Serientagung in Potsdam: Die glorreichen Drei

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Serientagung in Potsdam: Die glorreichen Drei

Nachdem der Jahreswechsel und das Ende des Jahrzehnts in den vergangenen Wochen zahllose Best-of-Listen hervorbrachte, kam die Konferenz der HFF Potsdam genau richtig, um diese Kompilationen bemerkenswerter Serien noch einmal unter die scharfe Lupe der Wissenschaft zu nehmen. Vor allem Jungakademiker nutzten die Gelegenheit, ihre Überlegungen zur seriellen Gegenwartskultur vorzustellen.

Vom 14. bis 16. Januar veranstaltete die Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam eine internationale Tagung zum Thema „Contemporary Serial Culture: Quality TV Series in a New Media Environment“. Dass die US-amerikanische Serie in diesem Rahmen einen prominenten Platz einnahm, mag den passionierten Serienjunkie wenig überraschen. Bemerkenswerter war da schon die Anzahl von über 60 Vorträgen, in denen Nachwuchswissenschaftler aus Deutschland, Finnland, England, Österreich, Griechenland, Spanien, Großbritannien, Norwegen, Frankreich, Niederlande, Dänemark, Belgien, Schweden, Italien, Tschechien, Slowakei und den USA über den Stand der Serienkultur diesseits und jenseits des Ozeans reflektierten.

„Serientagung in Potsdam: Die glorreichen Drei“ nachzulesen bei Serienjunkies

It's not TV. It's Quality.

So breitbandig die Themenpalette des Tagungsprogramms angelegt war, um eine Frage kam kaum ein Vortrag herum: Was ist eigentlich dieses Quality TV? Dem aufmerksamen Leser dürfte die Frage bekannt vorkommen, wurde sie doch auch schon auf serienjunkies.de debattiert (Serienjunkies vom 4. Juli 2009). In Potsdam löste man das Rätsel um die Kriterien des Qualitätsfernsehens am häufigsten damit, den Terminus unter Anführungszeichen zu setzen (nicht ohne Einsatz der allseits beliebten „air quotes“) und seine Klärung damit zu vertagen (Die nächste Konferenz kommt bestimmt).

Auch die gängige Hilfsformel, Quality TV am besten dadurch zu definieren, was es nicht ist, wurde bemüht. Der Dauerbrenner unter den Qualitätsmarkern war aber Jason Mittells „narrative Komplexität“. Dass deren Trennschärfe am Ende der Nullerjahre drastisch abgenommen hat, da den Schreibstuben Hollywoods kaum noch ein Fernsehdrama entwischt, das nicht mit zahllosen Handlungssträngen, ausufernden Figurenensembles und einer hohen Dichte an Popkultur-Referenzen aufwartet, konnte die Euphorie über die Vielschichtigkeit der amerikanischen Serie nicht bremsen.

Eine letztgültige Antwort blieben die Tagungsteilnehmer einander dennoch schuldig und bei mir blieb einmal mehr der Eindruck zurück, dass die Diskussion um die besondere Qualität der aktuellen amerikanischen Serien vor allem einen Zweck erfüllt: als Argument für Kunst-, Kultur- und Kommunikationswissenschaftler, Literaturwissenschaftler, Sprachwissenschaftler, Theaterwissenschaftler und Wirtschaftswissenschaftler, mit dem das Interesse an einem verpönten Kulturgut („Fernsehen macht dumm!“) gegenüber den missbilligenden Kollegen verteidigt werden kann.

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Kathi Gormász am Freitag, 22.Januar 2010 08.00 Uhr

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4 Leserkommentare

clara86 vor 3 Jahren:

Schöne Reportage! Kann man da als "normalo" hingehen oder ist das nur für Wissenschaftler?

