Tatort Münster: Review zu «Tempelräuber»


Tatort Münster: Review zu «Tempelräuber»
Thiel (Axel Prahl) und Boerne (Jan Josef Liefers) im neuen „Tatort“
(c) WDR/Michael Böhme
„Tatort Münster: Review zu «Tempelräuber»“ nachzulesen bei Serienjunkies

Trotzdem hat der „Tatort“ Münster etwas Besonderes geleistet, weil er es geschafft hat, die Comedy zu einem konstanten, ja konstitutiven Faktor in den Fällen von Thiel und Boerne zu machen. Von denjenigen, die eher den klassischen „Tatort“-Ansatz bevorzugen, wird diese Variation nicht immer geschätzt (bisweilen sogar explizit gehasst). Insbesondere das jüngere Publikum freut sich jedoch über die Abwechslung - und den nicht ganz so bierernsten und getragenen Ton mancher anderer „Tatort“-Folgen.

Ein wenig problematisch wird die komödiantische Ausrichtung des Münster „Tatort“ nur dann, wenn die Macher - wie in der aktuellen Folge „Tempelräuber“ - versuchen, ein überaus ernstes und bewegendes Thema, hier: das Schicksal von Kindern katholischer Priester, zu erzählen. Nur um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Selbstverständlich ist jedes Thema für eine Komödie gut. Nur daneben muss im „Tatort“ ja auch noch ein Mord aufgeklärt werden. Da kann es bisweilen schon mal zu einem ziemlichen Balanceakt werden, köstlichsten Ulk und schwerstes Drama unter einen Hut zu bringen.

Doch „Tempelräuber“ bewältigt diesen Balanceakt alles in allem sehr gut: Die Folge beginnt mit dem Schwerpunkt auf der Komödie (Boerne, der sich in der Badewanne helfen lassen muss - ein Bild für die Götter!), bevor die Folge dann in der zweiten Hälfte sich auf das Drama verlagert. So ganz gelingt es dem Film zwar nicht, diesen Bruch zu überspielen. Brillante Darsteller, eine sorgfältige Inszenierung und ein spannendes Buch, das durch einige schöne Wendungen und Kniffe zu überzeugen weiß, sorgen jedoch dafür, dass sich dieses Umschlagen vom Komischen zum Ernsten nicht negativ bemerkbar macht.

Im Gegenteil: Dadurch, dass „Tempelräuber“ die Zuschauer nicht 90 Minuten lang in einem Tränenmeer versenkt, sondern einen zunächst sehr heiteren Grundton anschlägt, kommen auch die dramatischen Momente viel besser zur Geltung - und können ihre Wirkung auf eine wesentlich konzentriertere Weise entfalten.

Fazit

Tempelräuber“ ist ein sehr unterhaltsamer und sehenswerter „Tatort“, der gekonnt auf den Klaviaturen des Komischen wie des Tragischen spielt.

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Christian Junklewitz am Samstag, 24.Oktober 2009 10.00 Uhr

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3 Leserkommentare

Deichkind ♥ vor 3 Jahren:

Tatort Münster ist einfach der beste.

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autistic vor 3 Jahren:

Mhhh... Also ich habe entsetzt nach den ersten zehn Minuten abgeschaltet. Wie wahrscheinlich ist es, dass ein Gerichtsmediziner Zeuge eines Mordes wird? Nach diesem unsinnigen Anfang hatte ich schon keine Lust mehr. Und dann dieses ständige Overacting von JJ Liefers - da schalte ich die Kiste doch lieber aus.

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Eisenheim vor 3 Jahren:

Also, ich muss sagen, der Anfang ist wirklich nicht ganz so warscheinlich (Sprich das Boerne Zeuge und auch teilweise Opfer wird) aber, die Warscheinlichkeit ist vorhanden.

Desweiteren fand ich den Plot sehr gut un dauch das Erzähltempo war durchweg Positiv. Auf den Täter bin ich selber erst kurz vor Schluss gekommen, was das Zuschauen noch besser machte (es gibt da einige Tatorte, in diesem Jar, bei denen ich schon nach 30-45 min den Täöter kannte). Von daher war es mal wieder ein sehr gelungener Tatort aus Münster, ich komme selber aus der näheren Umgebung und freue mich mal wieder ein paar bekannte Ecken gesehen zu haben.

Mfg Eisenehm

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