Russell T Davies: Der Mann der Doctor Who zurückbrachte

Der Star unter den britischen TV-Autoren: Noch-Doctor Who-Showrunner Russell T Davis
(c) BBC
Am vergangenen Samstag lief in Großbritannien die letzte Folge der vierten Staffel von „Doctor Who“. Für Russell T Davies war es zugleich die letzte reguläre Folge der Serie, für die er als Chefautor und Executive Producer die Verantwortung trug. Nach den kommenden vier Specials wird 2010 sein Kollege Steven Moffat den Chefposten hinter den Kulissen übernehmen.
Für Davies müssen die letzten Wochen ein einziger Triumphzug gewesen sein: Nicht nur, dass die Einschaltquoten von „Doctor Who“ neue, ungeahnte Höhen erreichten, auch die Kritik überschlug sich - vollkommen zu Recht - mit Lobeshymnen: Der Tenor lautete, dass RTD, wie Davies in Fankreisen abgekürzt wird, sich selbst übertroffen - und bisweilen Episoden vorgelegt habe, wie man sie von ihm vorher nicht erwartet hätte (z.B. „Midnight“).
Das zweiteilige Finale der jüngsten Staffel, welches am letzten und vorletzten Samstag im Vereinten Königreich lief, wurde von der britischen Öffentlichkeit wie ein nationales Großereignis zelebriert. Fernsehen, Radio, Internet und Zeitungen überboten sich mit Sonderberichten, was hierzulande angesichts der notorisch mittelmäßigen Quoten des Doktors auf ProSieben - leider - undenkbar wäre.
Zum Höhepunkt erreichte „Doctor Who“ in Großbritannien vergangene Woche eine Einschaltquote von 9,4 Millionen Zuschauern (die endgültigen Zahlen, die auch Videorekorder-Aufzeichnungen berücksichtigen, dürften die 10-Millionen-Marke durchbrechen) und 45,9 Prozent Marktanteil. Damit setzte sich „Doctor Who“ zum ersten Mal in der 45-jährigen Geschichte der Serie mit einer regulären Folge vor die sonst unüberwindbar starken Soap Operas im britischen TV-Programm.
Der Appreciation Index (ein in Großbritannien ermittelter Wert für die Zufriedenheit der Zuschauer mit einem Programm, der sich zwischen 0 und 100 bewegt) lag bei 91. Ein Wert, den die Serie vor dem Zweiteiler „The Stolen Earth“/„Journey's End“ noch nie zuvor erreicht hat - und der zu den höchsten AI-Werten zählt, die überhaupt jemals von einer Mainstream-Unterhaltungssendung in England erreicht worden sind. Ein derartiges Zusammenkommen von Zuschauerzahl und Zuschauerzufriedenheit gilt, wie zu lesen ist, als nahezu beispiellos in der britischen Fernsehgeschichte.
Einen besseren Zeitpunkt zum Aufhören hätte sich RTD wahrlich nicht aussuchen können: Auf dem absoluten Gipfel seines Erfolges. Und als wäre er derzeit noch nicht umstrahlt genug, wurde erst kürzlich bekannt, dass Davies von der Queen mit dem OBE (Order of the British Empire) geehrt und von der Universität in Cardiff mit einer Ehrendoktorwürde ausgezeichnet wird. In den üblichen Rankings der einflussreichsten Leute in der britischen Medienbranche wird er als der mächtigste Autor und Fernsehproduzent geführt.
Von der Öffentlichkeit gefeiert, von nicht wenigen (gerade im Fandom) aber auch gehaßt, ist Russell T Davies eine der schillerndsten Autorenpersönlichkeiten, die es derzeit nicht nur im britischen, sondern im internationalen Fernsehen überhaupt gibt. Grund genug für mich zu fragen: Wer ist dieser Mann eigentlich, der uns „Doctor Who“ 2005 aus der Versenkung der BBC zurückgeholt hat?
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Christian Junklewitz am Samstag, 12.Juli 2008 10.00 Uhr
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