Studie: Mehr Fernsehspaß durch Werbeunterbrechungen?

Foto: Artii
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Eine amerikanische Studie kommt zu einem überraschenden Ergebnis: Zuschauer versuchen zwar, Sendungen mit Werbeunterbrechungen nach Möglichkeit zu meiden, haben aber trotzdem an Sendungen mit Werbungen den meisten Sehspaß. Ein Widerspruch?
Die generelle Idee hinter der jetzt vorgelegten Auswertung von sechs Studien war die bekannte Tatsache, dass eine Handlung mit fortgesetzter Dauer immer mehr ihren Reiz einbüßt, von Minute zu Minute (geringfügig) weniger erfüllend ist. So auch das Sehen einer Fernsehsendung. Die Werbeunterbrechung und die darin gezeigten Werbespots sorgen nun, so die Studie, dafür, das der Prozess des Sehens einer Sendung unterbrochen wird - und somit auch der Verfall des Sehspaßes - nur um nach der Unterbrechung auf einen höheren Level erneut zu beginnen.
Zudem ermöglichen die Unterbrechungen gerade bei spannenden Programmen durch einen Mini-Cliffhanger einen weiteren Spannungsaufbau für die Zuschauer - die Spannung steigt, wie es nach der Unterbrechung weiter geht - bzw. ermöglichen eine Reflektion des gesehenen und ein Überlegen, was man von der kommenden Handlung erwartet.
Warum das der durchschnittliche Zuschauer - allgemein bekannt für sein Schimpfen auf die Werbeunterbrechungen - nicht in seinem Alltag auch so erlebt, vermögen die Wissenschaftler der NYU Stern zu motivieren, wenn auch nicht wissenschaftlich fundiert zu erklären: Zum einen weisen sie darauf hin, dass die normalen Zuschauer ja keine wissenschaftlichen Experimente vornehmen, d.h. sie schauen nicht zuerst z.B. eine Serienepisode mit Werbeunterbrechungen, dann eine ohne und halten ihre Erfahrungen und Gefühle dabei minutiös fest, stellen subtile Unterschiede - und um die geht es hier letztlich - nicht fest.
Auch gestehen die Forscher ein, das es durchaus auch auf die Art der gezeigten Spots während der Unterbrechung ankommt. Sein diese dem Thema des gezeigten Inhalts der Hauptsendung nicht angemessen, so können sie natürlich im höheren Maße störend sein und so die beschriebenen positiven Effekte zunichte machen. Speziell nannten die Forscher hier die Serie „24“, derren Spannungsbogen besonders durch Werbeunterbrechungen gestört werde.
Immerhin also kein voller Faustschlag in das Gesicht vieler Produzenten von Fernehinhalten, die mittlerweile auch öffentlich die Meinung vertreten, dass ihre Produkte doch am besten in unge(bzw. zer-)störter Form zum Beispiel auf DVD konsumiert werden sollten.
Einen Hinweis haben die Forscher - die gesondert darauf verwiesen haben, dass ihre Finanzierung tatsächlich rein aus Universitätsmitteln stammt und keine Beiträge etwa der Werbeindustrie enthält - aus ihrer Studie für die Anbieter von werbefinanzierten Streamingangeboten: Anders als die bisherige Praxis sei es aus ihrer Sicht sinnvoll, die in den Streams eingefügte Werbung nicht etwa am Anfang, sondern durchaus in der Mitte der Laufzeit des Steams zu platzieren - aus den eben von ihnen festgestellten Gründen.
Bernd Michael Krannich am Sonntag, 1.März 2009 12.00 Uhr
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