SAG verschiebt Streik Urabstimmung

Hat mit internen Abweichlern zu tun: Alan Rosenberg
Foto: Albert L. Ortega
Nachdem auch von innerhalb der amerikanischen Schauspielergewerkschaft Screen Actors Guild vermehrt kritische Stimmen an die Öffentlichkeit gedrungen waren, hat sich die aktuelle Gewerkschaftsspitze dazu entschieden, die Abstimmung über eine Autorisation eines Streiks kurzfristig auszusetzen - sie sollte am 2. Januar beginnen. Nun kommt es zunächst zu einer Sitzung am 12. Januar.
Am 30. Juni lief der bisherige Tarifvertrag der amerikanischen Film- und Fernsehschauspieler ab, die in der Screen Actors Guild organisiert sind. Nach zähen und ungewohnt öffentlich ausgetragenen Verhandlungen mit der Interessenvereinigung der Film- und Fernsehproduzenten, AMPTP, legten letztere schließlich in letzter Minute einen Vertragsentwurf vor, der in etwa denen ähnelt, die zuvor die Drehuchautoren und Regisseure unterschreiben hatten, ebenso die andere Schauspielergewerkschaft, AFTRA, in der Daily-Soap-Darsteller, Ansager, Radioleute aber auch einige Prime-Time-Darsteller sowie die meisten Beschäftigten von Kabelserien organisiert sind (und einige Darsteller sind wegen der Vielfältigkeit ihres Berufes in beiden Gewerkschaften Mitglied).
Die SAG-Führung wollte den Vorschlag nicht annehmen, da sie für ihre Klientel noch andere Punkte für wichtig erachteten, insbesondere im Bereich der Entschädigung und Zuständigkeit der Gewerkschaft für Produktionen in den Neuen Medien (VOD, Streaming von fürs Fernsehen produzierte Videos) - geht man doch davon aus, dass unter diesem Punkt mittelfristig die Zukunft des Schauspielerberufs liegt. So spielte die die Gewerkschaftsführung hart, seit dem 30. Juni arbeiten die Schauspieler eigentlich ohne Tarifvertrag, aber unter den Bedingungen des alten weiter.
Nach Wochen des internen Zwists um die weitere Vorgehensweise innerhalb der SAG kam es dort turnusgemäß zur Neuvergabe einiger Sitze im Nationalen Vorstand. Dabei übernahmen ausgesprochen gemäßigtere Leute die Mehrheit. Überhaupt ließ sich der Konflikt innerhalb der SAG lokalisieren: Die Vertreter aus dem „Ortsverband“ Hollywood vertraten eher eine unnachgiebige Verhandlungsführung, die der anderen, kleineren Gebiete - darunter New York, das etwa 25% der 120.000 SAG-Mitglieder repräsentiert - waren eher moderat. Vor allem, nachdem in den letzten Monaten die amerikanische Wirtschaft einen deutlichen Abschwung genommen hat.
Trotzdem ermächtigte auch der neu zusammengesetzte Nationale Vorstand die Gewerkschaftsführung, eine Urabstimmung über einen Streik durchzuführen. Es folgten daraufhin nochmals Gespräche mit der AMPTP, die von einem amtlichen Mediator geleitet wurden. Doch auch diese scheiterten. Allerdings wurden die Gespräche noch unter der Mehrheit von Hardlinern durchgeführt - bei laufenden Verhandlungen werden diese beibehalten, auch wenn einzelne Mitglieder in der Zwischenzeit abgewählt wurden. Schließlich Setzte die Gewerkschaftspitze unter Präsident Alan Rosenberg die Urabstimmung für den Zeitraum ab dem 2. Januar an. Begleitet werden sollte diese von einer Informations-Kampagne über die Gründe der Ablehnung des Vertragsangebotes und deren Gründe.
Die Gemäßigten inklusive der New Yorker Fraktion nutzten nun den Weg über die Öffentlichkeit, um die Gewerkschaftsmitlgieder zur Ablehnung der Streikautorisation aufzurufen (Serienjunkies vom 24. Dezember 2008). Natürlich ist die Gewerkschaftsspitze über diesen Zug empört, spielt er doch den Verhandlungsgegnern der AMPTP direkt in die Hände.
So beschloss man nun, anstatt die Befragung ab dem 2. Januar durchzuführen, sich intern nochmals am 12 und 13. Januar zusammen zu setzen, um die Probleme auszuräumen. Eine Abstimmung könnte dann im Fall einer Einigung bereits am nächsten Tag beginnen. Um einen Streik durchführen zu können, benötigen die Hardliner eine Mehrheit von 15% der abgegebenen Stimmen für einen Streik - eine hohe Hürde, deren erreichen schon seit Monaten als kritisch angesehen wird - weswegen die Gewerkschaftsführung sich keine systematischen Quertreiber leisten kann.
Die Ergebnisse könnten dann um den 3. Februar aufbereitet sein - rechtzeitig, um die am 22. Februar stattfindenden Oscars mit einem Boykott bedrohen zu können. Denn: In mehreren offiziellen Äußerungen weisen Hardliner darauf hin, dass man eine erfolgte Streikautorisation zunächst als Unterpfand für neue Verhandlungen nutzen wolle.
Die einstweilige Verschiebung der Abstimmung ist ein Zeichen dafür, dass den Gewerkschaftshardlinern die öffentliche Meinung wichtig erscheint, denn eine schlechte Stimmung, der Eindruck, die SAG-Mitglieder seien gierig, könnte dazu führen, das Mitglieder gegen einen Streik stimmen könnten.
Bernd Michael Krannich am Freitag, 26.Dezember 2008 11.15 Uhr
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