Prison Break: Review zur DVD der ersten Staffel

Trägt den Plan zum Ausbruch förmlich auf der Haut: Michael Scofield (Wentworth Miller) in „Prison Break“
(c) Fox
Seit Ende letzten Monats ist in Deutschland die erste Staffel der erfolgreichen US-Actionserie „Prison Break“ auf DVD erhältlich. Filmwissenschaftler Stephan Maschke hat sich als Gastrezensent für Serienjunkies die 22 Folgen angeschaut.
Inhalt
Michael Scofield (Wentworth Miller) versucht seinen unschuldig zum Tode verurteilten Bruder Lincoln Burrows (Dominic Purcell) aus dem Gefängnis zu befreien - aber nicht unvorbereitet. Sämtliche Baupläne der Anstalt sowie weitere entscheidende Hinweise für den Ausbruch versteckt er in einem großflächigen, raffiniert gestalteten Tattoo, dass er sich vor seinem Scheinüberfall hat stechen lassen. Als sich die Türen von Fox River hinter ihm schließen, beginnt sein von langer Hand, akribisch und genial durchdachter Plan Risse zu bekommen. Tücken und Fallstricke bestimmen den Gefängnisalltag, die nur in Form von Kompromissen und dem unverletzlichen Glauben an das Gelingen seiner Mission überwunden werden können.
Kritik
Dramaturgisch betrachtet gleicht Prison Break einer Schnipseljagd. Ein Rätsel wird nach dem anderem etabliert. Während eines aufgedeckt wird, ein weiteres sich dem Zuschauer nur teilweise erschließt, kommt ein neues Rätsel hinzu - zwei Schritte vor und einer zurück.
Zusätzlich aufgezeizt wird die ununterbrochen vorherrschende Spannung durch den präzisen Zeitplan, dem Michaels Ausbruchsvorhaben unterliegt, und die Störungen, die dieser zu allem Übel erfährt. Die dynamische Schnittfolge zwischen den kleinen und großen Geschehnissen des Gefängnisalltags, und der ständige Wechsel zwischen den beiden Haupthandlungssträngen, der Gefängnisinnenwelt und der Jagd nach Aufdeckung der politischen Intrige in der Außenwelt, lassen einen kaum zu Atem kommen - Herzleidende sollten diese Serie meiden.
Das Sujet ist nicht neu, aber in einer bislang noch nicht gezeigten Art und Weise aufbereitet, die einen bleibenden positiven Eindruck hinterlassen wird. Ein Verdienst nicht zuletzt der herausragenden Darstellung der Figuren, die als Ensemble wunderbar aufeinander abgestimmt sind.
Die Autoren bedienen sich jedoch mit dem Themenkreis um Justiz und Politik einer Problematik, die sie zwar dem Zuschauer unterhaltsam darbieten, bei der sie es aber leider zu oft an Tiefgründigkeit mangeln lassen.
Angesichts der realen Situation in der sich die Welt heute befindet - z.B. der UNO vorgelegte fingierten Beweise des Weißen Hauses zur Legitimation des Irakkrieges - wirken
die wenigen Szenen der Serie, die das korrupte Zusammenspiel zwischen Wirtschaft und Politik andeuten, eher wie kleine Feigenblätter. Welche „Company“ da wohl Druck ausgeübt hat?
Hier wurde eindeutig Potential verspielt.
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Christian Junklewitz am Samstag, 22.Dezember 2007 10.00 Uhr
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