Project Runway Interview:Heidi war immer die angenehmste Jurorin

Die deutsche Designerin Uli Herzner bei der All Time Challenge
Foto: David M. Russell/ Lifetime
Die deutsche Designerin Uli Herzner war 2006 Kandidatin in der erfolgreichen Reality-Show Project Runway. Im exklusiven Interview mit Serienjunkies.de gibt sie Einblicke in die Show, die Fashionindustrie der USA und erzählt, wie selbst ihre Mutter nach der Ausstrahlung in New York erkannt wurde.
Als Stylisten lebte ich bereits seit Jahren in Miami und habe nebenher immer schon designt. Vier Monate vor der Show, im Winter 2006, habe ich bei einem Wettbewerb für Nachwuchstalente teilgenommen. Die Organisatoren dieses Wettbewerbs nehmen auch an dem Casting für Project Runway teil und sie meinten, ich solle mich unbedingt bewerben. Natürlich hatte ich die bisherigen Staffeln von Project Runway gesehen, aber ich dachte, eine deutsche Kandidatin sei nicht möglich. Dann bin ich drei Tage nach meiner Fashionshow nach Los Angeles geflogen, um mit 4000 anderen Designern beim Casting teilzunehmen. Man muss ein paar Designs mitbringen und wird zu seiner Fernsehtauglichkeit getestet. Sie wollen ja auch bestimmte Nischen abdecken. So gibt es meistens einen „Ausländer“, einen „African-American“, den „Funny Gay Guy“, die „Soccer Mum“ - und ich habe da wohl ganz gut reingepasst.
SJ:Gab es Probleme, dass Du Deutsche bist - oder warst du die „Ausländerin“?Als Stylistin hatte ich bereits mit Heidi (Klum) gearbeitet, als sie noch nicht so berühmt war. Nicht, dass sie sich an mich erinnert hätte, aber ich glaube, sie fanden es ganz gut, jemanden aus dem Business zu wählen. Eine Deutsche hatten sie vorher auch noch nicht gehabt und dann natürlich mein Stil. Sie suchen immer recht unterschiedliche Designer. Der eine macht Leder, der andere ist ganz New York. Bei mir war es ganz viel Farbe und ungewöhnliche Muster. Zwei Monate später rief Tim Gunn persönlich an, um mir mitzuteilen, dass ich angenommen wurde.
SJ:Ist Tim Gunn in der Realität genauso nett, wie er in der Show rüberkommt?Er ist wahnsinnig nett, sehr bescheiden und eine absolute Vaterfigur. Er kümmert sich um die Designer und macht sich auch richtig Sorgen. In meiner Staffel konnte er jedoch mit meinen Designs eher weniger anfangen. Er stand dem Stil der anderen Kandidatin und Finalistin, Laura, wohl doch näher.
SJ:Ja, beim Kauf der bunten Muster schaute er Dich immer ganz fragend an.Ja, genau. [lacht] Er konnte damit nicht wirklich etwas anfangen. Aber er ist ein wirklich supernetter Mann und auch nach der Sendung konnten wir ihn noch anrufen und mit Fragen bombardieren. Er war ein wirklicher Mentor für uns Designer.
SJ:Welche Veränderungen gab es denn für Dich nach der Show? Hast Du viele Aufträge bekommen oder haben Dich die Leute sogar auf der Straße erkannt?Ich konnte gar nicht mehr auf die Straße gehen. Selbst meine Mutter, die nur kurz in der Sendung zu sehen gewesen war, wurde in New York auf der Straße erkannt. Ich konnte keinen Kaffee bei Starbucks bestellen und am Flughafen musste ich erst einmal zehn Fotos machen und Autogramme schreiben. Die Amerikaner sind da ja sehr euphorisch und sprechen Dich sofort an. In Deutschland sähe das wohl anders aus.
Das hielt ungefähr ein Jahr lang an und war in der Zeit kaum zu ertragen. Natürlich hat mir die Sendung auch sehr viele Vorteile gebracht. Es kamen wirklich sehr viele Aufträge rein, da natürlich die gesamte Modeindustrie die Sendung verfolgt. Ich habe sogar mehrere feste Jobangebote bekommen, die ich aber nicht annahm, um weiterhin selbstständig tätig zu sein. Ich bekam jedoch auch Aufträge von einigen Berühmtheiten, die ich einkleiden sollte, und Angebote aus dem Kostümbereich beim Film. Insgesamt haben sich sehr viele Türen für mich geöffnet.
SJ:Bei der erst kürzlich ausgestrahlten „All Time Challenge“ mit früheren Teilnehmern der Staffeln hast Du Deinen Stil jedoch radikal geändert.Mein Auftritt bei Project Runway war jetzt drei Jahre her und ich bin wahnsinnig viel gereist, war viel in New York unterwegs gewesen und wollte nicht mehr nur Muster verwenden. Ich war ja auch nie auf einer Designhochschule gewesen, sondern machte die Kleidung, die ich auch selber gerne trage. Und nach drei Jahren hat sich mein Stil einfach geändert. Diese tropischen Sachen kann man halt nur in Miami oder St. Tropez anziehen.
SJ:Warst Du sehr enttäuscht darüber, dass die Juroren den neuen Stil nicht ganz so gut angenommen haben wie die alte Print-Kollektion aus der dritten Staffel?Ja! Besonders, nachdem ich für die Prints immer so viel Ärger bekam und speziell Michael Kors immer nach neuen Entwürfen fragte. Dies sei zu Miami. Man könne diese Kleider nirgendwo anders tragen. Ich glaube aber, ich hätte noch mehr Ärger bekommen, wenn ich wieder Prints gemacht hätte. Das habe ich auch von anderen gehört. Man muss sich weiterentwickeln. Jetzt habe ich eine neue Modekollektion gemacht und bin sehr stolz drauf.
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Hanna Huge am Sonntag, 22.November 2009 12.00 Uhr
Ein Leserkommentar
| Chiana vor 3 Jahren: | Platz 91 in der Community Top-100 |
Danke für das Interview. Ich verpasse keine Folge und kann mich an "Ooolee" noch gut erinnern Die Serie hat mich auch dazu inspiriert, das Nähen anzufangen. | |
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