Pushing Daisies: Gedanken zum Finale

Pushing Daisies: Gedanken zum Finale
So viel Farbe wird es wohl auf absehbare Zeit nicht mehr im Fernsehen geben: „Pushing Daisies“
(c) 2007 ABC

Letzte Woche Mittwoch ging nach nur insgesamt 22 Episoden auf ProSieben die US-Serie „Pushing Daisies“ zu Ende. Die Verblüffung, dass in diesem seltenen Fall die deutsche Ausstrahlung die amerikanische überholt hat (dort warten die Zuschauer immer noch auf die letzten drei Folgen), ist allerdings nichts verglichen mit der Trauer darüber, dass das US-Fernsehen nunmehr ein gewaltiges Stück farbloser geworden ist.

Jeder Fan hat seine eigene Methode, um sich auf den Abschied einer geliebten Serie vorzubereiten. Das wissen wir nicht zuletzt dank jenes grandiosen Videos, das ein „Pushing Daisies“-Fan kürzlich bei YouTube eingestellt hat (Serienjunkies vom 18. März 2009). Ich für meinen Teil habe die letzten Folgen aufgenommen - und auf den passenden Moment gewartet, sie mir anzuschauen. Einen Moment, der nach einer Feel-Good-Serie verlangt (habe ich gerade „einer“ gesagt? Ich meinte natürlich: DER Feel-Good-Serie!). Dass dieser Moment in Gestalt einer fiebrigen Viruserkrankung schon so bald kommen sollte, hatte ich nicht erwartet. Aber das hatte ich, was das Ende von „Pushing Daisies“ angeht, ja ebenso wenig.

„Pushing Daisies: Gedanken zum Finale“ nachzulesen bei Serienjunkies

Dabei hatte am Anfang alles so vielversprechend ausgesehen: Der Start der Serie im Oktober 2007 hatte ein hervorragendes Rating von 8.3/14 geholt. Insgesamt sahen über 13 Millionen Zuschauer die inzwischen mehrfach preisgekrönte Auftaktepisode „Pie-lette“. Bereits bei den nachfolgenden Episoden sanken die Einschaltquoten etwas, aber noch im vertretbaren Rahmen. Dann kam der Autorenstreik, der dafür sorgte, dass die erste Staffel nach nur neun Folgen abgebrochen werden musste.

Und als die Serie im Oktober 2008 auf die US-Bildschirm zurückkehrte (nach gut 10 Monaten Pause), da haben die Zuschauer einfach mittwochs um 20 Uhr nicht mehr zu ABC gefunden. „Pushing Daisies“ stürzte ab - die letzte in den USA gelaufene Folge „The Norwegians“ wollten gerade mal 4,8 Millionen Zuschauer sehen. Viel zu wenig für eine Serie, die in der Produktion solche Unsummen kostet wie das Design- und CGI-Wunderland von „Pushing Daisies“.

Es wäre müßig, jetzt Ursachenforschung betreiben zu wollen. Lag es an der schon seit Monaten auf das Gemüt der Amerikaner drückenden Krisenstimmung, die den Zuschauern das Eintauchen in die bunte Märchenwelt von „Pushing Daisies“ verleidet hat? Ist die Serie vielleicht ähnlich wie eine reich verzierte Sahnetorte mehr etwas für besondere Gelegenheiten - und nicht ein Programm, das sich die Mehrheit des Publikums regelmäßig Woche für Woche anschauen will? Wer kann das schon so genau sagen?

Sicher ist eigentlich nur, dass ich Abbitte leisten muss - für die Zweifel, die ich in meinem Review zum Piloten (Serienjunkies vom 29. Juli 2007) daran geäußert habe, ob „Pushing Daisies“ die herausragende Qualität auf Dauer würde halten könnten. „Pushing Daisies“ konnte. Auch wenn die Serie dazu nur über 22 Episoden hinweg Gelegenheit bekam: Die phantasievoll-abstrusen Geschichten, das ausladende Retro-Design, die geradezu überbordende Sinnlichkeit an Farben, Formen, Gerüchen, Geschmäcken; der hintergründige Wortwitz, das vertraute, aber nie märchenonkelhafte Voice Over, die liebenswerten und doch mit all ihren Schwächen so herzlich menschlichen Hauptfiguren - das alles machte „Pushing Daisies“ zu einer unvergleichlichen Serienerfahrung.

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Christian Junklewitz am Freitag, 20.März 2009 10.00 Uhr

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