffentlich) loszusagen | |
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| Nygidda vor 3 Jahren: | |
Würde mich interessieren, wie andere Promi-Mitglieder darauf reagiert haben / nun reagieren... kommt hoffentlich nun so 'ne Austrittswelle... | |
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| Samael vor 3 Jahren: | Platz 49 in der Community Top-100 |
von tom cruise bestimmt nicht...der wird sich davon distanzieren. nachher schließt noch jemand durch seine homophilie auf was anderer ... | |
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| PeterSicherlich vor 3 Jahren: | |
*Thumbs up* | |
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| Serienfan vor 3 Jahren: | Platz 18 in der Community Top-100 |
der kerl sollte lieber noch ein paar staffeln für "The Black Donnellys" drehen anstatt sich mit Scientologie zu befassen.... | |
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| GlenGannon vor 3 Jahren: | Platz 78 in der Community Top-100 |
Könntet ihr in eurem Bericht bitte den Begriff "Religionsgemeinschaft" durch das ersetzen, was dieser Verein wirklich ist, nämlich eine "Sekte" - danke! | |
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| Steve vor 3 Jahren: | Platz 93 in der Community Top-100 |
Scientology ist weder Sekte noch Religionsgemeinschaft sondern eine Firma. Und die machen einen Haufen Geld! | |
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| stettler vor 3 Jahren: | |
"Leider findet man in diesem Artikel keine Position der Scientology Kirche. Es ist selbstverständlich Haggis selber überlassen, Mitglied oder Nichtmitglied zu sein. Die Scientology Kirche weigert sich seit jeher politische Statements abzugeben. So würde sie ihren Mitgliedern auch nie empfehlen eine bestimmte Partei zu wählen. Die Diskussion um die Homo-Ehe ist eine politische Frage und so wird sich die Kirche weder dafür noch dagegen aussprechen. Dass ein einzelner Vertreter einer lokalen Kirche dazu ein Statement abgegeben hat war ein Fehler, dies wurde auch korrigiert, die Kirche hat sich davon distantiert. Unter den Mitgliedern der Scientology Kirche finden sich auch Homosexuelle, ohne dass die Kirche damit ein Problem hat. Auch müsste Haggis wissen, dass es jedem Mitglied selber überlassen ist zu entscheiden ob er mit jemandem den Kontakt abbricht oder nicht. Ein Kontaktabbruch geschieht selten...und meist dann wenn ein unüberwindbares Zerwürfnis besteht. Im übrigen: Hundertausende von Mitgliedern der Staatskirchen verlassen jedes Jahr ihre Kirche, darunter sicher auch viele Prominente. Nur wenn es um Scientology geht, werden daraus Schlagzeilen! " | |
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| Serienfan vor 3 Jahren: | Platz 18 in der Community Top-100 |
naja... niemand ist gezwungen zu scientology zu gehen. das problem aber ist, die sind sehr undurchsichtig. was mich aber am meisten stört ist, das die immer vor den schulen stehen, und versuchen, die kinder zu bekehren. und mitglieder die diesen "verein" verlassen werden auch noch physisch wie psychisch unter druck gesetzt. natürlich sind aber die mitglieder selbst dran schuld, wenn sie ihr gesamtes vermögen, denen übertragen. jeder kann tun und lassen was er will, soll sich dann aber icht beschweren. vorher informieren.... | |
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| anon222 vor 3 Jahren: | |
Scientology ist ein gefährlicher, unsere Freiheit bedrohender Irrglaube! Wir klären auf: Ein Alptraum in 3 Worten: Tagesschau: " Bundeskanzlerin Sabine Weber..." Frau Weber ist Präsidentin der Scientology Organisation Berlin, sie leitet außerdem den scientologischen Geheimdienst OSA, der jetzt schon für Unterdrückung der Meinungsfreiheit sorgt: Er verfolgt und terrorisiert Kritiker. Ist Scientology erstmal an der Macht, gibt es überhaupt keine Freiheit mehr. Durch Aufklärung wollen wir verhindern, dass dieser Alptraum Wirklichkeit wird! http://forum.diekartegefunden.com/viewtopic.php?f=16&t=236 | |
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