SAG vs. AMPTP: Medienschlacht geht weiter

Während es laut der Produzenten-Vertretung AMPTP momentan keine Verhandlungen mit der Schauspielergewerkschaft SAG gibt, wird die Auseinandersetzung zwischen beiden Parteien um einen neuen Tarifvertrag für die Mehrzahl der amerikanischen Schauspieler weiterhin eher in den Medien geführt. Streitpunkt diesmal: Ein 12-seitiger Brief der SAG-Führung an die Mitglieder.
Seit Wochen verhandeln die Vertreter von AMPTP und SAG nicht mehr am Verhandlungstisch, sondern versuchen über Stellungnahmen in den Medien jeweils für ihre Seite eine gute Presse zu erreichen. Während die SAG in einem 12-seitigem Brief davon spricht, dass es zumindest noch informelle Gespräche zwischen beiden Seiten gäbe, widersprach die AMPTP dieser Darstellung: Ihr bestes, letztes und finales Angebot läge seit dem 30. Juli auf dem Tisch, es gäbe keine weiteren Verhandlungen in der Sache.
In dem besagten Brief legt die SAG-Führung nun den letzen Stand der Verhandlungen aus ihrer Sicht dar und erläutert gleichzeitig, warum man den Vorschlag der Produzenten nicht annehmen wolle - obwohl alle anderen Hollywood-Gewerkschaften ähnliche Verträge angenommen habe. Hierzu die Stellungnahme: „Das Arbeitsleben eines Schauspielers lässt sich nicht mit dem eines Autoren vergleichen“. Dem Brief liegt eine Antwortpostkarte bei, mit dem die SAG-Spitze sich ein Bild der Meinung der Mitglieder verschaffen will, ob man den vorliegenden Vertrag annehmen solle oder weiter verhandeln.
Die AMPTP beschwert sich nun in einer Stellungnahme darüber, das der 12-seitige Bericht einseitig formuliert sei und auch die Antwortpostkarte so designt sei, dass die Antwort deutlich Richtung einer Ablehnung des vorliegenden gehen müsse.
Die SAG erwidert, dass es seit längerem eine Forderung der AMPTP gewesen sei, den vorliegenden Vorschlag auch den Mitgliedern der Gewerkschaft vorzulegen - was nun geschehen sei.
Die Verhandlungen zwischen SAG und AMPTP waren die ganze Zeit über von Rhetorik in der Öffentlichkeit geprägt. Momentan herrscht ein Patt. Die AMPTP hat ein Angebot auf den Tisch gelegt, dass man als final und nicht weiter verhandelbar ansieht. Die Spitze der SAG ist nicht bereit, das Angebot anzunehmen. Um aber neue Verhandlungen zu erzwingen, müsste die Gewerkschaft wohl mit Streik drohen oder in Streik treten - nur momentan fehlt dazu anscheinend der Rückhalt in der Gewerkschaftsbasis, deren Mitglieder einen Streik in einer Urabstimmung mit 75% Ja-Stimmen autorisieren müsste.
Am 18 September findet jedoch in der SAG eine Neuvergabe von Sitzen im nationalen Vorstand statt. Neben Kandidaten, die die Haltung der momentanen SAG-Führung unterstützen (unter der Bezeichnung Membership First), hat sich eine zweite Gruppierung (unter der Bezeichnung Unite for Strength) gebildet, die deutlich weniger kompromisslos ist, als die bisherige Führung.
Vermutlich ist es von der SAG-Führung mit Bedacht so geplant worden, dass die Antwortpostkarten am 15. September - drei Tage vor der Deadline für die ebenfalls schriftlich stattfindende Wahl.>br>Momentan arbeiten die amerikanischen Schauspieler ohne einen gültigen Tarifvertrag, aber unter den Bedingungen der vor zwei Monaten ausgelaufenen Vereinbahrung. Viele Spielfilmproduktionen ruhen jedoch wegen der Unwägbarkeiten, da die Schauspieler - wegen der Notwendigkeit, eine Urabstimmung schriftlich durchzuführen mit einer Vorlaufzeit von etwa zwei Wochen - komplett in Streik treten könnten.
Bernd Michael Krannich am Donnerstag, 4.September 2008 13.00 Uhr
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