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wibi44 vor 3 Jahren:Platz 6 in der Community Top-100

Die Zukunft der Serie? Schwierig, zumal ich bei weitem kein Wissenschaftler bin. Aber als Konsument bleibt das Fernsehgerät sicher Austragungsort Nummer eins, zumal man es ja auch mit Laptop oder PC verbinden kann oder in naher Zukunft übers Kabel direkt ins Internet kommt.

Das Internet wird an Verbreitung für Serien zunehmen, auch wenn Deutschland hier noch weit hinterherhinkt. In den USA, aber auch in Großbrittannien und Skandinavien wächst die Bedeutung des Internets als Serienplattform nahezu wöchentlich.

Und wenn sich ein Publikum für iSerien findet, dann wird sicher auch das gemacht.

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hellfeyer vor 3 Jahren:

@clara86: da hätte jede/r hingehen können. man muss es halt mitbekommen - und da hilft ein kurzer draht zu den veranstaltern /zum business schon. und es kostet in der regel etwas (ca.50-100euro).

ansonsten hat hier auch der rahmen die richtung vorgegeben. kulturpessimisten und protagonisten, die die "kunst" hochhalten, geben sich dann wie selbstverständlich die klinke in die hand.

das abstellen auf "narrative komplexität" sehe ich auch als hauptfaktor für "qualität". wenn das erleben von figuren und geschichten "realistischer" empfunden wird, bekommt es eher einen qualitätsanstrich - und komplexe erzählstränge und sich entwickelnde figuren sind das, was wir aus der realen welt am ehesten kennen, im gegensatz zu zirkeldramaturgie oder zweidimensionalen charakteren (ohne hier ausschließen zu wollen, dass es auch solche gibt). dabei darf nicht übersehen werden, dass auch andere production values eine rolle spielen - eine folge desperate housewives würde hierzulande mehrere tatort-folgen finanzieren, das spürt man auf jeder ebene. es geht jedoch jeweils los mit einem komplexen, qualitativ guten script. da muss bei manchen noch ein groschen fallen - zumal das argument, so etwas ist dem deutschen tv-rezipient nicht zu verkaufen, (noch immer) nicht von der hand zu weisen ist.

auch hat der markt bisher kaum auf die divergenz der medien reagiert. auch ich schaue serien, die mir gefallen, per dvd - ohne werbung und erzwungene pausen, weil ich diese beiden punkte als zumutung empfinde. ich stimme dem tenor jedoch zu: auch über internet etc. werden in erster linie tv-inhalte konsumiert, weil hier das know-how und die mittel vorhanden sind. vodafone, nintendo und konsorten sind techniker - vom geschichtenerzählen haben sie keine ahnung (und sind sich dieser tatsache dankenswerterweise auch bewusst).

zukunft? gute geschichten auf höchstem niveau in jeglicher distributionsweise. bleibt zu hoffen, dass das noch jemand bezahlt.

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albert_rosenflower vor 3 Jahren:

kinofilme und tv-serien in kinoqualität sollten möglichst zeitnahe globale distribution erfahren. nur so kann die anerziehung halblegaler verhaltensweisen von serien- und filmjunkies entgegengewirkt werden. um so zeitnaher eine deutsche ausstrahlung an der us-premiere liegt, um so höher dürfte die quote sein.

andererseits ist die frage, ob dt. free-tv-sender mittels z.b. output-abo-vertrag mit einzelnen sendern (hbo, amc, showtime etc.) das auf dauer bezahlen wollen würden, wenn ja dann auf eine pay-tv-verwertung verzichtet werden müsste. oder man macht endlich eine art hbo in deutschland auf, ein paytv-kanal, auf dem sämtliche serienknaller ihre deutschlandpremiere feiern, anstatt zerfleddert auf verschiedene kanäle, die sich einzeln eigentlich nicht lohnen.

bis dahin sind mir die us-serienstarts am wichtigsten. ich kann die neuen folgen 24 stunden nach us-ausstrahlung sehen. und zwar am liebsten am fernseher, gebrannt auf eine disc.

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