US-Serien: Wird das Fernsehen im Herbst «einfarbig»?
Minderheiten sind in den neuen US-Serien zwar präsent, aber nicht prominent.

Lindsey Price: Die Halbkoreanerin ist eine der wenigen Angehörigen einer Minderheit in einer echten Hauptrolle
© NBC
Zwar hat das amerikanische Fernsehen in den letzten Jahren Fortschritte dabei gemacht, Minderheiten in die Handlungen ihrer Serien einzubinden - aber die Protagonisten sind doch meist weiße Amerikaner.
Der amerikanische Medienjournalist Rick Porter (Zap2it) hat sich mal die Mühe gemacht, und die Zahlen für die neuen amerikanischen Fernsehserien zusammengetragen, die direkt im Herbst an den Start gehen (also ohne Midseason-Serien). Demnach haben die Broadcast-Networks 20 neue drehbuchbasierte Serien bestellt. Dafür wurden 135 Schauspieler als Hauptdarsteller verpflichtet (die Sprecher von „The Cleveland Show“ sind in diesen Zahlen enthalten).
Von diesen 135 sind 30 Angehörige von Volksgruppen, die in den Vereinigten Staaten als Minderheiten gelten: Afro-Amerikaner, Latinos, Asiaten oder Darsteller gemischter Herkunft. Das entspricht einem Anteil von 22 Prozent und liegt damit in der Nähe der 25 Prozent, die Minderheiten nach der letzten Volkszählung (2000) an der US-amerikanischen Gesamtbevölkerung ausmachen.
Von diesen 30 sind jedoch nur sehr wenige auch die Protagonisten ihrer Serien. Die meisten von ihnen fallen in die Kategorie Nebendarsteller. Heraus ragen nur wenige Rollen. Da sind Darryl Mitchell und Michael Strahan als die Titelfiguren in „Brothers“, Derek Luke wird bei „Trauma“ als erster Name im Vorspann genannt werden, LL Cool J teilt sich mit Chris O'Donnell in etwa gleichberechtigt die Hauptrolle von „NCIS: Los Angeles“, ebenso wie Lindsey Price (Mutter Koreanerin) in „Eastwick“ mit Rebecca Romijn und Jaime Ray Newman. Aber das war es dann auch schon.
Einige andere Serien haben ihren Job erfüllt und eine bunte Mischung (no pun intended) an Darstellern angeworben: „Melrose Place“, „The Beautiful Life“, „Flash Forward“ und „Community“. Drei der fünf Sprecher von „The Cleveland Show“ sind Afro-Amerikaner - aber nicht der Sprecher der Titelfigur, die eben jener Volksgruppe angehört.
Ansonsten ist die Positionierung von Charakteren aus Minderheiten wenig prominent. So werden die amerikanischen Networks sicherlich nicht von den eher durchschnittlichen Noten herunter kommen, die ihnen die Interessenverbände von Minderheiten in den letzten Jahren ausstellten (Serienjunkies vom 24.12.2008).
Bernd Michael Krannich am Samstag, 30.Mai 2009 06.00 Uhr
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